Die Meister

Die Luft im Raum schien vor Spannung zu knistern. Der Kreis der Zuhörer hatte sich im Verlauf der Erzählung immer enger um den sonnengebräunten Escharer gezogen, so daß die ersten, keine Armlänge von ihm entfernt, auf dem steinernen Fußboden hockten und ihn erwartungsvoll anschauten - regelrecht mit ihren Blicken, um die Fortsetzung seiner Ausführungen flehend. Während dieser Redepause, die der Erzähler ganz bewußt eingelegt hatte, um der Bedeutung seiner Worte Gewicht zu verleihen, schienen die Anwesenden den Atem anzuhalten und seine sich plötzlich von neuem erhebende Stimme, wirkte wie der Einschlag eines Blitzes, der die aufgestaute Spannung im Raum zur Entladung brachte:

"Ja, meine Freunde, so war es - so und nicht anders: Nicht alle Seemeister starben im Krieg der Dunklen. Einige Dutzend der Grauen überlebten dieses von ihren finsteren Brüdern gestiftete, schreckliche Unheil. Sie überlebten die unglaublichen Zerstörungen, die diese und ihresgleichen verschuldet hatten; und vielleicht", fuhr er geheimnisvoll fort, "schafften es auch ein paar der Dunklen, dieser auf ewig verfluchten Hurensöhne Alamans." Die Menge der Zuhörer schien bei der Erwähnung des Verfluchten, wie unter dem Peitschenhieb eines scharidischen Sklaventreibers zusammenzufahren. Die Wirkung seiner Worte erfüllte den Escharer mit großer Befriedigung und ein flüchtiges Lächeln stahl sich auf seine verschmitzten Züge. "Sie leben bis heute unter uns, " sprach er mit tiefer Stimme. "Auf einer Insel, die sie die Nebelinsel nennen und deren Zutritt jedem Normal-Sterblichen verwehrt ist; dort mehren sie sich und von diesem Ort nehmen sie Einfluß auf die Welt der Sterblichen - auf die Welt, in der wir leben." Der unheilvolle Blick mit dem der bärtige Escharer seine Erzählung schloß, erstickte jegliche Nachfrage und schuf von neuem eine bedrückende Stille. "Ihr seid ein Lügner, Seefahrer, oder aber ein Narr, wenn ihr glaubt, was ihr da erzählt!" Ein junger Bursche von schlanker Statur und siraoischen Zügen, hatte sich im hinteren Teil des Raumes erhoben und stand nun dort, die Fäuste in die Hüften gestemmt und grimmig den Escharer anblickend, während ein Raunen durch die Menge der Anwesenden ging. "Wie kannst du es wagen, du, .... du Sohn einer räudigen Hündin und eines stinkenden Kamelbullen", sprudelte es aus dem Escharer hervor, nachdem er seine lähmende Entgeisterung überwunden hatte und von seinem Kissen aufgesprungen war. "Ich werde dir für deine Unverschämtheit die ungewaschenen Ohren abschneiden, " fügte der Escharer hinzu, der sich nun offensichtlich vollends gefangen hatte und griff mit dieser Drohung nach seinem verzierten Krummdolch, der am Gürtel seines Kaftans hing. "Haltet gütigst ein, großer Seefahrer Sandobar, Reisender aller Weltmeere und unerschöpfliche Quelle großer Weisheit, " erklang eine feste Stimme unweit des siraoischen Jungen, der Stolz und Kampfbereitschaft vor Überraschung fahren lies. Ein alter KanThai mit weißem, langen Bart hatte sich mühsam neben dem Jungen erhoben und blickte, auf seinen Bambusstab gestützt, in Richtung des Seefahrers. "Bitte vergebt meinem törichten Schüler die Dummheiten, die wie Reiswein aus dem Mund eines Betrunkenen sprudelten und seid versichert, das er nichts davon so meinte, wie es euch erklingen mochte."

"Aber Meister ....., " erklang die Stimme des Jungen empört. "Sei endlich still, YoMin, " schnitt die Stimme des alten Mannes in einer Schärfe durch den Raum, die niemand ihm zugetraut hätte. Der strafende Blick des Alten löste sich sofort wieder von dem zutiefst erschrocken Jungen und wandte sich erneut dem Escharer zu, wobei sich der giftige Blick, der einer Kobra wohl zugestanden hätte, in eine abermals freundlichen wandelte, der bei dem Escharer, mit einem verlegenen Lächeln um Verständnis warb. "Die Jugend ist eine herrliches Geschenk, nur getrübt von der ihr eigenen Torheit und Hitzköpfigkeit." Damit blickte der Alte wieder in Richtung des Jungen - diesmal jedoch mit väterlichem Verständnis. Der Junge, der sich mittlerweile von seinem Schrecken erholt hatte, bemerkte nun zum ersten Mal, das sämtliche Augenpaare im Raum ihn musterten - sei es noch immer schockiert, mit glühendem Zorn oder aber mit erwartungsvoller Spannung - und ein Schauer der Scham überkam ihn, der ihn aufs heftigste erröteten ließ. "Aber Meister, " stammelte er halblaut mit gesengtem, hochrotem Kopf, "ihr selbst erzähltet mir von einem anderen Ablauf der Geschichte, als jenem, den uns dieser Mann zum Besten gab." Der alte Mann hob sanft den Kopf des Jungen und sprach, während er ihm eindringlich in die Augen blickte: "Das mag schon sein, YoMin! Doch wisse, die Wahrheit kennt viele Gesichter!", sprach der Alte mit bedeutungsverheissender Betonung. Der Junge zögerte kurz, nickte dann aber verstehend. Auf einen Augendeut seines Meisters wandte er sich dem Escharer zu und sprach, wobei er sich tief verneigte: "So bitte ich euch demütigst meine Entschuldigung für meine unbedachten Worte anzunehmen und hoffe ihr könnt mir diese und meine Torheit vergeben." Der Escharer stand weiterhin abwartend über dem Kissen, auf dem er zuvor gesessen hatte - ließ einige Augenblicke vergehen - nahm dann jedoch die Entschuldigung des Jungen mit einem kurzen Nicken an. Der Alte sah dies alles mit großer Zufriedenheit, doch entging ihm die Niedergeschlagenheit des Jungen nicht, als dieser sich wieder setzte und ergänzte so mit freundlichem Lächeln: "Ich hoffe großer Sandobar, ihr könnt auch von eurem Plan Abstand nehmen, meinem Schüler die Ohren abzuschneiden, denn ist er auch schnell mit unbedachten Worten, so ist er mit dem Schwerte noch um einiges schneller- .... nicht umsonst trägt er das Mal des Golden Drachen!" War mit der Entschuldigung des Jungen einigermassen Ruhe im Raum eingekehrt, so ließen diese Worte die Anwesenden, wie eine aufgeschreckten Haufen von alten Waschweibern durcheinanderreden, während die bis dato noch immer zornigen Blicke sich in ängstliche aber auch bewundernde wandelten. Der Brustkorb des Jungen hob sich kaum merkbar und der niedergeschlagene Ausdruck wich einem dankbaren Lächeln, das seinem Meister galt. "So soll es sein, " sprach der Seefahrer mit fester Stimme und steinernem Gesicht, obgleich er unter dem Blick eines geschulten Betrachters seine Verwirrung nicht zu verbergen mochte. Der KanThai wollte sich angesichts dieser Bestätigung schon wieder zu Boden setzen, als der Escharer überraschend fortfuhr: "Einen Moment noch, alter weiser Mann; ich denke ihr seid mir und den hier Anwesenden noch etwas schuldig", sprach er entschlossen. "Denn ob ihr es glaubt oder nicht, ihr habt gerade eben, nicht nur eurem Schüler eine Lehre erteilt, sondern auch mir." Der Escharer schwieg für einen kurzen Augenblick, in dem er seine Worte wirken ließ, setzte dann aber seine Rede fort: "Ich gebe es nur ungern zu, doch bis ihr euren Schüler seiner Torheit lehrtet, glaubte ich mich im Besitz der einzigen Wahrheit - und ich wurde, wie auch euer Schüler, eines Besseren belehrt. Wisset alter Mann, " sprach der Escharer mit erhobenem Haupte, "Stolz ist nicht nur in KanThaiPan zuhause; und um meines eigenen Stolzes willen, " betonte er leidenschaftlich, "will auch ich mich dieser andren Wahrheit öffnen, denn nicht länger könnte man mich weise nennen, verschlösse ich mich dieser!" Im Raum erhoben sich befürwortende Stimmen, während der alte KanThai nun an der Reihe war, sein Erstaunen zu verbergen; das plötzliche Kichern des Alten ließ jedes Geräusch im Raume verebben und es verstummte nicht, ehe er immer wieder nickend, geantwortet hatte: "Heute ist ein guter Tag, denn wir alle fanden uns`re Lehre!"........

Was nun folgt ist ein kurzer Abriß dessen, was der alte Mönch den Anwesenden erzählte:

Im folgenden möchte ich gerne etwas über eine Epoche erzählen, die ich als eine der interessantesten Zeitabschnitte in der Geschichte Midgards erachte. Es handelt sich dabei um eine Epoche, die nun schon gut 1000 Jahre in der Vergangenheit Midgards liegt, nichtsdestotrotz jedoch mehr Einfluß auf die Fortentwicklung Midgards hatte, als jede andere zuvor - wenigstens seit Menschengedenken; hierbei handelt es sich um die Ära des Valianischen Imperiums - um dessen Aufstieg und dessen Untergang. Untrennbar damit verbunden ist die Theokratie des alten Valian, bestehend aus den mächtigsten (menschlichen) Zauberkundigen, die das Antlitz Midgards je beschritten - den Seemeistern.

Zeittafel des Valianischen Imperiums

Geburt des Imperiums:

Von Valian aus beginnt die Eroberung aller zivilisierten Küsten am Meer der Fünf Winde.

=> Chryseia, Gwennia (Alba, Erainn), Saldoa (Küstenstaaten), E`schallha (Eschar) und Aran

Drohender Schatten:

Candranor, die Hauptstadt des Valianischen Imperiums, versinkt während eines Sklavenaufstandes in einer Feuerbrunst.

Die Seemeister verlassen Valian und ernennen Thalassa zur neuen Hauptstadt ihres Reiches, während Candranor neu aufgebaut wird.

=> Chryseia wird zum Kernland des Imperiums

Trügerische Ruhe: Innerhalb von 3 Generationen erblüht Candranor in neuem Glanze - nahezu frei vom Einfluß der Seemeister, die ihre ehemalige Heimat weitgehend aus den Augen verloren haben.

Das Imperium ist auf dem Höhepunkt seiner Macht, als es die schwimmenden Inseln der Huatlani versenkt und den aranischen Großkönig mit seinen Panzerreitern besiegt.

Doch durch zu viele Siege und Erfolge vergiftet, beginnt die Dekadenz das Reich der Seemeister langsam und unbemerkt zu untergraben und zu zersetzen..

Der Anfang vom Ende: Die trügerische Ruhe im Reiche wird durch den Einfall der barbarischen Vorfahren der Twyneddin - der Tuatha - gebrochen, die die Grenzen Gwennias überrennen; die keine Kämpfe mehr gewohnten Besatzungstruppen der Meister haben Probleme die Flut der wilden Krieger aus dem hohen Norden zu stoppen und geraten vorerst in ernstzunehmende Bedrängnis.

Im Osten droht sich zum selben Zeitpunkt der Verlust der siranischen Besitzungen an, da der Sohn des vertriebenen, aranischen Großkönigs Datschar mit mächtigen Verbündeten - den Feuermeistern des großen Nadesch - aus seinem Exil zurückkehrt und sich daraufhin die so lange unterdrückte, aranische Bevölkerung zu dessen Unterstützung gegen die Besatzer erhebt. Insbesondere der Macht der Feuermeister aber, haben die zwei dortigen Provinzherren, die Seemeister Varac und Noryan, nur wenig entgegenzusetzen.

Die Meister finden sich zu einem Treffen in Thalassa ein, bei dem über die katastrophale Lage in ihrem Reich diskutiert wird. Auf diesem Treffen wird zum ersten Mal die Erforschung der Chaoswelten zur Mobilisierung neuer, wirkungsvollerer Kräfte zur Sprache gebracht. Es ist auch der Zeitpunkt der ersten großen Uneinigkeit innerhalb der eigenen Reihen, die später zu ihrer Spaltung führen soll.

Uneinig und zerstritten, trennen sich die Seemeister voneinander, wobei jeder in seine ihm anvertraute Provinz zurückkehrt; der Seemeister Rhadamanthus jedoch, beginnt mit seinem engsten Vertrauten und Gleichgesinnten, dem Meister Harwelcar, die Erforschung der Chaoswelten auf eigene Faust.

Wie vorhergesehen können Varac und Noryan den an Land übermächtigen Gegner nicht aufhalten und müssen ihre Provinzen aufgeben. Mit ihrer verbliebenen Streitmacht ziehen sie sich auf das Meer in Richtung ihrer alten Heimat Valian zurück, um dort auf den Seemeister Mordar und seine Flotte zu treffen und sich mit ihm neu zu formieren. Nadesch - auch die Flamme genannt - versucht nach der Zurückeroberung der eigenen Heimat weitere Verbündete in den besetzten Gebieten zu kontaktieren, da er weiß, daß das Imperium nur vorübergehend geschwächt ist, aber die Gefahr einer erneuten Eroberung erst mit dem Sieg über die Seemeister endgültig gebannt werden kann; er findet Wiederständler in allen Teilen des Valianischen Imperiums, die bereit sind ihren Teil zu tun, um die Seemeister mit vereinten Kräften niederzuringen. Eine weitere Zusammenkunft der Meister in Thalassa findet statt, um über die zukünftige Vorgehensweise zu diskutieren; abermals entbrennt ein heftiger Streit zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Vorschlages zur Erforschung der Chaoswelten; der erbittertste Gegner dieses Vorschlags, der Herr über Saldoa, Seemeister Allumin, wird heimtückisch vergiftet und so die Front des Widerstandes gebrochen. Nach diesem "heimtückischen Anschlag des Hundesohnes Nadesch", offenbart Rhadamanthus den anderen Meistern sein bisher gesammeltes Wissen von der von ihm im Geheimen vorangetriebenen Forschung. Nur wenig später ernennt sich Rhadamanthus zum Großmeister und Obersten der Seemeister; eine offene Opposition existiert zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, doch treffen sich "zwei Verschwörer" heimlich und beschließen einen Seitenwechsel.

In der Nähe des heutigen Pfortenarchipells, treffen die vereinigten Flotten der Seemeister Noryan, Varac, Mordar und Jelgas auf den herannahenden Feind. Eine gewaltige Seeschlacht entbrennt, die die Feuermeister nur für sich entscheiden können, da sich die beiden Seemeister Noryan und Jelgas "überraschend" auf ihre Seite schlagen. Mordar und Varac und der Rest ihrer stolzen Flotte, werden in einem unvorstellbar-gewaltigen Magieduell bezwungen und von der tosenden See in die dunklen, lichtlosen Tiefen gerissen.

Als Rhadamanthus von dem Verrat aus den eigenen Reihen erfährt, ist er außer sich vor Wut und sammelt den verbliebenen Rest seiner Getreuen um sich, um den entscheidenen Gegenschlag vorzubereiten. Noch ahnt er nichts von dem "dritten Verräter" - dem Seemeister Ellias - der mit seiner Flotte nicht mehr aus der Regenbogensee heimkehren wird, um "seinem Großmeister" im Kampf gegen die Feinde beizustehen.

Angespornt von seinem glühenden Zorn, gelingt dem Großmeister und seinen Vasallen wenig später ein entscheidener Durchbruch bei ihren Studien über die "Chaoswelten" und ihre Bewohner - aufgrund von uralten Aufzeichnungen, gelangen sie in den Besitz des "Wahren Namens" eines sehr mächtigen Dämonenfürsten der "Ebenen der Finsternis". Durch dieses ungeheure Machtmittel zwingt Rhadamanthus den Dämonenfürst (Okkra-neck) in einen Pakt mit ihm und erwirbt durch dessen Zutun noch größeres Wissen über die dunklen Künste der Dämonenbeschwörung; dieses neue Wissen verhilft ihm nicht nur zur Macht über weitere, mächtige Dämonen, sondern verleiht ihm auch die Befähigung zur Öffnung eines Weltentores, das eine direkte und auf Wunsch dauerhafte Verbindung zwischen den Welten zu schaffen vermag; Gerade das letztere Wissen erachtet Rhadamanthus, als entscheidendes Mittel zur vorzeitigen und siegreichen Beendigung des Krieges und zudem als ultimativen Schlüssel zur absoluten Macht. Nur kurze Zeit vergeht, bis sich ein solches Tor - von den Menschen später ängstlich "Das Schwarze Tor" oder "Schattentor" genannt - über Chryseia öffnet und einen Strom unaussprechlicher Kreaturen aus der ewigen Nacht der Finsteren Ebenen in die Welt Midgards entläßt. Der Vormarsch der bisher siegreichen Armeen der Feuermagier kommt abrupt zum Stillstand. Die aufeinandertreffenden Gewalten der Elementarebenen auf der einen und der Chaosebenen auf der anderen Seite, setzen ungeahnte Kräfte frei - Midgard erzittert, wie unter dem Schlag einer gewaltigen Faust. Die Allianz der Feuermagier kommt unter dem gewaltigen Ansturm der finsteren Dämonenhorden bedrohlich ins Schwanken und droht gar zu kollabieren; die Dämonen fallen wie Heuschrecken über die umkämpften Länder und morden alles, dessen sie habhaft werden können; schnell hat sich der Kampf über große Gebiete Midgards ausgebreitet, da die dämonischen Streiter nicht länger gewillt sind, lediglich an den "ursprünglichen" Kriegsschauplätzen zu verweilen. Dämonenarmeen riesigen Ausmaßes ziehen ihre Furchen der Vernichtung, wie Pflüge auf einem Acker, über ganz Midgard. Rhadamanthus, anfangs erbost vom Eigenwillen seiner Helfer, läßt sich von seinem Mentor besänftigen, der längst seine eigenen Ziele verfolgt. Dies ist der Zeitpunkt an dem neue Mächte in den Krieg der Magier eingreifen: Die nichtmenschlichen Rassen, die sich bislang aus diesem Krieg der Menschen herausgehalten hatten, sind nun, um der eigenen Existenz willen gezwungen, selbst in die Auseinandersetzung einzugreifen; Coraniaid und Zwerge schicken ihre Krieger aus, um das Wüten der vagabundierenden Dämonenscharen zu unterbinden. Auch das seit eh und je, als neutraler Beobachter fungierende Druidentum, das bis zu diesem Zeitpunkt nichts unternommen hatte, um in die auf Midgard tobende Schlacht einzugreifen, sieht sich nun veranlaßt zu handeln, da aufgrund der übergroßen dämonischen Präsenz, Midgard und damit das kosmische Gleichgewicht zu kippen droht.

Rhadamanthus registriert den Eintritt der neuen, gegnerischen Kriegsparteien, mißt ihnen aber aufgrund seines fortgeschrittenen Wahnsinns keine Bedeutung mehr zu; sein verwirrter Geist betrachtet den Krieg als bereits siegreich geschlagen und sieht sich selbst als unsterblichen Imperator und Herrscher über die zivilisierte Welt thronen. Sein ihm verpflichteter Mentor - der Dämonenfürst Okkra-neck - der den geistigen Verfall seines Günstlings zuvor mit großer Belustigung und Genugtuung verfolgt hatte, erkennt jedoch die aufkommende und ernstzunehmende Gefahr, die nicht nur die Pläne seines Meisters, sondern - viel wichtiger - seine eigenen in Gefahr zu bringen drohen. Aber selbst sein seit Anbeginn des gemeinsamen Paktes, immer größer gewordener Einfluß auf Rhadamanthus, kann diesesmal nichts bewirken, denn der Großmeister nimmt seine ernsthaften Beteuerungen nur belächelnd zur Kenntnis. Auch die anderen beiden verbliebenen Dunklen Meister - Harwelcar und Khordon - werden des drohenden Umschwungs gewahr, vermögen aber ebenfalls nicht ihren Großmeister in die Realität zurückzuholen. An diesem Punkt findet die Wende im sogenannten Krieg der Magier statt; denn nicht der Umstand allein, daß das mächtige Druidentum und der bisher unbeteiligte "Rest der Welt" in den Kampf eingreift entscheidet letztendlich den Ausgang des Krieges, sondern vorrangig die Vernachlässigung des Selben, seitens des Imperators und Großmeisters Rhadamanthus. Abgewandt von ihrem Großmeister versuchen die beiden Dunklen Meister Harwelcar und Khordon das nahende Unglück abzuwenden, doch fehlt ihnen die finstere Genialität ihres Meisters, um dieses Wunder zu vollbringen. Die Dämonen, außerhalb des direkten Einflußbereiches Harwelcars und Khordons, nun nicht mehr in ihrem Tuen gegängelt, vernachlässigen ihre ihnen zugewiesenen Aufgaben und der Feind kann in Vesternesse Fuß fassen.

Es dauert nicht lange, bis Nicht-Menschen und Menschen geeint gegen die Dunklen und ihre Verbündeten zu Felde ziehen. Nur wenig später findet der Meister Khordon, nahe des heutigen Corran Gebirges in einem erbitterten Kampf mit Coraniaid-Magiern und einer Zwergenarmee sein unseliges Ende; über den Verbleib von Harwelcar ist hingegen nichts bekannt. Während Nicht-Menschen und Druiden hauptsächlich die Dämonenhorden zu bekämpfen versuchen, rückt Nadesch, begleitet von den zwei abtrünnigen Seemeistern, mit seiner gesamten Streitmacht in Richtung Thalassa vor, um den Großmeister selbst zu stellen. Als Nadesch schließlich vor den Toren Thalassas steht, vermag die rauhe Realität der bevorstehenden Niederlage doch noch den Schleier des Wahns um Rhadamanthus herum zu heben und ihm die bittere Wirklichkeit zu offenbaren; die Erkenntnis des eigenen Versagens läßt den Wahnsinn jedoch abermals zurückkehren und rasender Zorn verdrängt die eigene Verzweiflung hinsichtlich des nahenden Untergangs. Der Gedanke an Rache und blinde Zerstörung ist der einzig verbleibende in seinem kranken, aber zugleich genialen Verstand. Mit Hilfe seiner unübertroffenen Zaubermacht belegt er das Schwarze Tor mit einem Versetzungszauber, der es von nun an über ganz Midgard "springen" läßt, um jeden Ort, an dem es für kurze Zeit erscheint mit totale Vernichtung zu strafen. Rhadamanthus empfängt seine Besucher im Thronsaal und nur wenig später beginnt ein Magieduell unvorstellbaren Ausmaßes; der Kampf zwischen den Magiern tobt viele Tage und trotz der gegnerischen Überzahl kann der Großmeister sich lange behaupten; und als Rhadamanthus schließlich erkennt das seine Kräfte zu erlahmen beginnen, beschließt er in seinem Wahn sich selbst zu vernichten, um nicht durch Feindeshand zu fallen. Es heißt, Rhadamanthus hätte die Arme gen Himmel gereckt und flüssiges Feuer wäre glühedem Regen gleich, hernieder geprasselt, hätte die Erde aufgerissen und Thalassa mit sich in die Schlünde einer Magmahölle gerissen - angeblich überlebte nur Nadesch das Inferno. Mit dem vermeintlichen Tod des Großmeisters gelten die Dunklen Meister als besiegt, doch dauert der Kampf um Midgard noch viele Jahre, denn die Dämonen fühlen sich in keinster Weise veranlaßt Midgard im Kampf um die Macht aufzugeben. Der Auseinandersetzung mit ihnen tritt nun in den Vordergrund aller Geschehnisse und nach großer Mühe schaffen es die Coraniaid mit Hilfe eines sehr mächtigen Artefaktes ("Uibhin Nathrach") das Schattentor aufzuspüren und für immer zu verschließen. Die danach noch immer auf Midgard weilenden Dämonen werden mit allen Mitteln bekämpft und die Magie der Druiden weiß dabei einen entscheidenden Beitrag zu leisten: Es heißt, daß man Okkra-neck aufgrund seiner unglaublichen Macht nicht zu töten vermochte, doch daß man ihn in die Tiefen der Erde verbannte, auf daß er dort auf ewig eingekerkert sei, um seine Schandtaten zu büßen.

Der Beginn der Neuzeit:

Nachdem der letzte Dämon vom Antlitz Midgards getilgt war, wurden auch die Verbündeten der Feuermagier - die Erdmeister mit ihren geringeren Dienern - auf ihre Ebenen zurückentsannt. Während das in Schutt und Asche liegende Midgard neu aufgebaut wurde, trafen sich nochmals die Mächtigsten der Allianz und auf ihrem einberufenen Treffen, das fortan das "Treffen der Weisen" heißen sollte, beschlossen die Magier ihre arkanen Studien einzufrieren und ihr gefährliches Wissen zur Aufbewahrung in die Hände Würdigerer (Dabei habe ich speziell an die Druiden in Vesternesse, die Mönche WenChangs (Weisheit) in KanThaiPan und die Coraniaid bzw. die Elfen gedacht) zu geben, auf daß es der Menschheit verschlossen bliebe, bis zu jenem Tage, an dem die Sterblichen die nötige Reife erlangt hätten, um verantwortungsvoll mit diesem gewaltigen Machtpotential umzugehen. Mit diesem Tag verschwand die Große Magie vom Antlitz Midgards und über die Jahrhunderte hinweg verblaßte auch die Erinnerung sie, so das heutzutage nur noch sehr wenige ahnen, was einst möglich war und irgendwann - wer weiß das schon - wieder möglich sein wird.

Nachwort

Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, bietet dieses nette Geschichte einen wirklich guten Hintergrund für eine herrlich düstere Kampagne a la Chuthulu und der Großen Alten - wenigstens ist das so von mir geplant. Ich arbeite gerade an einer Prophezeiung, die die Rückkehr der Vergessenen ankündigen und so etwas wie Zeichen für die Wiederkehr der Dunklen beinhalten soll. Hier nur einige Ideen von mir hinsichtlich dieser Zeichen:

  1. Rückkehr der Nicht-Menschen (Elfen, Zwerge) in die Welt der Menschen

    => .... die, die die Zeichen kennen werden heimkehren, um zu verhindern, was nicht zu verhindern ist

  2. Siegelring eines dunklen Meisters taucht auf (nicht bei den SC!!)

    => .... und das Siegel wird zurückkehren in die Welt der Sterblichen und mit ihm die Saat des Bösen

  3. Mit den Elfen und Zwergen werden die Orks aus ihrer Verbannung zurückkehren, um zurückzufordern, was einst ihnen war. Der alte König Albas wird sterben ohne legitimen Nachfolger und Alba selbst wird im "Bruderkrieg" versinken. Ganz Vesternesse wird nur wenig später folgen.

    => .... und die Verderbnis wird mit ihrem Bruder, dem Hader, über die Lande kommen und dort wo vorher Friede war, wird Feuer sein

Dies sind einige Ideen für eine vesternessische Prophezeiung - eine für Sirao und jeweils eine für Zwerge und Elfen soll auch noch entstehen.

Ich fänds toll, wenn ihr über das ganze eure Meinung abgeben könntet, sei es nun Lob oder Kritik; denn beides könnte helfen, in Erfahrung zu bringen, was gut ist und daher bleiben kann und was nicht. Wer also Ideen irgendwelcher Art hat, die der Entwicklung dieser Kampagne zuträglich sein könnten, kann sich ja bei mir melden. (ihr könnt eure Beiträge natürlich auch direkt in den Digest schleusen - die Kritiken auf jeden Fall!)

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