Gute Priester ?

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Folgender Text setzt sich mit dem Bild der guten Priester, Religionen und Ungläubigen in Midgard auseinander. Er bringt einige Gedanken, die mir immer wieder durch den Kopf kreisen, zu "Papier".

Einführung:

Jeder von uns hat seine eigene persönliche Vorstellung, wenn er seine Gruppe einem Priester begegnen läßt oder ein solcher sich sogar in der Gruppe befindet. Aber, woher werden die Vorbilder für diese Charaktere genommen? Midgard ist ja eine, immer wieder auf historischen, Dingen beruhende Welt. Was liegt also am nächsten, als irdische Priester und Kulte zu nehmen? Nun, von der Ausbildung der Kulte und deren Verschiedenheit sicher ein guter Ansatz. So müssen die Priester des frühen Christentums, die Inquisitoren aus Spanien, die Druiden der Kelten, die Medizinmänner der Indianer und andere als Vorbilder herhalten. Schön und gut, aber was ist daran falsch, was stört?

Probleme

Die Geistlichen der Welt werden von uns im Nachhinein mit einem uns eigenen weitgehend gottlosen Weltbild geschildert und gespielt. Glauben bildet aber auf Midgard, wenn wir uns schon am Mittelalter orientieren DEN zentralen Mittelpunkt. Es wird nicht an der Verbesserung des jetzigen Lebens gearbeitet. Die Bevölkerung begreift ihr Leben als Prüfung, um in das Paradies zu gelangen. Der Glauben ist nicht nur Erklärung für Unerklärliches, es ist oft Lebenszweck und Inhalt. Dabei bekommt er eine für uns unfaßbare weitere Dimension hinzu. Auf Midgard sind Götter nicht nur Glaubenssachen, sie sind (manchmal bittere) Realität. Somit geht der Glaube über unseren Begriff des Glaubens hinaus. Es ist "rational" begründbar. Die Götter sind mächtig. Dies muß immer im Hinterkopf behalten werden. Frevler und Gotteslästerer können "real" bestraft werden. Wieso sollte nicht den einen Meineid Schwörenden ein Blitz treffen? Gottesstrafen existieren ebenso wie die Göttliche Gnade. Die Gefahr durch falschen Schwur oder frevelhaftes Verhalten sich den Zorn der Götter und ihrer Priester zuzuziehen ist gegeben. Auch ein "Ungläubiger" wird sich hüten in einem Heiligtum einer Gottheit den Frieden zu stören. Die Gefahr geht dort nicht nur von Ordenskriegern aus..... Kommen wir zu den Priestern. Hier spielt die christliche Religion des Mittelalters wohl eine entscheidene Rolle. Jeder hat dann die Kreuzzüge, die Hexenverbrennungen und die Inquisition vor Augen. Dazu kommen die weltlich mächtigen Kirchenfürsten und eine ehrfürchtige Bevölkerung. Nun was kann man davon auf Midgard wohl aller Wahrscheinlichkeit wiederfinden und was sollte dabei berücksichtigt werden.

Fragestellungen

1. Wird es Kämpfe um die wahre Religion geben? (Man nehme das Eschar-Quellenbuch zur Hand) Wohl schon, was aber machen wir mit den Göttern? Wie kann eine Fruchtbarkeitsgöttin (z.B. Nea Dea) einen Kreuzzug gegen z.B. eine sektierende Fraktion in einem abgelegenen Teil Chryseas dulden? Wie können sich Twyneddische Krieger auf ihren Herrschaftsgott berufen, wenn ihre albischen Gegner das Zeichen Xans voranführen? Und wie paßt das mit dem Gedanken nur eines göttlichen Wesens zusammen, das nur unter verschiedenem Namen aber mit dem gleichen "Zuständigkeitsbereich" auftaucht? Wie kann ein "Guter" Gott, daß dulden während die Orks im Pengannion hausen?

2. Wenn wir an Hexenverfolgungen denken, so kommen uns immer nur die ungerechten unter Folter erpreßten Geständnisse der armen Frauen in den Sinn. Aber hier gibt es schwarze Magie. Werden trotzdem Unschuldige verurteilt? Können hier Priester auch aus persönlichen Racheambitionen handeln? Würde ihr Gott sich nicht bemerkbar machen? Wie könnten Priester des Dheis Albi Elfen als schwarze Hexer/Hexen verfolgen, obwohl diese doch per definitionem (Tolkien) das Gute darstellen?

3. Es wird mit Sicherheit mächtige Hohepriester geben, die in ihren Befugnissen nur kurz hinter den Großen des Reiches stehen, wenn nicht gar sie gerade diese Großen sind. Aber werden sie sich soweit von den Grundsätzen ihrer Religion entfernen wie die mittelalterlichen Päpste?

4. Wie steht es mit der religiösen Einstellung der Bevölkerung? Heutzutage glaubt keiner mehr wörtlich was in der Bibel stand, aber im Mittelalter? Dort war die Bibel Gesetz.

Gedanken und Lösungsansätze

1. "Magie ist selten."
Die Masse der Bevölkerung wird normalerweise das, was sie gerade als Priester ansieht, mit aller größtem Respekt behandeln. Diese Männer oder Frauen gebieten über Kräfte, die der Großteil einfach nicht kennt (man zitiere das Werk JEFs "Magie ist selten"!!!!!) und auch nicht versteht. Wir spielen nicht AD&D. Das heißt, es gibt NICHT an jeder Ecke einen Tempel oder Alchemistenshop. Zauberer sind Gesellen denen mit Mißtrauen oder Ehrfurcht begegnet wird / werden muß. In diesem Zusammenhang ist eine Abenteuergruppe ohne Zauberkundigen eine sehr reizvolle Sache (nur nebenbei).

2. ZauberMACHT
Gerade Priester können durch ihre Kräfte die Macht der Götter unter Beweis stellen, wenn sie zaubern. Sie werden für jede Heilung nicht Bezahlung sondern Spende und Gebet, Buße oder ähnliches Verlangen. Weiterhin können Priester mit ihrem Gott REDEN. Ja, diesen Zauber gibt es. Aber Gott redet nicht viel, er hat auch anderes zu tun (deswegen ist der Zauber nur 3mal pro Monat anwendbar). Jedoch bietet dieser Spruch dem Priester absolute Sicherheit zu erlangen, wenn er in Fragen des Glaubens Zweifel hat. Der Papst hatte diese Möglichkeit nicht und war wohl auch froh drum. Der Gott/die Göttin kann aber auch mit ihren Gläubigen sprechen. Aber er/sie wird das nur selten tun und deswegen wird das Wissen über diesen Zauber wohl sehr geheimgehalten. Ein Hohepriester kann nicht einfach nach seinem Gutdünken regieren, nein er wird wohl Rücksprache halten, auch wenn die Ergebnisse der Befragungen nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Der "kleine" Priester kann für frevelhaftes oder auch nur kleine Abweichungen vom Pfad der Tugend bestraft werden. Wie? Nun man entziehe oder erschwere ihm das Zaubern von Grundfertigkeiten. Ja, sowas kann der Spielleiter! Der Ordenskrieger hat sich mal wieder erst die Plattenrüstung angezogen bevor er sich seinen schwer bedrängten Kameraden an die Seite gestellt hat. Da war dann wohl nix mit dem Heiligen Zorn. Oder der Spieler weiß, daß das kleine Mädchen, das hier um Hilfe wimmert nur ein erpreßtes Kind ist, das die Abenteurer in eine Falle locken soll. Was tut die Fruchtbarkeitspriesterin? Nun garantiert wird das mit dem Helfen Überwindung kosten, wenn nicht, so wird das Zaubern wohl für die nächsten zwei Tage mit WM-4 erschwert. Die Möglichkeiten auch Priester auf den Pfad der Tugend zu führen sind sehr vielfältig. Auf der anderen Seite wird ein Gott unter Umständen der menschlichen Natur seiner Diener sich gnädig erweisen müssen, um nicht plötzlich sich völlig unbeliebt gemacht zu haben und die Anhänger fallen von ihm ab. Bekanntlich hängt die Stärke eines Gottes von der Quantität und Intensität der Verehrung ab. Hier besteht also ein zu beachtendes Wechselspiel.

3. Inquisition
Wie können nun aber Priester Unschuldige hinrichten (bei schwarzer Magie usw.)? Oder anders gesagt wie kann der Spielleiter auch noch Umberto Ecos "Der Name der Rose" nachspielen, wenn der Inquisitor ein "guter" Priester ist? Nun, Götter sehen auch nicht alles, oder zumindest kümmern sie sich nicht um alles. Sie sind auch Wesen die Bedürfnisse haben. Vielleicht wünscht sich dieser Gott oder sein bestimmter Aspekt gerade den Tod allen Gesocks, egal ob dieses nun schwarze Magie ausübt oder nicht. Weiterhin haben auch die Priester und die Gläubigen selbst Einfluß auf das Wesen ein Gottheit. Sie kann aus ihrer Sicht gut sein, während aus unserer (modern, westlich, atheistisch) das alles verabscheuungswürdig ist. Man denke nur an das Quellenbuch Nahuatlan, dort brauchen gute Götter Blutopfer. Das erscheint uns beileibe nicht gut, für die Bevölkerung ist es aber eine Ehre und die Gunst der Götter beweist, daß diese Taten gut sind. Weiterhin kann sich ein Anhänger in einen solchen Fanatismus hineinsteigern, daß er für die leisen Appelle des Gottes nicht mehr empfänglich ist. Und wer diese Grautendenzen nicht mag, könnte es mit dem finsteren Einfluß des Chaos erklären. Diese Schwärze verdeckt den Zugang zu den wahren Quellen und verschleiert die wahre Herkunft der Anweisungen. Aber wie steht es mit Elfen, dem Inbegriff allen Guten. Wie können sie zu schwarzen Hexern gemacht werden? Auch hier gibt es mehrere denkbare Möglichkeiten. Zuerst könnten sie mit ihren verschlagenen Verwandten, den Schwarzalben verwechselt werden. Zum anderen können die Priester neidisch auf die Erkenntnisse der alten Rasse sein. Oder die Götter selbst sind erzürnt, da die Elfen einfach ihren Einsichten in die Welt trotzen (man lese "Göttliches Spiel"). Ja, oder den Lichtgöttern ist es einfach egal was mit den Elfen passiert. Man kann sich natürlich auch denken, das ein Gott gerade die Freundschaft mit ihnen sucht.

Schluß

Ich will diesen Artikel als Anregung verstanden wissen und würde gerne von Euch Eure Ansichten hören. Ich finde, daß dieser Aspekt in bisherigen Diskussionen zu kurz kam, obwohl es doch gerade für den mittelalterlichen Menschen der zentrale Lebensmittelpunkt war. Es wurde nicht für das Diesseits sondern für die Zeit danach gearbeitet.

PS. Was ich Euch alle schon immer mal fragen wollte, wie steht Ihr zur allgemeinen Schwächlichkeit der Drachen auf Midgard? Die sind einfach zu schwach.

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Till "Eulenspiegel" Elgeti

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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