Gut ohne Böse ? Schwarz ohne Weiß ?

Im Prinzip möchte ich hier etwas über den Sinn und vor allem den Unterschied von "gut" und "böse" sagen. Zuerst wage ich zu behaupten, daß der Mensch das sogenannte Böse dringend braucht, um einen Gegner, eine Herausforderung oder einfach nur Unterhaltung zu haben. Dies können wir ganz einfach feststellen, indem wir einen Fernseher einschalten und irgend ein X-beliebiges Programm einschalten: Wir werden, wenn wir nicht gerade die Nachrichten erwischt haben, (und vielleicht auch dann), in irgend einer Form einen Konflikt zu sehen bekommen; und Konflikte entstehen nur dann, wenn zwei entgegengesetzte, wie auch immer geartete Kräfte aufeinander einwirken, von denen traditionell die eine als gut und die andere als böse bezeichnet wird. Nun sollte man sich fragen, woran man gut und böse unterscheiden kann. Die traditionelle Antwort lautet: Das "Gute" gewinnt und das "Böse" verliert. Natürlich ist das im Prinzip Blödsinn, da das sogenannte Böse ja nie völlig ausgerottet werden kann. Die Zweite Definition lautet: "Ich bin gut und mein Gegner ist böse." Klingt recht einfach und irgendwie vertraut. Sind doch in jedem Rollenspiel die Spielercharaktere immer (zwangsweise) die guten und die Nichtspielercharaktere wahlweise (obiger Definition folgend) gut oder böse (und eventuell auch neutral). Diese Einstellung führt aber im Prinzip dazu, daß es keinen Unterschied zwischen gut und böse gibt, denn was wäre, wenn unsere Spielergruppe eine Bande von Orks wäre? Dann müßten die vormals Guten, d.h. Menschen, Elfen, Zwerge und Hobbits plötzlich böse sein! Zu überaus skurrilen Situationen kann es kommen, wenn ein Spielercharakter eine "böse" Gesinnung hat und der Rest eine gute (es lebe die Mehrheit!). Ich erinnere mich noch lebhaft an die Szene, als mein damaliger Charakter aufgrund seiner Gesinnung (wir spielten damals noch AD&D) seinem Kameraden, der sich gerade noch mit den Fingern am Rand einer Fallgrube hing, in äußerst klassischer Weise auf die Finger zu treten gedachte. Leider weckte diese Aktion das Mißfallen des Masters, und zum Wohle der Einheit der Gruppe erfuhr meine Spielfigur einen Gesinnungswandel. Bei objektiver Betrachtung fällt jedoch sofort auf, daß es weder wirklich Gute noch wirklich Böse gibt. Sogar die Definition, die das Midgard-Regelwerk dazu liefert (paradoxerweise aber behauptet, daß Gut und Böse absolute Werte seien), bestätigen das. Da heißt es nämlich: "Böse sind ... Wesen, die sich ... der Schädigung der Menschheit verschrieben haben." Nun setzt diese Definition aber voraus, daß die Menschheit das Maß der Dinge ist, was wiederum sehr subjektiv ist. Denn mit dem selben Recht könnten z.B. die Orks sagen: "Böse sind alle, die sich ohne zwingenden Grund der Schädigung der Orkheit verschrieben haben." Ergo sind die Menschen natürlich böse. Im Prinzip dreht man sich also ständig im Kreis. Darum zieht man meist die Patentlösung heran, die da lautet: Böse ist, wer angefangen hat. Glücklicherweise läßt sich das bei vielen Streitigkeiten nicht mehr bis zum Ursprung zurückverfolgen, sodaß man sich doch meist als gut bezeichnen kann, egal, auf welcher Seite man kämpft, und notfalls hat man eben nicht gewußt, daß es die falsche war. Doch ganz davon abgesehen (oder gerade deswegen?) könnte man sagen, daß die sogenannten Bösen die einzig kreative Kraft in jeder Fantasywelt sind, denn würde es sie nicht geben, so währe dort den lieben langen Tag Friede, Freude, Eierkuchen und mit Sicherheit tödliche Langeweile angesagt. Niemand würde mehr auf Abenteuer ausziehen, da es keinen gefährlichen Drachen gibt, den man erlegen kann (und dessen Hort sicher große Schätze verspricht) oder einen bösen Magier, der das Land mit Flüchen und anderen magischen Untaten eindeckt und dem dringend eine tapfere Abenteurergruppe das Handwerk legen müßte. Und selbstverständlich würde niemand mehr Fantasy-Rollenspiele spielen. Wie gut also, das es doch ein paar Bösewichter gibt! Diesen Ausspruch wird man jedoch spätestens dann verdammen, wenn der nette NSC, der mit der Gruppe reist, die Abenteurer nachts in ihrem Zimmer im Gasthaus, das zufälligerweise gerade in Flammen steht, einschließt, so daß diese, nachdem sie sich erstmal eine schöne Rauchvergiftung zugezogen haben, auch noch aus einem Fenster im zweiten Stockwerk auf die gepflasterte Straße springen müssen. Wehe, wenn wir den in die Finger kriegen, dann machen wir weitaus schlimmeres mit ihm!

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Hendrik 'Panther' S. Röpcke

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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