Tagebuch

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Hi !

Ich leite schon länger Rollenspiele und versuche schon ewig meinen Spielern das Schreiben eines Tagebuchs schmackhaft zu machen. Ich denk mir halt, daß es ganz sinnvoll und stimmungsvoll ist. Aber bis jetzt hat kein Mittel etwas gebracht. Weder Belohnung (Erfahrungspunkte..) oder Drohung. Hat wer eine Idee?

Rainer Fedra

Zunächst einmal: Wenn Deine Spieler ganz einfach nichts davon wissen wollen, dann versuch nicht, sie dazu zu überreden oder gar zu zwingen. Zu schnell wird sonst aus einer eigentlich netten Idee eine lästige Pflicht, die eher an Schule oder Uni erinnert - und Rollenspiel soll ja in erster Linie Spaß machen, oder? -- Thorsten Lange

Versuch es mal damit, daß Du in der nächsten Sitzung eine Mitschrift der letzten Sitzung mitbringst, die Du auch verteilen kannst. Dann beginnst Du allmählich damit gelegentlich Bemerkungen von NPC's einzustreuen, die mit der Handlung offensichtlich nicht viel zu tun haben. Sorge dafür, daß diese Hinweise ein paar Sitzungen später relevant sind. Parallel sorgst Du dafür, daß Deine Mitschrift wieder schwächer wird, aber wenigstens EINMAL einen solchen Hinweis reproduziert. Du erreichst damit, daß ohne eine Mitschrift das Leben schwerer wird. Lemmi

Nein, man erreicht damit, daß sich die Spieler ärgern. Erst macht der Spielleiter ihre Arbeit (Notizen machen) überflüssig, dann nimmt er sie ihnen ab (na gut), und dann macht er das so schlecht, daß wichtige Hinweise fehlen, so daß sie wieder selber Notizen machen müssen. Nebenher nervt der Spielleiter auch noch die ganze Zeit herum, daß ja auch jemand anders die Mitschrift tippen könnte (noch mehr Arbeit), und daß sie ohne die Mitschrift im Regen stehen (Quatsch). -- Clemens Meier

Ich denke, daß sich nicht jeder Charakter dazu eignet, ein Tagebuch zu führen. Für einen Forschungsreisenden wäre ein Tagebuch nahezu unverzichtbar und auch der reisende Magus ist bestimmt nicht abgeneigt, seine Erlebnisse festzuhalten. Ein Streuner oder Dieb hingegen wird sich eher am Jetzt orientieren und kaum sich kaum vorstellen können, die in vergangenen Jahren gefüllten Bücher später noch einmal aufzuschlagen (ganz abgesehen davon, daß ein Tagebuch auch gegen ihn verwendet werden könnte, wenn die Obrigkeit ihn doch kriegen sollte). Und während ein Krieger sicherlich ein Kriegstagebuch führen kann, wird der ungebildete Barbar eine ganz andere Verwendung für dicke Bücher mit gutem, weichen Papier haben... -- Thorsten Lange

Eigentlich sollte sich dadurch im Laufe der Zeit jemand finden, der neben seinen einfachen kurzen Notizen etwas mehr schreibt. Dies sollte insbesondere dann eintreten, wenn man durch seine Mitschrift den einen oder anderen Bonus erhält. Hier sollte man jedoch darauf achten, daß der Bonus NICHT für die Mitschrift, sondern für das ERINNERN an eine vergangene Begegnung oder Andeutung, die das (Spiel-) Leben einfacher macht, vergeben wird. Lemmi

Glaube ich nicht. Das Ausformulieren (und Mitschreiben sollte außerhalb der Rollenspielrunde der Stenotypistenklasse 3a Berufsschule Bad Salzuflen unmöglich sein) von Notizen ist eine nichttriviale Aufgabe, die eine ganze Menge Zeit kosten kann, wenn man es ordentlich machen will. Und wer bekommt den Bonus? Der, der die Notiz über das erinnerte Ereignis geschrieben hat? Der, der diese Notiz in Reinschrift verwandelt hat? Der, der daran denkt, daß er etwas über dieses Ereignis in der Reinschrift gelesen hat? Oder alle, weil sie ja alle das Protokoll vom letzen Abend erhalten und gelesen haben? -- Clemens Meier

Vielleicht könnte ein NSC (vorzugsweise ein König, o.ä.) den Charakteren den Auftrag geben, ein bisher unerforschtes Gebiet zu bereisen und ihm hinterher über ihre Erlebnisse Bericht zu erstatten (s.o. 'Forschungsreisender'). Der Nachteil ist natürlich, daß Deine Kampagne dann eine völlig andere Richtung nimmt, denn mit dem unbekannten Land kann man sicher einige Abenteuer füllen. Außerdem kann es Dir passieren - je nachdem, wie oft Du den Tagebuchvorschlag schon gebracht hast - daß Du nur ein Oh nein, nicht *schon* wieder...' erntest. Eine andere Möglichkeit wäre, die SCs das Tagebuch eines (verstorbenen) NSCs finden zu lassen, der möglicherweise das gleiche Ziel hatte, wie die Charaktere. Die Erkenntnisse des NSCs könnten dann für die Charaktere sehr hilfreich sein. Oder die SCs erfahren auf diese Weise erst von XXX und entschließen sich, den Spuren des NSCs zu folgen (hier mußt Du wissen, was Deinen Spielern wichtig ist). Vielleicht kommt dann ja jemand auf den Geschmack, und führt das Tagebuch fort. Außerdem merkst Du dann natürlich, wie aufwendig so etwas ist und was Du von Deinen Spielern verlangst (erst recht, wenn das gefundene Buch einen Zeitraum von zwei, drei Jahren abdecken soll). -- Thorsten Lange

Wenn keiner Bock hat, seine Rollenspielerlebnisse in Reinschrift festzuhalten, dann muß der Spielleiter das selber machen, wenn er partout so einen Roman haben will. -- Clemens Meier

Es geht nicht darum, einen Roman zu haben, sondern darum, vor allem in längeren, verwinkelten Kampagnen mit viel Intrige die Übersicht zu behalten und die Gedanken der SCs Über die NSCs zu kennen um diese dann sinnvoll weiterzuentwickeln. Es geht mir nämlich ziemlich auf die Nerven, wenn mich meine Spieler immer fragen: 'Wie hat der geheißen? Woher hat er gesagt kommt er?' usw.. -- Rainer Fedra

Das mit den Namen ist die eine Sache, soviel Notizen seitens der Spieler sollten wohl schon sein. Und falls meine Spieler tatsächlich Namen verwechseln oder vergessen, dann haben sie sich eben ein Problem mehr eingehandelt. Es ist ja denkbar, daß ein Spielercharakter einen Namen vergißt, das passiert eben... (Wobei der SL fairerweise den NSC Namen geben sollte, die diese Bezeichnung auch verdienen, und nicht wirre Silbenkombinationen aus irgendeinem der tausend verfügbaren Namensgeneratoren, aber das ist wohl ein anderes Kapitel...) Die Übersicht über die laufende Kampagne hingegen ist eine ganz andere Sache. Hier ist meiner Meinung nach alleine der SL gefragt, denn nur er alleine hat die Möglichkeit, sich Notizen in der Vollständigkeit zu machen, wie er sie eventuell später benötigt. Das heißt im Klartext: Mehr Arbeit für den SL, aber das Leben ist eben hart. Bei mir läuft das so ab: Meine Abenteuer entstehen sowieso am Computer im Textverarbeitungsprogramm XX_XXX, und nach dem Spieleabend mache ich mir eben noch mal die Mühe, eine 'bereinigte Version' zu erstellen, in der spontane Änderungen und Erfindungen (und mir kann keiner erzählen, daß er ohne auskommt ) und - ganz wichtig - die Motivationen für die Handlungen der NSC, berücksichtigt sind. Diese Version kommt dann zu den Akten. -- Elmar Bihler

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