Assassinen in Midgard

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In seinen Anmerkungen zu der Rolle von Assassinen bezieht sich Markus Kaessbohrer auf ihr historisches Vorbild. Nach irgendeiner Quelle, die mir leider auch nicht mehr vorliegt, soll es tatsächlich so gewesen sein, daß so ein "Alter vom Berg" Jungen oder junge Männer verwöhnte und sie mit Luxus, Frauen, Rauschgift und Entzug gefügig und gläubig machte. Die Männer schickte er los, um mit heimtückischen Morden seine Widersacher (mund)tot zu machen. Sie waren gefürchtet, u.a. wegen ihrer Fähigkeit, sich zu verkleiden und verstellen.

Laut Brockhaus leitet sich der Name vom arab. "Haschisch-Genießer" ab.

Das alles macht doch klar, daß das historische Vorbild von uns Rollenspielern nicht 100% übernommen werden soll. (Man stelle sich vor: Assassinen sind immer abhängig. Folge: in jedem Abenteuer gäbe mehrere eine Situation, in der der Charakter nur eingeschränkt handlungsfähig ist entweder wegen Rausch oder wegen Entzug!!)

Bei anderen Charakterklassen gibt es außerdem kein enges Vorbild, an das man sich anpassen müßte.

Deshalb sehe ich "Assassine" als Namen für eine Charakterklasse, die stark konfliktorientiert ist, im Gegensatz zu Krieger, Söldner und Ordenskrieger aber offenen Kampf lieber umgeht und das ganze unauffällig und leise erledigt. Dazu stammen Charaktere dieser Klasse aus irgendeiner straff organisierten Gruppe, die die Ausbildung übernahm und für die der Assassine tätig werden sollte oder tätig ist.

Diese Organisation, seine Ausbildung und die Motivation sind es, die ihn von "gewissenlosen Menschen, die für eine Handvoll Goldstücke jemanden umbringen" (MDv9) unterscheiden.

Die meisten denken bei diesen Organisationen an schwarze, dämonenanbetende oder sonstwie böse Sekten (Charaktervorstellung Caldron, MDv8, ist so ein 08/15 Hintergrund). Das andere Bild, was vielen vorschwebt, sind Ninjas. Dementsprechend viele Assassinen laufen schwarz gekleidet herum.

[Hierzu muß ich sagen, das ich die Beschäftigung von Assassinen auch jeder anderen Organisation unterstelle. In Aran ist Alaman durchaus akzeptiert und Caldron leicht chaotisch. Da lag dieser Ursprung einfach nahe. (Ähm, was heißt hier 08/15 ? Blödmann !) - Dogio ]

Für mich ist das ein Schablonendenken, was ich als Spielleiter nicht so gern sehe. Der Spieler soll eine Rolle spielen, d.h. er muß sich auch Gedanken machen und nicht bloß "so einen Ninja machen."

Das es sich auch um weltliche Orden handeln kann (Marty, MDv9), wird mit diesen Klischees im Hinterkopf gern vergessen.

Es gibt aber viele weltliche Organisationen, die Personalbedarf haben für unauffällige Laß-den-Gegner-verschwinden-Aktionen. Hier ein paar Anregungen, damit die Vergangenheit aller zukünftigen Assassinen mal etwas interessanter wird:

Wie wäre es mit einem Charakter, der für ein Mafia-ähnliches Handelskartell neugierige Zöllner, zahlungsunwillige Kunden und scharfe Konkurrenten "zur Ordnung rufen" sollte.

Oder ein Charakter, der für "König und Vaterland" in edler James-Bond-Manier oder als schmieriger Spion tätig war (das tun doch viele Gruppen in Abenteuern, warum soll ein durchtriebener Monarch aber keine eigene Geheimpolizei haben, um aufsässige Fürsten und Oppositionisten in In- und Ausland zu beseitigen?)

Ein Assassine könnte auch - sowohl als "weißer Assassine" irgendeines Ordens oder als Ordnungsmacht einer Magiergilde - hinter allen schwarz-magischen Dingen und bösen Zauberern her sein.
Sogar ein solcher Assassine ist für mich als "Dämonenjäger" vorstellbar. Er muß schließlich die menschlichen Nutzer und Beschwörer dämonischer Macht und die Dämonen selbst beseitigen. Mit seinen Fertigkeiten kann er u.U. dazu geeigneter sein als ein Priester oder Ordenskrieger. (Solch ein Hintergrund ist eine Möglichkeit, einen Charakter des Spielleiters in die Gruppe einzuführen und eine Kampagne zu starten.)

Wem der Meuchelmörder nicht paßt:

Mit den Fähigkeiten ist ein Assassine aber auch prädestiniert, Attacken von seinesgleichen abzuwehren: als Bodyguard einer bedrohten Person, die reich ist und eine wichtige Rolle in einer dieser "Organisationen" bekleidet.

In der Hoffnung, die Phantasie etwas gefördert zu haben,

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Marc Hasenberg

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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