Der Drachenring

(Eine Episode aus dem Rollenspielleben)

Ein Markttag wie jeder andere.

Shana, Breeze, Trantar und Gandalf wuchteten sich hintereinander, triefend Naß, aus dem Brunnenschacht hervor.

Glücklich, dem Chaos und Tod entronnen der in ihren Erinnerungen bereits an Schrecken verlor, konnten sie endlich ihre eigenen Bedürfnisse verfolgen.

Shana sagte noch irgendwas von Apotheke und Heilsalbe für ihre Schürfwunden und Kratzer im Gesicht, als sie bereits schnell im Gewühl des Marktes verschwand.

Trantar, der Ordenskrieger des Nathirtempels, wurde unruhig als im einfiel, daß das Tier das ihn gebissen hatte einem Werwolf sehr ähnlich kam. Er verabschiedete sich kurz mit einem Gruß und marschierte in den am Markt angrenzenden Nathirtempel um ein Wörtchen mit seinen Eidgenossen zu wechseln.

Tja, schon wieder einer weniger sagten sich Breeze und Gandalf, sahen sich an und schlenderten die Marktstände entlang.

Gandalf entdeckte nach nicht allzulanger Zeit einen kleinen Laden, unscheinbar zwischen den großen Marktständen plaziert, mit heruntergekommenen Aussehen.

Die Auslagen des Standes erweckten allerdings schnell das Interesse eines hochstufigen Magiers. Breeze der träumend durch die exotische Umgebung lief wurde durch das jähe abstoppen von Gandalf so überrascht, daß er auf ihn auflief, strauchelte und sich an der Tischkannte wieder hochziehen durfte.

Er bedankte sich wortstark bei Gandalf, der allerdings bereits in anderen Sphären weilte und die Auslage in näheren Augenschein nahm.

Breeze lugte derweil über dessen Schulter und erfreute sich der glitzernden Gegenstände die dort in ungeordneter Vielfalt lagen.

Fast gleichzeitig erspähten zwei Augenpaare ein Kleinod aus angelaufenem Silber und einem durchsichtigen Stein. Er war eingefaßt in ein Gewirr aus verdrehten Schlangenleibern deren Köpfe auf dem Stein ruhten.

Breeze, als Assassin geübt in schneller Fingertechnik und höherem Reaktionswert schnappte das Kleinod zu Gandalfs Bedauern schneller vom Tisch.

Innerlich kochte Gandalf, war dieser vermaledeite Assassin doch wieder geschickter als er. Sicher, er war vielleicht ein bißchen Tolpatschig und so manches mal haben ihm seine zwei linken Hände keine Hilfe geleistet, aber trotzdem .... "naja, der liebe Friede willen (und der vielen Zuschauer) werde ich ihn nicht mit dem Blitz eins überziehen."

Trotz dessen kam Breeze die Einsicht sich aus dem Wirkungsbereich von Gandalf zu entfernen. Sicher ist sicher.

Zu guter letzt entdeckte auch Gandalf einen Ring der ihm gefiel.

Er war aus Gold, oder sah wenigstens so aus, rund wie alle Ringe und ohne Schnörkel, Verzierungen oder Muster.

"Ein so unscheinbarer Ring war schon wieder zu unscheinbar, als daß er uninteressant sein konnte", sagte sich Gandalf. Schon kurze Zeit später nachdem der Ring erstanden war, betrachtete Gandalf den Ring näher.

Eigentlich wollte er ja zur ansässigen Magiergilde, aber irgendwie konnte er es nicht abwarten den Ring schon jetzt in Augenschein zu nehmen.

Nach kurzer eingehender augenscheinlichen Untersuchung entdeckte Gandalf in Ringinneren eine abgenutzte Gravur, die von Schmutz verdeckt war.

Saubermachen und Ansehen sagte er sich wohl, als er einen Lappen nahm und kräftig im Ringinneren polierte.

Tatsächlich, eine Gravur. ähnlich einer Schlange mit kurzen Flügeln und tippel Beinen.

Da der Ring noch nicht glänzte, wurde auch schnell die Oberfläche ein bißchen poliert.

Zu Gandalfs Erstaunen anscheinend jedoch zuviel.

Da wallten plötzlich rote Nebelschwaden aus dem Ringinneren und verdichteten sich zu einer, einem...

Tja, sah jedenfalls sehr der Gravur ähnlich. Anscheinend guter Künstler.

"Ein Drache wird es wohl sein", dachte sich Gandalf.
"Ein Drache ? Rot ? öhm..."
"Hilfe ein Drache!!!"

Der Drache war anscheinend nicht gerade begeistert auf einem belebtem Marktplatz zu stehen. Allerdings blieb dies nicht lange so, als eine mittlere Panik ausbrach, nachdem der erste Feuerhauch über die Menschenmenge donnerte und im Hintergrund die ersten Buden und Marktstände Feuer fingen. Jetzt hatte der Drache schon viel mehr Spaß

Als dann auch noch der massige Körper, der auf kleinen Stummelfüssen ruhte, in Bewegung kam breitete sich die Panik rasant aus und die Marktbesucher flohen in alle Richtungen davon.

In einem Meer aus lodernden Marktständen und unter dem Gewicht des Drachen berstendem Holzes stellte sich Gandalf dem Drachen.

Was sollte ihm schon passieren? Er hatte ja immernoch den Ring. Also versuchen wir den Drachen mal zu kontrollieren oder zu lenken indem wir mit dem Ring ein bißchen hin und her fuchteln.

- Keine Reaktion.

" Naja, was soll`s noch hat er mich ja nicht bemerkt. Ein kleiner Spruch. Ja, das ist gut. Hmm, welchen nehmen wir denn...
Genau, Macht über magische Wesen."

- Keine Reaktion

"Ups, er wendet sich mir zu. Da sollte ich doch sicherheitshalber in Deckung gehen."

Gandalf springt beherzt hinter den Brunnen, als auch schon eine Glutwelle über ihn hinwegfährt und die Vorderseite des Brunnens zu Schmelzen veranlaßt.

"Jetzt habe ich es satt. Dem brutzel ich mit dem Blitz eins über."

Der Blitz trifft. Die Wirkung ist jedoch minimal. Der Drache wird langsam ärgerlich und verwüstet mit seinem Schwanz weite Teile des Marktes.

Trantar, gerade in ein kleines Glaubensinterpretiergespräch mit einem Nathirpriester verwickelt und beim Anpassen einer neuen Kettenrüstung fährt erschrocken zusammen als eine Seitenwand des Raumes bestrebt ist ihn mit Schutt und Steinen zu begraben.

Ein Sprung unter den nächsten Tisch rettet ihn vor der Bekanntschaft mit schweren Steinquadern. Überrascht erblickt er eine rote Schwanzspitze die sanft durch die Mauer gleitet wie ein warmes Messer durch Butter.

Kurz nach dem Poltern und Bersten von Mörtel und Gestein blickt Trantar auf einen Haufen Schutt wo einst eine Tempelwand gestanden hat. Dahinter kann er einen monströsen Leib mit einem langen Schweif entdecken der einem wesentlich kleineren Wesen folgt.

"Ein Mensch.
Ja, scheint so.
Kommt mir auf die Entfernung bekannt vor.
Oh, ein Blitz. Wohl ein Magier der Purpurgilde.
Diese Bewegungen des Magiers... das kann nur Gandalf der Tolpatschige sein."

Als Ordenskrieger des Nathirordens, der dem Schlangenkult anhängt, ist im natürlich die Besänftigung von Schlangen und Schlangenwesen bekannt. Das Problem ist nur die mangelnde Praxis mit Großschlangen.

Damals in der Ausbildung hatte er nur die kleinen Schlangen besänftigt. Bei den großen hatte er immer gefehlt.

Typisch, alles mögliche macht man mit und das was einem entgeht wird gebraucht.

Allerdings waren diese Schlangen immer noch mickrig im Vergleich mit dem Ungetüm das dort draußen wütete.

Schluck!

Der Oberpriester des Nathirtempels bewegte sich lautlos an seine Seite, es war diese Art von Lautlosigkeit das sie in den Ohren schmerzte da sie so lautlos war.

Tarantar war sich bewußt was jetzt wieder kam. Eine Predigt über die Unterstützung von Notleidenden, Hilfebedürftigen und von Schicksal gepeinigten.

"Hätte ich doch bloß damals eine Ausbildung in Allaman begonnen."

Wieder erwarten kam die erwartete Predigt nicht, nein es kam viel schlimmer. Da wollte der alte Knacker doch tatsächlich das er, als momentan einziger Ordenskrieger im Tempel, die rituelle Besänftigung durchführe.

"Wäre ich doch bloß Söldner geworden.
Wie war denn das gleich mit dem Zirkel und den Kerzen...
Ach was, verkürzen wir das Ritual etwas und fangen gleich mit der Besänftigung an."

Wild entschlossen läuft Trantar, leicht Bekleidet, mit Fischernetz und Seil in der Hand, von hinten an den Drachen heran.

Einige Male dem Schwanz ausgewichen und ein entschlossener Sprung auf den verlängerten Rücken.

Mit Fischernetz und Seil gesichert klettert Trantar langsam aber stetig den Rücken hoch.

"Gut das ich schwindelfrei bin."

Währenddessen versucht Gandalf dem Bestreben des Drachen ihn zu töten entgegenzuwirken.

Der Boden ist inzwischen von dem Gewicht des Drachen wellig geworden und kleine Glutkrater spickten das ehemalige Kopfsteinpflaster.

Mit kurzen Haken verwirrt Gandalf den Feind immer mehr. Als Gandalf dann endlich an seinen Gepäck angelangt ist und einen seiner Magierstäbe zieht die er wohlverstaut im Gepäck hat, fühlt er sich schon viel besser.

"Ha, jetzt werde ich dich Lähmen! Mein Magierstab gibt dir saures.
- Treffer. Ha, ha!!
Ups, der bewegt sich ja immer noch. Verdammt!"

"Naja, wenn ich einen Zeh nach dem anderen lähme fällt er bestimmt um. Also los!"

Trantar arg belustigt über die Versuche der Magiers ist trotz des unruhigen Rittes auf dem Rücken des Drachens bis zum Kopfansatz vorangekommen.

Die Aussicht in 10m Höhe ist prächtig.

Mit einem Seil um dem Hals gesichert schwingt er sich auf den Kopf des überraschten Drachens.

Schnell ist das Besänftigungsritual abgeschlossen. Muß man doch nur beide Hände an Stirn der Schlange legen.

"Hoffentlich wirkt es.
Sieht mir nicht wie ein Schlange aus.
Wenn gleich der Drache besänftigt ist, werde ich mal ein ernstes Wörtchen mit Gandalf reden müssen.
Das arme Tier! Wo es doch heilig ist und er ihm einfach weh tut.
Na, der kann was erleben."

"Oh, was ist denn das? Der Drache verwandelt sich in rote Nebelschwaden.
Wie jetzt?
Verdammt, das Seil wird mich wohl nicht halten."

Sturz, 10 Meter. Platsch!

Tod.

--- to be Continued ---

Marty

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