Die Ballade von Sir Arni und dem gelben Drachen

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Hallo auch !

Naja, zwar geklaut, aber ich fands echt nett.

nice dice, Peter Schultz


'Die Ballade von Sir Arni und dem gelben Drachen', vorgetragen von Gospupin Spoknul, einem moravischen Barden, in Staphylos' Kneipe 'Oinoion' in Mythros, einer kleineren Stadt in Chryseia, Midgard.

Verfaßt von Thomas Kettenring, Ende 1991 anläßlich einer Midgard-Kampagne, bei der er zunächst Co-Meister, dann Meister war, und darin verwendet zum Ergötzen der Spieler. (Ich weiß, daß Drachen auf Midgard alle Feuer speien, aber wer sagt denn, daß das alles authentisch ist, was der Barde da verzapft?). Teilweise ist es recht lustig, teilweise bin ich nicht so glücklich mit den Formulierungen, aber mir sind keine besseren eingefallen.


Ihr Leute, höret alle her,

Ich weiß jetzt, was wir machen,

Ich erzähle euch die Mär

Vom Ritter und vom Drachen.

Ich sing von Heldenmut und Tod,

Vom Kampf und vom Verderben,

Und von des Ritters täglich Brot,

Vom Töten und vom Sterben.

   

   

   

   

Sir Arni war ein junger Mann

Von einundzwanzig Jahren,

Als endlich er damit begann,

Die Welten zu befahren,

Um sie von scheußlichem Getier,

Von Drachen zu befreien,

Die voller Eifer und voll Gier

Die Menschheit arg bedräuen.

In Blyn'awn war's, wo dieser Ritter

Von dem gelben Drachen hörte,

Der die dicken Eisengitter

Einer stolzen Burg zerstörte,

Der dort eindrang, der das Gold

Des Burgherrn an sich nahm und der,

Während er es sich geholt

(Nach und nach und hin und her),

Ziemlich viele Bauern fraß.

Das war dem Burgherrn zwar egal,

Doch verstand er keinen Spaß,

Ging's um sein eig'nes Kapital.

   

   

 

   

Ein Trupp von Helden ward gedungen,

Und Sir Arni war dabei.

Mit solchen Tieren schon gerungen

Hatten von den Zwölf nur zwei.

Beide waren alte Elben,

Die vor ewig langer Zeit

Eines roten - keines gelben -

Drachen Rumpf vom Kopf befreit.

Nur ein feuerfester Schild

Hatte sie davor bewahrt,

Angekokelt und gegrillt

Nach der roten Drachen Art

Ihre Leben zu beschließen.

Doch die gelben Drachen pflegen

Schwefelsäure zu vergiessen,

Anstatt Feuerchen zu legen,

So daß der Schild in diesem Falle

Nicht von großem Nutzen war.

Die and'ren Helden waren alle

Jeglicher Erfahrung bar,

Was die Drachen anbetrifft.

Einer war ein Meisterheiler,

Vollkommen vertraut mit Gift

Und mit tiefen Wunden, weil er

Früher schon die Welt bereist.

Zwei waren Priester des 'Herrn Mond'.

Das ist der berühmte Geist,

Der in Blyn'awns Sümpfen wohnt

.

 

   

 

   

Fünf waren Söldner, kampferprobt

In jahrelangen Kriegen.

Sie hatten ihrem Herrn gelobt,

Die Bestie zu besiegen.

Der zwölfte war ihr Herr, dem all

Die Schätze war'n gestohlen.

Sein Interesse an dem Fall

War nur, ganz unverhohlen,

Das Gold zur Burg zurückzubringen.

Die and'ren Männer wollten auch

Den Wurm, den eklen, niederringen,

Damit der gelbe Säureschlauch

Von nun an keine Menschen schlachte.

Das Gold, das jenes Ungeheuer

Aus and'rer Herren Länder brachte,

War ihre Beute. Ach wie teuer

Haben sie dafür bezahlt!

Doch schweig still, mein Mund! Denn nur

Richtig spannend ausgemalt,

Eine wirkliche Tortur,

So ist die Geschichte gut.

Also hört den wahren Lauf,

Hört von Mut und List und Blut,

Hört von Kampf und Tod zuhauf.

Der Götter Gnad' gewiß zu sein,

Man opfert Fleisch den höchsten Wesen,

Und aus des Opfertieres Innerei'n

Die Abmarschzeit wird d'raus gelesen.

Nach vierundzwanzig Tagen

Macht sich die Schar bereit -

Die Innereien sagen,

Das ist die richt'ge Zeit.

 

   

 

   

Der Trupp macht sich im Morgengrauen

Auf den Weg, um mittags gleich

Des Monsters Unterschlupf zu schauen,

Einen kleinen grünen Teich

Inmitten vieler alter Linden.

Die Landschaft drumherum war Moor.

Um ihre Ankunft nicht zu künden

Der Bestie, ging'n sie langsam vor,

Sie robbten und sie schlichen

Bei Gegenwind in Richtung Teich,

Vom Drachen nicht zu riechen -

Oder jedenfalls nicht gleich.

Das Untier merkte, daß sie kamen,

Denn ein Drache ist gescheit,

Und die Wege, die sie nahmen,

Kannte er und war bereit.

Mit gezückten Schwertern stand

Ein Dutzend Helden bei den Linden,

Lauschte, spähte angespannt,

Doch kein Drache war zu finden.

Zwei Söldner wateten hinein

In den See, um ihn zu stören,

Doch kein Drache fand sich ein,

Und kein Drache war zu hören.

'Um so besser, ' sprach der Herr,

'Hol'n wir uns die Beute!'

Als aus heit'rem Himmel er

Herabstieß auf die Leute,

Schnappte einen Elben

Mit seinen scharfen Krallen,

Tötete denselben,

Lies ihn wieder fallen,

Biß den Burgherrn in zwei Stücke,

Während er mit einem Hieb

Arni schlug wie eine Mücke,

Daß der reglos liegenblieb.

 

   

   

   

Dann hob er ab, bevor die Helden

Auch nur wußte, was geschah.

Zwei Tote waren zu vermelden,

Sir Arnis Leben in Gefahr,

Und das Untier war verschwunden.

Der Heiler eilte schnell herbei,

Sir Arni ward verbunden,

Die Priester spendeten Arznei.

Da ist der Drache wieder da!

Er speit Säure auf die drei,

Die zum Heilen dieser Schar

Mitgekommen. Ihr Geschrei

Ist von weitem schon zu hören.

Sie wälzen sich, sie zischen, rauchen,

Lösen sich, und sie verdörren.

Man sieht den Drachen untertauchen.

   

   

 

   

  Ein Söldner springt ins Wasser,

Drischt auf die Bestie ein,

Und dieser Drachenhasser

Erwischt des Drachen Bein,

Bevor der ihn zerfleischt.

Der Elb schießt einen Pfeil,

Der das Tier erreicht,

Ein Söldner wirft ein Beil,

Ein zweiter einen Dolch,

Ein dritter eine Lanze,

Doch nicht mit viel Erfolg.

Der vierte geht aufs Ganze,

Rennt mutig und verwegen

Mit Planschen und mit Schreien

Dem gelben Wurm entgegen.

Auf solche Narreteien

Ist der Drache schon gefaßt.

Mit dem Schwanz ein einz'ger Schlag -

Doch der Schlag hat ihn verpaßt!

Der Söldner taucht! Sein letzter Tag

Ist dennoch angebrochen.

Ein zweiter Schlag zerschmettert

Dem armen Kerl die Knochen,

Bevor er noch erklettert

Des Drachen Hinterteil,

Um dessen Riesenschwingen

Zu spalten mit dem Beil,

Weil die wohl leichter gingen

Als and're Drachenteile.

Der Elb indes verschießt

Ne ganze Mange Pfeile

Wohl auf das gelbe Biest.

Der Drache schaut ihn an, holt Luft

Und bläst ihn voll mit Schwefelsäure.

Der feuerfeste Schild verpufft,

Die Rüstung schwindet auch, die teure,

Der Drache setzt gleich noch eins drauf,

Der Strahl ist gut geraten:

Der ganze Elb, er löst sich auf,

Und mit ihm zwei Soldaten.

Der letzte Söldner stürmt drauflos,

Doch der Sturm hat nicht viel Sinn.

Bevor er landet einen Stoß -

Ein Tatzenhieb, und er ist hin.

 

   

 

 

Sir Arni ist alleine jetzt.

Ihm ist gar nicht wohl zumute.

Zwei Männer, von dem Tier zerfetzt,

Liegen da in ihrem Blute.

Drei weit're dümpeln in den Wellen,

Hier ein Stück und dort ein Stück,

Und an verschied'nen and'ren Stellen.

Nennt man das ein Schlachtenglück?

Die sechs verätzten Leichen -

Schaut da bloß nicht hin -

Sind auch nicht grad ein Zeichen

Von Glück im eng'ren Sinn.

 

Langsam, wie ein Ungewitter,

Mit Gezisch und mit Gefauch,

Nähert sich das Tier dem Ritter.

Der öffnet seinen Wasserschlauch...

Und als die Bestie dann beginnt,

Einzuatmen, aufzuplüstern,

Da spritzt ihm des Glückes Kind

Wasser in die Nüstern.

 

   

   

   

Erst das Wasser, dann die Säure,

So lernt man's in Alchimie,

Sonst geschieht das Ungeheure!

Der Drache geht schon in die Knie,

Das Ungetüm hat sich verschluckt,

Es hustet und es niest,

Es krächzt und röchelt und es spuckt.

Sir Arni schlitzt dem Biest

Die Kehle auf, solange noch

Der Hustenanfall hält,

Der Ritter taucht ins Wasserloch

Und sucht nach seinem Geld.

Und als er traf in Blyn'awn ein,

War Jubel in den Gassen,

Das Tier war tot, der Schatz war sein -

Dabei will ich's belassen.

   

   

 

Thomas Kettenring

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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