Ondine's Curse

Vermutlich kennen ja die meisten von Euch die germanische Sage, die von der Wassernymphe Undine [lat. unda, für Welle] und ihrem sterblichen Geliebten handelt.

Nur kurz:
Ritter Huldbrecht reitet in einen Zauberwald, um seine Liebe für die adlige Bertha unter Beweis zu stellen. An einem Gewässer im Herzen des Forsts begegnet er Undine, dem ungestümen Kind von Wind und Wogen. Er vergißt Bertha und verliebt sich in die Nymphe. Sie gibt für ihn alles auf und begleitet ihn zurück in die Welt der Sterblichen, um seine Gemahlin zu werden.

Bertha gibt aber nicht so einfach auf und es kommt zum Unvermeidlichen: Huldbrecht wird seiner Undine untreu, sie stürzt sich während einer Bootsfahrt in die Fluten eines Flusses und zieht sich gebrochenen Herzens in eine einsame Uferhöhle zurück. Doch der König der Wassergeister verflucht den Ritter; er verflucht ihn dazu, jeden Atemzug bewußt, ja willentlich tun zu müssen!

Huldbrecht stirbt als er schließlich vor Erschöpfung einschläft und zu atmen vergißt!

Ondine's Curse (so gelesen in Ganong's "Review of Physiology") liegt ein tatsächlich existierendes medizinisches Phänomen zugrunde. Die Atmung wird einerseits autonom (d.h. selbständig, ohne das wir uns darauf konzentrieren und bewußt daran denken müssen) und durch unseren Willen gesteuert (ich will die Luft anhalten, etc.). Wird das unbewußt geregelte Atemzentrum (Neurone im Übergangsbereich von Rückenmark zu Gehirn, Medulla oblongata, gelegen) zerstört oder schwer geschädigt (z.B. durch Poliomyelitis), kommt es zu einem Zustand, der die phantasiervolle Beziehung zur Sage verschuldet hat oder vielleicht gar Ursprung derselben ist. Who knows?

I'll be back!
Äktschen, Arnie, äktschen!

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Robert Eibl

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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