Schwein-Bauer-König

Ziel dieses Aufsatzes ist es keineswegs, unbedarfte Bürger zu dem hier beschriebenen Glücksspiel zu verleiten. Doch obliegt es dem Autor als Wissenschaftler, jene verruchten Praktiken für die Nachwelt zu dokumentieren, gleichsam mögen diese Zeilen jedem aufrechten Bürger als eine Mahnung dienen. Denn so mancher verlor bei diesem unseligen Spiele Haus, Hof und Frau. Man sagt, der berüchtigte Trinker und Glücksritter Dueffrin Adutwin habe dieses Spiel einmal nicht weniger als drei Tage und Nächte ohne Pause gespielt, drei kräftige Männer waren sodann vonnöten, ihn nach dem Tollhause zu tragen.

Schwein-Bauer-König wird vornehmlich im Gasthaus zum Güldnen Würfel in der Stadt Vinjalond gespielt, welches von Galsting Fagerdahl bewirtet wird. Folgendermassen verläuft dort ein Spiel.

Die Spieler setzen zunächst eine Goldmenge ein, die von Tisch zu Tisch variiert, jedoch stets mindestens das doppelte dessen beträgt, was mit den Gesetzen der Vernunft vereinbar wäre. Alsdann werfen alle Spieler einen Würfel, die Ergebnisse werden von einem unparteiischen Rechenkundigen notiert. Der Spieler, welcher das höchste Ergebnis erzielte (bei Gleichstand entscheidet der Würfel unter den Betroffenen) wird nun das Schwein geheißen. Dem Schwein obliegt es, den Einsatz für die nächste Runde festzulegen. Alle anderen Spieler müssen nun diesen Einsatz erbringen oder passen, dann verlieren sie aber den bisher getätigten Einsatz. Die Spieler führen nun den zweiten, Bauernwurf genannten Wurf aus. Das Ergebnis des zweiten Wurfes wird zum Ergebnis des ersten Wurfes hinzugezählt (freilich ist hierzu ein gerüttelt Maß an Rechenkunst vonnöten), der Spieler mit der höchsten Summe wird der Bauer geheißen und darf den zusätzlichen Einsatz für die dritte, die Königsrunde festlegen. Wieder müssen alle Spieler diesen erbringen oder passen. Der Spieler mit der höchsten Summe aus erster, zweiter und nun auch dritter Runde ist der König und erhält den gesamten Einsatz.

Viele Spieler verzweifeln nun an der Entscheidung, ob sie passen sollen und damit den bisherigen Einsatz verlieren, oder noch weiteres Gold einsetzen sollen, auch wenn ein anderer Spieler bislang eine höhere Summe hat. Der Gewinner der Schweine- oder Bauernrunde muß den Einsatz zudem gleichsam hinreichend hoch (schließlich will er gewinnen) und hinreichend niedrig fordern, so daß nicht alle Spieler passen und er sich einen möglichen Höheren Gewinn entgehen läßt. Selbst die größten Rechenmeister hätten wohl ihre Schwierigkeiten, die verbleibenden Chancen zu schätzen, einen führenden Spieler mit einem oder zwei weiteren Würfen zu überholen.

Man sagt, der Spielteufel selbst ließe sich bisweilen mit Sterblichen zu diesem Spiele nieder. In keinem Falle sollte beim dritten Wurf die eigene Seele eingesetzt werden.

Meister Glauberg

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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