Die Kalpa

Dunkle Wolken zogen über den bleigrauen Himmel, als der große Mann, der die ganze Zeit an der Steuerbordreling gestanden hatte, einen Entschluß faßte und sich den Weg zur Stiege des Achterdecks bahnte. Der Wind war zu einer steifen Prise aufgefrischt und der schlanke Zweimasters wog sich unruhig von einer Seite auf die andere. Fast am Fuße der Treppe angelangt, traf eine kräftige Woge das Schiff an der Backbordseite. Gischt schoß an der Bordwand empor und hüllte den blonden Hünen in eine Wolke feiner Wassertröpfchen. Kurz um sein Gleichgewicht ringend, ergriff dieser mit fester Hand das hölzerne Geländer und zog sich zum

Achterdeck hinauf. Oben angelangt, erblicke er die drahtige Gestalt des Kapitäns, der sich gerade mit dem Steuermann unterhielt. Der Albai zögerte kurz, wollte er doch nur ungern die Unterhaltung der beiden Männer stören; dann aber nahm er sich aber ein Herz, räusperte sich und sprach: "Entschuldigt Kapitän, könnte ich einen Moment mit Euch sprechen ?"
Von seinem Gesprächspartner aufsehend, fixierte der Kapitän den Neuankömmling mit stechendem Blick. "Um was geht es, Lord Kenden ?" Die Stimme des chryseiischen Seemanns klang ungeduldig - fast gereizt.
Der albische Adlige, für einige Augenblicke verunsichert, begann schließlich zögerlich zu sprechen: "Nun, wie soll ich sagen, Kapitän. Ich ... ich habe den Eindruck, daß einige ihrer Leute ob des aufkommenden Unwetters etwas nervös sind." Der Albai legte eine kurze Pause ein, in der er sich zu sammeln suchte und fuhr dann fort: "Und ... nun ja ... ich würde gerne wissen, ob ich mir ebenfalls Sorgen machen sollte ?" Sichtlich erleichtert dieses etwas heikle Thema zur Sprache gebracht zu haben, huschte ein kurzes, verlegenes Lächeln über die sonst so hart wirkenden Züge des Recken - nun ja, er war nie ein Mann der Worte gewesen.
Das wettergegerbte Gesicht des Chryseiis wirkte einige Momente versteinert, bevor der Schiffsführer antwortete: "Nun, ob des kommenden Unwetters macht Euch mal keine Sorgen. Mein Schiff ist robust und meine Männer tüchtig. Wir werden den Sturm schon meistern ..... mit Hilfe der Götter."

Der Kapitän verstummte, obgleich es dem Albai schien als müßten weitere Worte folgen. Die ledern wirkenden Züge des Kapitäns schienen sonderbar angespannt, und sein Blick hatte etwas von einer diebischen Elster, die ihre kleinen Schätze vor den Augen eines interessierten Betrachters zu verbergen suchte. Der Steuermann, der die Unterhaltung mitverfolgt hatte, schien zur Salzsäule erstarrt, während er mit fast ängstlich wirkenden Blicken seinen Dienstherrn bedachte. Irgend etwas stimmte nicht, schien an dieser Situation falsch. Dieses Eindruckes konnte sich der Clansmann einfach nicht erwehren. Mit mißtrauischem Blick seinen Gegenüber musternd, setzte er schließlich nach, wobei seine Stimme mehr als nur auffordernd klang: "Ihr verschweigt mir irgend etwas. Und ich will sofort wissen was !" Die Worte des Kämpen durchschnitten die feuchte Seeluft wie der kalte Stahl eines albischen Claymores und ließen den Kapitän schuldbewußt zusammenzucken. "Behandelt mich gefälligst nicht wie ein jämmerliches Waschweib und sprecht zu mir in voller Offenheit."
Deutlicher Zorn schien in der Aufforderung des Hünen mitzuschwingen, doch der Kapitän schien immer noch geschockt über seine Entlarvung, stumm um Worte ringend. Seines barschen Tons gewahr werdend, besann der Albai sich auf eine andere Strategie und setzte mit sanfter Engelszunge nach: "Ihr müßt mir nichts verschweigen. Ich war stets ein Mann der Tat und Gefahr mein ständiger Begleiter. Nichts wird mich so leicht schrecken. Ihr solltet mir vertrauen."
Abermals trat eine Pause ein, in welcher der Albai mit einem Ausdruck gekünstelter Zuversicht, gespannt auf eine Reaktion des Kapitäns wartete. Und siehe da, der Versuch, die ernste Situation durch diese freundlichere Gangart aufzulockern, schien geglückt, denn der Kapitän brach sichtlich betroffen sein Schweigen: "Selbstverständlich nicht, eure Lordschaft. Ihr seid ein Mann mit Schneid, das sah ich gleich. Nur, ... nun, wie soll ich sagen. Es ist nicht der nahende Sturm, der meine Männer in Unruhe versetzt. Vielmehr ist es ... die Furcht vor den Kalpa." Dieses Mal war es der Kapitän, der ob Gesagtem erleichtert war, obgleich er sah das sein Gegenüber ihn nicht zu verstehen schien.
"Kalpa, Kapitän? Wer oder was sind Kalpa?"
Der Kapitän schien kurz mit sich zu ringen, bevor er zur Erklärung gab: "Nun, wie soll ich sagen, eure Lordschaft ? Ein jedes Kind in Chryseia würde wissen, von was ich rede."
Verärgert über diese überflüssige Bemerkung, antwortete der Krieger in leicht gereiztem Ton: "Schön, Kaptiän. Aber ihr solltet sicherlich auf unserer Reise von Fiorinde bis hierher gemerkt haben, daß ich weder Kind noch Landsmann bin."
"Natürlich, eure Lordschaft! Entschuldigt bitte meine Torheit. Es ist nur ..... nun, ... über die Kalpa zu sprechen bringt Unglück. Manche behaupten, sie könnten hören, wenn man von ihnen spräche. Und es heißt, daß sie dann erst recht an die Oberfläche kämen, um den Gesprächigen zum Schweigen zu bringen."
Bei dem albischen Schwertmann war gereiztes Blut in unverhohlene Neugier umgeschlagen, als er mit bestärkender Stimme sagte: "Glaubt mir mein guter Oikon, nur die Götter werden unsere Zeugen sein. Erzählt mir von diesen Kalpa!"Unsichere Blicke untereinander austauschend, nickte der Kapitän dem Steuermann schließlich zu und begann mit gesenkter Stimme, die fast im Getöse der anrollenden Wellen unterzugehen drohte, seine Erzählung ....

"Die Kalpa sind dämonenartige Amphibienwesen, die seit der Zeit der Magierkriege auf Midgard weilen. Ursprünglich beheimatet auf einer düsteren Sumpfwelt Ykar´nak in den Ebenen der Finsternis, fanden sie durch ein Weltentor Eingang nach Midgard. Nach den Magierkriegen zogen sich die kaulquappenähnlichen Wesen vom Festland ins Meer zurück und paßten sich dort weitgehend ihrer neuen Umwelt an. Die Kalpa genauso häßlich wie bösartig, hassen die Menschen und knechten jene Lebewesen, die mit ihnen den Lebensraum teilen. Das seefahrende Volk im Raume Chryseias und der Küstenstaaten fürchten die Kalpa, von denen es heißt, daß sie an besonders düsteren und stürmischen Tagen aus ihrem dunklen Reich der Tiefe emporkämen, um mit ihrem Piranhagebiß Jagd auf unglückliche Seefahrer zu machen.

Aussehen: Die Kalpa sind vom Kopf bis zur Schwanzspitze meist um die drei Meter. Ihre körperliche Gestalt ähnelt der eines irdischen Frosches in der Entwicklungsphase zwischen Kaulquappe und Landfrosch - nur das die Evolution bei ihnen in umgekehrter Reihenfolge verlief. Die einstmals kräftigen Hinterbeine haben sich weitgehend zurückgebildet, obgleich ihr Einsatz an Land durchaus noch möglich ist. Ihre wahre Stärke entwickeln sie jedoch in ihrem Element: Wasser. Dort verhilft ihnen ihr kräftiger Flossenschwanz zu einem mächtigen Instrument der Fortbewegung und läßt sie nur unwesentlich langsamer als einen Fisch erscheinen. Die Kalpa sind reine Fleischfresser und stellen ihrer Beute sowohl mit spießähnlichen Waffen, wie auch mit ihren natürlichen Beutewerkzeugen, ihrem monströsen Gebiß und ihren klauenartigen Vorderfängen, nach. Ihre Wahrnehmungsorgane sind den lichtlosen Tiefen des Meeres angepaßt und taugen nur bedingt jenseits dieser düsteren Welt. Als evolutorisches Überbleibsel verfügen die Kalpa neben ihren Kiemen über eine in der Rückbildung befindliche Lunge, die es ihnen aber dennoch gestattet, für kurze Zeit die Grenzen ihres angestammten Lebensraumes zu überwinden. So wird auch weiterhin ängstliches Bangen die Runde unter den chryseiischen Seefahrern machen, wenn sich am Horizont dunkle Wolken auftürmen, um vom nahenden Unwetter zu künden; denn dies ist die Zeit der Kalpa; die Zeit, in der ihre glitschigen, blaugrauen Körper aus der schäumenden See aufsteigen, um Angst und Schrecken über die Menschen zu bringen. Und niemand, der einen Kalpa sah, wird jemals die kalten, unbarmherzig dreinblickenden Augen vergessen, die ihren Opfern einen grausamen Tod verheißen.

Nachtrag: Nach Überlieferungen der Chryseii heißt es, daß sich dort unten, in den lichtlosen Tiefen des Meeres, eine große Stadt der Kalpa befindet. Und das sich in dieser Stadt, die die Kalpa selbst R´yleh nennen, noch etwas anderes verbirgt als nur die Amphibiendämonen; etwas derartig Böses und Blasphemisches, daß es selbst den Kalpa bis zum heutigen Tage Verehrung abverlangt. In den maralingischen Tempelschriften ist die Rede vom Widersacher der Götter, dem Titanen oder Leviathanen, der dort unten, an der tiefsten Stelle des Meeres, von den Göttern eingekehrkert wurde - von Anbeginn der Zeit bis in alle Ewigkeit. Und der von Posidon höchstpersölich bewacht in einem todesähnlichen Schlaf verharrt, auf das er niemals freikommt, denn dies wäre das Ende der Welt.

Kalpa (Dämonenartige) In: m50
Grad5 LP4W6+2 AP4W6+12 Res.+14/14/12  
LR RW60 HGW90 B28/12 Abwehr+13

Angiff:
Dreizack+8   (1W6+4/2W6+4)
Klaue+9   (1W6+1)
Biß+9   (1W6+2)
 

Besonderes: werden durch helles Licht geblendet, sind immun gegen Bezauberungen

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