Die Memoiren von Gamoriel Baenre,
Erzmagier und Hohepriester

Vorwort
Ich bezeichne mich als Gamoriel. Meine Familie besteht darauf, dass ich meinen rechtmäßigen Nachnamen nenne, daher sei er hier kurz angemerkt: Baenre.

Mein Nachname ruft in vielen Gegenden der vergessenen Königreiche Furcht und Hass hervor, aber mein Vorname ist überall willkommen. Ja, ich bin ein Dunkelelf. Aber ich habe purpurne Augen und wer weiß, was es der Legende nach mit purpurnen Augen auf sich hat, wird mein Wesen besser beurteilen können, als andere. Meine Geschichte ist lang, aber ich werde nur das offenbaren, von dem ich gewillt bin, dass es andere erfahren mögen oder von dem ich glaube, mich daran erinnern zu müssen.

Mein Nachname ist unbekannt in vielen anderen Welten, die ich bereist habe, also verzichte ich für gewöhnlich darauf, ihn zu nennen, auch wenn diese Eigenart meiner Familie nicht immer gefallen mag. Auch in diesem Werk werde ich darauf verzichten, ihn zu nennen, denn ich glaube, dass er trotz all meiner Verbundenheit zu meiner wahren Heimat nur wenig - wenn überhaupt etwas - von meinem Wesen offenbart.

Ich bin Gamoriel.

 

[Memoiren] - [Zusammenfassung] - [Charakterdaten] - [Reisezauberbuch]

 

Kapitel 1: Was vor mir war
Neben anderen Welten bereiste ich die Vergangenheit.
Ich möchte kurz darauf verweisen, dass der geneigte Leser solche Reisen tunlichst unterlassen möge, wenn er vorhat, sich mit einer Person, einem Tier, einer Pflanze oder irgendeiner anderen Form von Leben oder Nichtleben auseinanderzusetzen. Eine solche Tat würde unweigerlich sein Ende bedeuten, denn eine Änderung des Vor-Seins bedeutet zwangsweise eine Änderung des Seins und des Nach-Seins.
Jede Veränderung der Vor-Realität bedeutet einen Kollaps in der Sein-Realität des Reisenden, also sei er zu seiner eigenen Sicherheit gewarnt und möge in der Vergangenheit körperlos, unsichtbar und unhörbar bleiben. Ich verzichte in diesem Werk auf nähere Ausführungen meiner These zur höheren Magie des Zeitreisens; sie sind in meinen Zauberbüchern zu finden.
Ich wollte, nein, musste erfahren, wie es dazu kam, dass ich geboren wurde.
Erena Baenre war eine - natürlich nur aus meiner persönlichen Sicht - wunderschöne, junge Dunkelelfe, die sich mit einem Menschen eingelassen hatte, einem Söldner aus den Herzlanden. Sein Name ist unwichtig.
Ich möchte nicht allzuviele Worte über ihr Leben verlieren, es sei nur soviel gesagt:
Meine Mutter war eine bezaubernde Frau, die nicht viel vom bösartigen Wesen der Dunkelelfen hatte. Sie verstand nicht, warum die Gesellschaft der Elfen so war, wie sie sich zeigte und sie war - neben meinem Bekannten Drizzt und mir - wohl fast die einzige mir bekannte Dunkelelfe, die dieser Gesellschaft so manches Mal offenkundiges Unverständnis entgegenbrachte.
Mein Vater war ein Rechtschaffener Krieger, der sich immer auf die Seite des Unterdrückten stellte und die Schwachen im Namen Helms verteidigte. Er hielt nicht viel von Geld, solange sein Bauch gefüllt wurde und ich muss sagen, dass obwohl ich sehr viele Menschen kennengelernt habe, er einer der wenigen ist, vor dem ich Achtung habe.

Ich habe mitangesehen, wie sie sich heimlich trafen und romantische Pläne schmiedeten.
Ich habe mitangesehen, wie Erena von ihrer Familie verbannt und vertrieben wurde.
Ich habe mitangesehen, wie mein Vater zu ihrem Schutz heldenhaft sein Leben ließ.

Noch während mein Körper in Erenas Bauch ruhte und sie noch viele Jahre mit mir schwanger gehen würde, zog sie nach Norden. Sie hatte eine lange und beschwerliche Reise und nur ein glücklicher Zufall, das Zusammentreffen mit einem stummen Waldläufer bewahrte sie vor einem grausamen Tod in der Wildnis der Herzlande.
Obwohl sie eine Dunkelelfe war, zeigte er Mitleid mit ihr und führte sie in ein kleines Dorf in der Nähe von Suzail, wo sie von einem zerbrechlich wirkenden Greis aufgenommen wurde.
Der alte Mann kümmerte sich Jahrelang um sie und sie kamen gut miteinander aus, waren sie doch beide des Zauberns mächtig und des magischen Verständnisses kundig. Erena war - für eine Dunkelelfe - nicht besonders alt, doch sie starb an den Anstrengungen der Geburt.
Ich bin nicht dafür bekannt, mitfühlend oder besonders freundlich zu sein, aber als sie mich in ihren Armen hielt und mit einem Lächeln starb, rührte es mein verdorbenes Herz an.

 

Kapitel 2: Meine Kindheit und die Unschuld
Von diesem Augenblick an beziehe ich meine Ausführungen auf meine eigenen Erinnerungen. Ich wollte meine Kindheit nicht noch einmal mitansehen.
Ich erinnere mich, dass die Welt äußerst Grausam zu mir war. Ich war der einzige Halbelf - mit dazu noch sehr ungewöhnlicher und auffallender Hautfarbe -, der in dem Dorf lebte.
Die anderen Kinder mochten mich nicht und verprügelten mich oft, wann immer sie mich sahen. Aber schon damals war ich ein zäher Bursche und gab bis zum bitteren Ende nicht auf. Oftmals mussten sie mich zu mehreren angreifen, wenn sie Erfolg haben wollten.
In diesen Zeiten fand ich bei einem toten Bettler in den Wäldern einen alten Stecken, den ich mit nach Hause nehmen wollte, denn er gefiel mir und immer, wenn ich ihn berührte, spürte ich ein wunderbares Kitzeln zwischen den Fingern.
Ich erinnere mich genau: ein paar Kinder aus der Nachbarschaft hatten mir aufgelauert und wollten mir einmal mehr zeigen, wie groß ihr Hass auf mich war. Sie gingen auf mich los, obwohl ich eine Waffe bei mir hatte, die ich zu meiner Scham nicht sonderlich gut einzusetzen vermochte. Der erste Treffer, den ich einem Jungen mit der Spitze des Steckens versetzte, ließ den Kampfgeist der anderen schwinden, denn es geschah folgendes: nachdem die Woge der Magie sich durch meinen Körper gebrandet hatte, wurde die Haut des Jungen grau und rissig und seine Bewegungen langsamer. Urplötzlicher Schrecken schien ihm in das Gesicht gemeißelt und noch ehe er in seiner Panik aufschreien konnte, war er mitsamt seiner Kleidung zu Stein verwandelt!
Ich war darüber etwas verwirrt und bemerkte kaum, wie die anderen flüchteten. Meine erste Berührung mit Magie ließ mich unwillkürlich in Panik geraten und ich rannte, den Stecken fest umklammert, so schnell ich konnte nach Hause.
Die anderen Kinder waren vor mir im Dorf angekommen und die Nachricht über den »Fluch des Elfenjungen« hatte sich in Windeseile verbreitet. Kaum lief ich die große Straße entlang, wurde mit Fingern auf mich gezeigt, wütende Beschimpfungen ausgesprochen und ich hörte, wie die Älteren riefen, man solle mich umbringen, bevor noch mehr Unheil geschehe.
Ich wurde kurz vor dem Haus meines Ziehvaters und späteren Mentors gepackt und mit Gewalt zu Boden geworfen, so dass mir der Stecken aus den Händen glitt und er mehrere Schritt weit fortgeschleudert wurde. Die kräftigen Hände des Dorfschmieds hielten mich eisern umklammert und das Dorf versammelte sich um mich - unter den Bewohnern war mein Vater.
Als er sprach verstummten die anderen. Ich weiß nicht mehr, was er den einfältigen Narren erklärte, auf jeden Fall wurde ich losgelassen. Ich sammelte den Stecken auf und wir gingen nach Hause, nachdem er den Jungen aus seiner Versteinerung befreit hatte.
Von diesem Tage an begann meine Ausbildung zum Zauberkundigen. Mein Vater hatte nun den Beweis, dass ich die magischen Fähigkeiten meiner Mutter geerbt haben musste, denn wie sonst hätte der magische Stecken auf eine solche Art und Weise in meinen Händen reagieren können?
Die Kinder des Dorfes ließen mich auch jetzt, wo sie wussten, dass ich ein Magier werden würde, nicht in Ruhe und verprügelten mich keineswegs minder. Im Gegenteil: in ihren Augen war ich ein Außenseiter, der etwas besonderes bekam, das sie nie haben würden und was mir ein Leben ermöglichen würde, von dem sie nur träumen konnten.
Meine Ausbildung war sehr hart und ich musste sehr viel mehr studieren, als ich meine Schüler heutzutage lehre. Natürlich ist dies nur meine persönliche Einschätzung aus den Augen des Kindes, dass ich damals war, aber ich empfand mich als eingesperrt und wenig beachtet.
Mein Vater sagte mir des öfteren, dass ich ein ausgezeichneter Schüler wäre und im Nachhinein kann ich ihm Recht geben: ich selbst habe eine gelehrsame Scholarin gehabt, doch ich weiß, dass ich nie die Fragen gestellt hätte, die sie mir stellte. Doch auf Ajolja komme ich an späterer Stelle zurück.

 

Kapitel 3: Meine Jugend und die Unschuld
Als ich herangereift und im Begriff war, meine Ausbildung zu vollenden, hatte ich lange Zeit keine Schläge mehr eingesteckt. Durch meine Fähigkeiten hatte ich mir in unserem Dorf einen gewissen Respekt erworben, den mir selbst die Älteren entgegenbrachten. Den Stecken hatte mein Vater lange Jahre in geheimnisvolle Verwahrung genommen. Trotz angestrengter Suche fand ich ihn nie aus eigener Kraft.
Eines Markttages, als die Händler Abends im Begriff waren, ihre Türen zu schließen, kamen Fremde in das Dorf. Die Tatsache, dass sich Menschen in das Dorf verirrten, war nicht ungewöhnlich, doch die Herkunft der Fremden löste Unsicherheit und Angst aus. Es waren Krieger aus einem fremden Reich.
Es waren drei an der Zahl, zwei Männer und eine Frau. Die Männer - zwei Menschen - waren mit glänzenden Schwertern und schimmernden Rüstungen angetan, die sie offen zur Schau trugen. Die Frau jedoch war nur leicht bekleidet und auch ihr Ross war geschmeidiger als das der anderen. Sie war eine Elfe. Zum ersten mal in meinem Leben sah ich eine Oberflächenelfe und ich stand wie gelähmt auf dem Marktplatz, den Mund offenstehend ob ihrer Schönheit.
Ich war umso verblüffter, als sie ihr Pferd direkt vor mir auf dem Markt zum stehen brachte und abstieg, mir aus ihren dunklen Augen direkt in die Seele schauend. Nie werde ich diesen Blick vergessen, der mir noch heute, mehr als dreihundert Jahre nach dieser Begebenheit genau im Gedächtnis liegt. Diese Augen waren so voller Mitgefühl, Liebe und... Angst. Ich konnte es sehen, obwohl sie es zu verbergen suchte, doch bevor ich auch nur einen Laut von mir geben konnte, berührte sie mich mit ihrer Hand an der Wange und küsste mich sanft.
Ich wusste damals nicht, in welche Falle ich laufen würde, aber ich muss sagen, dass ich sie nie hätte umgehen können, denn ein Teil meines Schicksals, wie der Leser noch bemerken wird, hing unumwunden von dieser Begegnung ab. Nun, es hätte auch jede andere Person, jede andere Art von Kontakt sein können, aber es sollte nun einmal diese Weise sein, die meine Zurückgezogenheit und meine Unerfahrenheit ausnutzen sollte. Doch auch dazu später...
Sie sprach mit einer Stimme gleich eines Engels zu mir, dass wir uns in der Nacht bei Sonnenuntergang am Rande des Waldes treffen mögen, da sie mich seit dem ersten Augenblick, da sie mich sah, nicht vergessen könne und es bereuen müsse, wenn sie mich in einem Dorf wie diesem zurückließe.
Ich gestehe: ich war hoffnungslos in sie verliebt, obwohl ich nicht einmal wusste, was Liebe war. Ich hatte sie nie erfahren. Auch die Freuden der Lust waren mir unbekannt und es sollte noch lange Zeit so bleiben.
Ich erzählte meinem Vater von der Begegnung und er war nicht erfreut, dass jemand in das Dorf kam und zielstrebig mit einem unbedeutenden Jüngling anbendelte. Noch dazu war die Frau in Begleitung zweier Krieger gewesen, was nicht unbedingt auf schlechtes schließen musste; immerhin konnten sie einfach nur ihre Begleiter auf einer gefährlichen Reise sein. Trotzdem gemahnte er mich zur Vorsicht und stellte einen Zauber über mich, der mich im Falle einer Gefahr schützen sollte.
Des Abends ging ich - vor Freude sie wiederzusehen aufgeregter, als ich es je in meinem Leben wieder sein sollte - zum verabredeten Treffpunkt. Doch sie erschien nicht und auch keiner ihrer Begleiter. Erst Jahrhunderte später sollte sich zeigen, warum sie mir diesen Treffpunkt, zu dem sie nicht erschien, genannt hatte. Ich wartete lange Zeit ungeduldig, bis ich mich auf den Heimweg machte. Da geschah es.

 

Kapitel 4: Das Ende der Unschuld
Ein ohrenbetäubendes Donnern ließ das Dorf erzittern, als ein gewaltiger Blitz sich über dem Haus meines Vaters entlud. Nach dem ersten Schreck rannte ich so schnell wie möglich in das Dorf zurück, eine dunkle Vorahnung beflügelte meine Angst und ließ mich immer schneller laufen.
Als ich beim Haus ankam, war es schon zu spät. Alles stand in Flammen und ich sah die drei Reiter aus dem Dorf galoppieren. Keiner der Dorfbewohner zeigte sich, nur einige Nachbarn meines Vaters waren besorgt aus den Häusern gekommen und holten Wasser vom Brunnen und löschten so schnell sie konnten, vermutlich damit das Feuer sich nicht auf ihre Häuser ausbreitete.
Ich überlegte nicht, sprang durch die geborstene Tür und suchte fieberhaft nach meinem Vater. Ich fand ihn in seinem Studierzimmer, wo all die kostbaren Bücher, Folianten und Schriftrollen bereits in Flammen standen. Er hatte mehrere schlimme Verletzungen durch scharfe Waffen erlitten und es ging zu Ende. Seine letzten Worte gemahnten mich, aus dem Dorf zu fliehen, weit weg, wohin sie mich nicht finden würden, denn ich, so sagte er, war ihr eigentliches Ziel gewesen. Seinen letzten Atemzug verbrachte er damit, mir zu sagen, wo ich meinen Stecken finden konnte: unter meinem Bett, als stabilisierende Leiste für die Matte.
Ich rannte augenblicklich nach oben, suchte zusammen, was ich in dem Chaos aus geborstenem Holz und Rauchschwaden finden konnte - worunter glücklicherweise auch mein Zauberbuch war - und lief hinaus. Ich hielt nicht an, als ich unter den Sternenhimmel trat und die Balken des Hauses hinter mir einstürzten, sondern lief, bis ich vor Erschöpfung auf irgendeiner Waldlichtung weit weg vom Dorf zusammenbrach.

 

Kapitel 5: Die ersten Reisen
Ich erinnere mich, dass ich einige anstrengende und hungervolle Tage damit verbrachte, durch die Wälder westlich des Dorfes zu irren, mich mit meinem Stecken und geringer Magie wilder Kreaturen erwehrend, bis ich endlich einen Pfad fand, der mich an eine Taverne führte. Hier lernte ich den Herrn Kleriker kennen.
Sein Name war Jelvan Delera, ein Kleriker unterwegs im Auftrag der Elfischen Göttin der Liebe und Künste, doch ich nannte ihn und seine Göttin Zeit meines Lebens zu keinem Zeitpunkt beim Namen, aus Gewohnheit, nehme ich an. Für mich war er stets der Herr Kleriker. Er war - obgleich er ein Elf war - von schlichtem, fast menschlichem Gemüt, was wohl auf seine Missionarstätigkeit in von Menschen bewohnten Gebieten zurückzuführen war. Woher er stammt, ist mir bis heute unklar und ich will es auch gar nicht wissen.
Von einem fahrenden Händler, der ebenfalls in der Taverne übernachtet hatte, erwarb ich ein Kurzschwert - meine erste, selbst erkaufte Waffe, die ich noch heute besitze.
Wir zogen mit dem Versprechen des Gegenseitigen Schutzes eine Weile zusammen, bis wir merkten, dass wir verfolgt wurden. Es waren zwei Reiter, eine Frau und ein Mann. Während der ersten Tage blieben sie immer einige hundert Schritt entfernt und wir hielten es für besser, eine Konfrontation zu vermeiden, da auch der Herr Kleriker nicht über eine entsprechende Kampferfahrung verfügte, um sich mit den gerüsteten Gestalten messen zu können.
Kaum waren drei Tage der Reise vergangen, als sie uns unvermittelt angriffen. Sie ritten schnell an uns heran, sprangen von den Pferden und zogen ihre Schwerter. Ich hatte den Gestalten mit meiner noch sehr schwachen Magie kaum etwas entgegenzusetzen und floh in die Wälder, verfolgt von dem Mann - es war ein Mensch. Der Herr Kleriker blieb standhaft und versuchte sein Glück im Kampf.
Nach mehreren Minuten der Flucht entschloss ich mich zur Umkehr - ich wollte meinen neuen Gefährten nicht im Stich lassen. Ich stellte fest, dass ich meinen Verfolger im Wald abgeschüttelt haben musste, denn auch als ich zum Pfad zurückkehrte, fand ich ihn nicht vor. Stattdessen sah ich den Herrn Kleriker gegen die Frau - ebenfalls ein Mensch - kämpfen. Sie war ihm an Erfahrung und Gewandtheit überlegen, doch er kämpfte tapfer, bis beide nach insgesamt einer halben Stunde wilden Ringens vor Erschöpfung zusammenbrachen und sich heftig atmend anstarrten. Gebannt sah ich zu, wie die Frau sich erhob und zu ihrem Pferd zurücktaumelte, aufsaß und fortritt, nach ihrem Kameraden rufend.
Wir gingen ebenfalls, in die andere Richtung.
Einige Dörfer und viele Steppen, Wälder und Hügel später kamen wir in die Gegend um Cormyr. Dort lernten wir unsere anderen Gefährten kennen, den jungen, elfischen Dieb Sodylian, der über erstaunliche, magische Fähigkeiten aus der Schule der Zauberei verfügte und den Menschenkrieger Adrian von Gor, der einst den Purpurdrachen angehört hatte, über sein beschämendes Ausscheiden allerdings schwieg.
Mir ist heute nicht mehr klar, wie es dazu kam, dass wir zusammen zogen, doch wir taten es und ich bin froh, dass ich sie heute meine Freunde nennen darf, auch wenn wir uns jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, lange Zeit schon nicht mehr persönlich begegnet sind.
Unsere ersten Reisen waren alles andere als angenehm und es fällt mir schwer, diese an sich unbedeutenden Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge darzustellen, da wir ständig verfolgt wurden und uns überdies mit allerlei Kreaturen und Ungezücht - als ein hervorragendes Beispiel seien hier Orks und Kobolde genannt - herumschlagen mussten. Ich empfinde es als äußerst lästig, nähere Ausführungen zu einzelnen Scharmützeln zu machen, daher verzichte ich darauf.
Viele Wochen vergingen, in denen wir von einer Stadt zur anderen zogen, ständig die Augen fremder Krieger auf uns ruhend, die uns offensichtlich in eine bestimmte Richtung drängen wollten. Ich erzählte meinen Gefährten nichts von der Flucht aus dem Dorf und das vermutlich ich allein ihr Ziel war. Aus Neugier folgten wir der Route, die sie uns aufzwangen, denn auch nach Monaten der Reise zeichnete sich kein Hinterhalt ab. Manches mal verloren sie uns, fanden uns aber nach einer oder zwei Wochen wieder und ihr Spiel begann von vorn.
Zumeist waren es Wölfe, Wildkatzen, kleinere Drachenformen oder Goblins, mit denen wir uns fortwährend auseinandersetzen mussten und manches mal erforschten wir die eine oder andere verlassene Höhle, der wir ihre Schätze entrissen. Von meinem heutigen Standpunkt aus gesehen, war keine Aufregung damals die Anstrengung wert, die wir in sie gesteckt hatten.
Nach dieser Zeit war es endlich soweit und wir durften erfahren, warum wir so hartnäckig verfolgt wurden. Als wir uns westlich der Herzlande befanden, am Rande einer Gebirgskette, wurden wir von dutzenden menschlicher Krieger auf Pferden empfangen. Ein General, wie er sich selbst nannte, gemahnte uns, ihm zu folgen.

 

Kapitel 6: Die Göttin Ta
Wir kamen seiner Einladung nach, einerseits aus Neugier, andererseits weil wir gegen eine solche Übermacht chancenlos gewesen wären.
Die Streitmacht, die sich während unserer Reise insbesondere zum Schrecken unseres Herrn Klerikers noch um einige Dutzend untoter Skelettkrieger vergrößerte, führte uns tiefer in das Gebirge, genauer: zu einem in einem von Nebel versteckten Talkessel.
Der Nebel schien wie ein undurchsichtiger Wasserspiegel über dem gigantischen Loch zu wabern, als die Armee voranzog und in den Talkessel eintauchte. Wir folgten ihr mit einigem Unbehagen, doch was wir dann sahen, ließ unsere Herzen vor Unglauben und Angst fast zerspringen. Unter dem See aus kaltem, klammem Dunst und Nebel lag ein düsteres Reich des Schreckens und des Todes. Hunderte, vielleicht tausende von Untoten waren hier, in dieser kargen und verdorbenen Landschaft, zu einer gewaltigen Armee versammelt.
Damals war ich - wie meine Gefährten - entsetzt über diesen Anblick und wir vermochten uns nicht auszumalen, welche Greuel diese Brut über die Herzlande bringen konnte und zweifellos auch würde. Doch heute wäre dieser Anblick mir nicht einmal einen leichten Seufzer wert, denn ich habe später, in der Zeit, als ich die Ebenen bereiste, noch weitaus größere Schrecken gesehen und bekämpft.
Aber ich will nicht abschweifen: Die Armee führte uns auf ein Schloss zu, dass ich auch heute noch in seinem Anblick als überwältigend bezeichnen darf. Aus der Ferne sah es lediglich wie ein bleiches Gemäuer aus, doch beim näherkommen fanden wir unsere schlimmsten Vermutungen bestätigt: Das Schloss, dieses gigantische Bauwerk, das mehrere Dutzend Schritt bis unter die Nebeldecke reichte, war vollständig aus Gebeinen erbaut worden, Knochen dicht an dicht aufgetürmt!
Mein Herz setzte damals für einen Moment aus, vor Angst und Abscheu und ich bin überzeugt, meinen Gefährten erging es nicht anders. Natürlich ist es ohne den Einsatz mächtiger Magie nicht möglich, ein solches Gebäude zu errichten, da die unteren Stockwerke unter der Last der oberen zusammenbrechen würden. Die Person oder das Wesen, welches solche Magie wirken konnte, verschaffte mir damals einiges an Kopfzerbrechen.
Wir wurden durch ein Tor aus Knochen, die wie die von Riesen anmuteten, in das innere geführt und auch hier sahen wir aus Knochen bestehende Wände. Tatsächlich war der ganze Palast aus Gebeinen errichtet worden, das äußere war nicht bloß eine Fassade des Schreckens gewesen. Keine Verzierungen, keine Wandteppiche, keine Statuen, nichts dergleichen entspannte das Bild des Todes.
Es gab nur bleiche Gebeine. Wir wurden durch eine verwirrende Anzahl an Gängen und Hallen geführt, bis wir in einen Raum gebeten wurden. Auch hier fanden wir keinen Unterschied, als man die knöcherne Gittertür hinter uns verschloss. Adrian war überzeugt, dass uns wenig Gefahr drohte, denn man hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, uns die Waffen fortzunehmen. Der Herr Kleriker erwiderte, sie hätten dies anscheinend nicht nötig und ich gab ihm Recht.
Außer uns befand sich eine weitere Person in dem Gefängnis. Er war unzweifelhaft als Magier zu erkennen, denn seine schwarzen Roben und sein durchdringender Blick verrieten genug über ihn. Zunächst reagierte er kaum auf uns und ich glaube, wir unterhielten uns nicht sehr lange mit ihm, doch als wir ihm anboten, gemeinsam mit ihm zu fliehen, solange er uns sein Versprechen gäbe, uns nicht anzugreifen, sagte er, dass er uns damit etwas schulden würde. Er gab uns eine Spielkarte, auf welche ein schwarzes Symbol gemalt war. Er sagte, wir brauchten sie nur zu werfen und wir würden seine Unterstützung bekommen. Ich nahm die Karte an mich.
Nach einer Zeit, die uns vorkam, wie eine Ewigkeit - in Gefangenschaft kommt dem Ungeduldigen und Unerfahrenen jede Sekunde wie eine Ewigkeit vor - wurden wir aus dem Gefängnis herausgeführt und mehrere Gänge und Treppen nach oben in den Thronsaal - wenn man ihn so nennen kann, denn außer dem Gebeinthron gab es nichts in dem Raum - gebracht.
Auf dem Thron saß die schönste Frau, die jeder von uns zu damaliger Zeit auch nur annähernd zu Gesicht bekommen hatte, doch irgendetwas stimmte nicht an ihr. Sie besaß eine düstere Aura, ihr Haar besaß einen violetten Glanz und das Abstoßendste an ihr war zweifellos, dass sie auf eben jenem Thron saß. Neben ihr stand - ich traute meinen Augen kaum - die Elfe, die mich Monate zuvor auf dem Marktplatz meines Heimatdorfes geküsst hatte.
Wut und Trauer stiegen in mir auf, aber auch Mitleid, denn sie konnte, nach allem, was ich über Oberflächenelfen wusste, niemals freiwillig in den Bann dieser Kreatur geraten sein.
Ohne sich zu erheben, stellte sich die Frau auf dem Thron als Ta vor. Sie sagte sie wäre eine Göttin, die eine Erscheinungsform und eine Art sich auszudrücken gewählt hatte, die wir verstehen konnten und die uns nicht sofort in den Wahnsinn treiben würde. Wir zweifelten nicht an ihren Worten, denn allein ihre Erscheinung und ihre überwältigende Ausstrahlung der Macht war mehr als deutlich und bedurfte keiner Worte.
Zur Erklärung (ich werde versuchen, mich auch dem Laien gegenüber verständlich auszudrücken): Ta war praktisch gewaltsam in die Ebene der vergessenen Königreiche eingedrungen. Nach den Kriegen der Götter waren diese so geschwächt gewesen, dass sie, eine Göttin, die auf anderen Ebenen bereits sehr viel Macht und eine große Anzahl Anhänger hatte, versuchen konnte, einen Platz einzunehmen, der eigentlich nie hätte besetzt sein können, da er schlicht und einfach in dem Pantheon der Götter dieser Ebene nicht vorhanden war. Also manifestierte sie sich auf der materiellen Ebene und arbeitete an ihrem Aufstieg.
Die Göttin erklärte uns, dass jede Macht, jede Existenz und jedes Ereignis einen Grund benötigte, um wahr sein zu können. Also benötigte sie einen Grund, um auf dieser Ebene weiterhin verweilen zu dürfen. Sie hatte sich - wahrscheinlich im Einvernehmen mit den anderen Göttern, wer kann schon behaupten, er wüsste, was in diesen Gefilden vor sich geht - eine Bedingung überlegt: sie erwählte sich eine Person, die ein Ritual ausfindig machen musste, mit dessen Hilfe die Göttin aus den vergessenen Reichen zu verdrängen war. Das Ritual musste in zehn Jahren der menschlichen Zeitrechnung ausfindig gemacht und eingesetzt werden, sonst hätte Ta ihr »Spiel« gewonnen und hätte einen wahren Platz und eine gerechtfertigte Existenz in den Reichen.
Sie erwählte mich.
Genaugenommen hatte sie mich schon zum Zeitpunkt meiner Geburt erwählt, aber wer hätte das wissen können?
Ich war von diesem Zeitpunkt an, als sie die Worte sprach, verantwortlich dafür, dass eine Göttin, ein Wesen jenseits allen Verständnisses eines sterblichen, durch ein von mir in nur zehn Jahren aufzufindendes Ritual, verbannt werden musste. Eine unglaublich schwerwiegende Verantwortung, von der ich nicht wusste, ob ich sie überhaupt tragen konnte oder wollte. Aber ich musste. Es gab keinen anderen Weg, denn eine Ablehnung oder Aufgabe meinerseits hätte nicht nur mein Ende bedeutet, sondern auch die Bestätigung der Existenz der Göttin und damit wäre vermutlich die gesamte göttliche Ordnung durcheinandergeraten. Das Chaos hätte über kurz oder lang in den Reichen regiert und ich wollte mir nicht vorstellen, welche Schrecken über die Rassen der Welt regieren würden, wenn ich den Gang der Dinge nicht beeinflusste.
Die Göttin entließ uns mit den Worten, dass sich jeder von uns einen Gegenstand seiner Wahl von ihr wünschen durfte, der unserer Meinung nach für die Erfüllung der Aufgabe von Wichtigkeit sein würde. Meine Gefährten wählten magische Waffen, ich jedoch wünschte mir ein Zauberbuch, das viele Zauber, auch aus höheren Graden, deren komplexität ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage war, zu verstehen, enthielt.
Beim nächsten Augenaufschlag fanden wir uns irgendwo in der Wildnis wieder.
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, fällt mir auf, wie sehr die Elfe litt, als sie neben der Göttin stand. Ihre Augen zeigten unendliche Trauer und unbeschreibliche, seelische Qualen und ich glaube, ich versprach mir damals insgeheim, sie zu befreien, bevor ich die Göttin verbannen würde, da ich einerseits noch immer in sie verliebt war und andererseits großes Mitleid für sie empfand. Das ganze Gespräch mit der Göttin über hatte sie kein Wort gesagt und nur zu Boden gesehen. Ihr schien wirklich leid getan zu haben, dass ausgerechnet sie den Lockvogel für mich gespielt hatte.

 

Kapitel 7: die weiteren Reisen
Meine Gefährten und ich kamen überein, zumindest so lange zusammen zu reisen, bis die Göttin vertrieben worden war, denn auch sie und insbesondere Sodylian hatten einen ausgesprochenen Widerwillen gegen die Existenz Ta's.
Während der nächsten Reisen, ständig auf der Suche nach Hinweisen zu dem Ritual und nach der Verbesserung unserer Qualitäten kamen wir sehr weit herum. Wir bereisten mit der Zeit nahezu die gesamten Herzlande, zogen durch Wüsten und Eisöden, erklommen Berge und wagten uns in die Tiefen des Unterreichs.
Ich werde diese Begebenheiten nicht näher beschreiben, denn es würde zu lange dauern, all die Kämpfe gegen Tiere, Monster, Nagas, Drachenformen, Untote, Elementare, Golems und Rassen verschiedenster Gattungen und Herkunft ausführlich darzustellen. Wer sich dafür interessiert, lausche den zahlreichen Bardenliedern und Gedichten in den Herzlanden, die unsere damaligen Heldentaten beschreiben.
Nur einige, mir wichtige Ereignisse, möchte ich beschreiben:

Leidenskampf
Als meine Gefährten und ich einmal eine Schiffspassage in Richtung Süden unternahmen, wurden wir von einem feindlichen Schiff, welches aus Gebeinen erbaut war, verfolgt. An Bord war eine Schar Untoter und die Elfe, deren Namen ich damals noch immer nicht kannte. Sie kamen unaufhörlich näher und als sie begann, mit Tränenüberströmtem Gesicht, Feuerbälle nach unserem Schiff zu werfen, begann das bis dahin größte magische Duell, dass ich erlebt hatte. Es endete damit, dass die Feinde schwere Schäden erlitten hatten und abdrehen mussten. Ich sah ihnen nach, bis sie am Horizont verschwunden waren und spürte eine tiefsitzende Sehnsucht und Trauer.

Tribian Moosfuß
Auf einer Reise durch die südlichen Herzlande kamen wir durch eine sogenannte magielose Zone, die letzten spürbaren Überreste der vergangenen Götterkriege. Am Rande dieser Zone befand sich der Turm einer Nekromantin, die wir überwältigen, leider aber nicht zu einer besseren Denkensweise überreden konnten. Im inneren ihres Turmes fanden wir einen Halbling vor, der nackt auf einer Streckbank lag und von einer »Maschine des Grauens«, wie er sie nannte, mit übelriechendem Schleim und abscheulich schmeckenden Zutaten unaufhörlich gefüttert wurde. Die Nekromantin kannte sich mit den Rassen der Reiche gut aus, sonst hätte sie wohl nie diese für alle Halblinge grausamste aller Folter angewendet. Wir befreiten ihn von seinem Elend und er schloss sich uns an, nachdem er seine Ausrüstung der Nekromantin abgenommen hatte. In Tribian Moosfuß, seines Zeichens Krieger, Dieb und Händler hatten wir einen weiteren, treuen Mitstreiter und Gefährten auf unseren langen Reisen gefunden.

Orkkrieg
Eine zwergische Feste wurde von einer Armee Orks, geführt von einem wahrhaft starken und intelligenten Mitglied der Rasse, unterhöhlt und war im Begriff, angegriffen zu werden. Unser Ruf war uns offensichtlich vorausgeeilt, denn die Zwerge baten uns um Hilfe. Wir erforschten die Höhlen und töteten dutzende Wachen, bis wir auf den scheinbar endlos langen Tunnel trafen, in dem die Armee bereits darauf wartete, dass der Angriff beginnen konnte. Adrian und Tribian griffen die Armee von hinten an, zunächst mit brennendem Öl und schließlich mit ihren Schwertern, während ich mich auf die andere Seite, also an das Ende des Ganges teleportierte und zunächst die Orks ausschaltete, die dabei waren die letzten Grundmauern der Zwergenfestung zu durchstoßen. Ich tötete sie und widmete mich dann der Front der Armee, die ich mit Zaubern bedeckte. Uns gelang es, alle Orks, einschließlich den General zu vernichten, was für unsere damaligen Verhältnisse eine große Leistung war. Die Orks, wir konnten - manche waren Verbrannt oder in Säure ertrunken, so dass dies nicht mehr möglich war - an die dreihundert zählen, brachten ein hübsches Kopfgeld, welches wir auch bitter nötig hatten, um unsere magischen Hilfsmittel wieder aufzufüllen.

Der erste, wahre Drache
Der erste Drache, dem wir begegneten, war ein grüner, dessen Namen ich nicht nenne, weil er mittlerweile ein guter Verbündeter ist. Er wohnte südlich von einem Dorf, dass er regelmäßig ausbeutete. Wir hatten ihm damals kaum etwas entgegenzusetzen und er ließ uns nur wieder gehen, weil wir einige magische Gegenstände hatten, die ihn interessierten. Wir waren also nicht immer erfolgreich, auch wenn die Barden dem geneigten Leser dies glauben machen wollen.
Mehr als sechs Jahre vergingen insgesamt.
Sechs Jahre der ununterbrochenen Suche und des Kriegs. Sechs Jahre, in denen ich mich vor allem in meinem Geiste sehr veränderte. Ich vermute, mein Meister hätte mich nach dieser Zeit nicht wieder erkannt. Ich bemerkte es selbst kaum, aber meine Gefährten, die im Laufe der Zeit zu guten Freunden geworden waren, sprachen oft davon und versuchten ständig, mich von meinen düsteren Gedanken und Depressionen, die mir durch die furchtbare Pflicht auferlegt worden waren, abzulenken und sie zu vertreiben. Ohne Erfolg, muss ich dazu sagen, denn eine Zeitlang drohte meine Seele gar an dieser Last zu zerbrechen. Bislang hatte ich Zeit meines Lebens rote Roben getragen, als Zeichen meiner Neutralität zwischen den verschiedenen Magiergruppen. Doch das sollte sich ändern...
Wir lernten auf diesen Reisen und von all den Personen, denen wir begegneten sehr viel und sie alle waren glücklicherweise bemüht, uns in unserem Vorhaben zu unterstützen, so gut sie konnten.

 

Kapitel 8: Die Zeit des Aufbaus
Wir eroberten zahlreiche Schätze, die uns nach und nach einen gewissen Wohlstand einbrachten und - mir persönlich - erlaubten, einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen: ich ließ von zwergischen Handwerkern weit südlich der Herzlande in dem Lehen, das Adrian von einem König zugesprochen bekommen hatte, einen Turm inmitten eines morastigen, unwegsamen Waldes erbauen. Sie verlangten natürlich entsprechend viel Gold für ihre Kunst, ein Werk für die Ewigkeit und dazu noch für jemanden wie mich zu konstruieren, aber ich hatte mehr als genug, um sie bezahlen zu können.
Zu diesem Zeitpunkt ließ Adrian von Gor eine kleine Festung viele Meilen nordöstlich meines Turmes errichten, um die sich alsbald Bauern und Händler scharten. Das Fürstentum Gor war geboren. Unnötig zu erwähnen, dass aufgrund der Rechtschaffenen Verhältnisse in diesem Land der Handel selbst mit Zwergen und Elfen blühte und die dort heimischen Hügelriesen und Ogerstämme bald vertrieben waren. Adrian war so reich, dass er es sich erlauben konnte, den Staatshaushalt selbst zu finanzieren und kaum Steuern von den Einwohnern verlangte. Demnach gab es nicht einen einzige Bettler in den Straßen Gors, denn Adrian kümmerte sich darum, dass Einwanderer einen guten Lebensbeginn in seinem Reich genießen konnten. Der geneigte Leser kann sich gut vorstellen, dass die Stadt, die sich bildete, bald größer war, als Suzail und die Festung zu einem ansehnlichen Palast wuchs. Er legte großen Wert auf den Wohlstand der Leute und verurteilte Diebe und Gesindel hart, denn niemand hatte es nötig, dank der Unterstützung des Fürsten und mit ehrlicher Arbeit, zu stehlen. Ich bekam einen ganzen Flügel des Palastes zu meiner Verfügung, verbrachte aber nie viel Zeit dort, außer, um Bücher einzulagern oder wieder abzuholen, denn mein Turm bot in dieser Hinsicht nur wenig Platz.
Sodylian errichtete eine Diebesgilde in Gor, die allerdings keine Diebe im eigentlichen Sinne heranzog, sondern Spione, die ausschließlich dem Fürsten Untertan waren und für ihn arbeiteten. Der Elf steckte kaum Arbeit in seine Schergen, für ihn war die ganze Angelegenheit kein wichtiges Regierungsgeschäft, sondern eher ein Spaß. Ebenfalls aus Spaß führte er in zahlreichen Städten der Herzlande neue Diebesgilden ein, die mit denen der örtlichen konkurrierten. Bald war Sodylian's Name wie auch unsere überall bekannt.
Ebenfalls im Herzen Gors wurde ein Tempel für die elfische Göttin der Liebe errichtet. Der Herr Kleriker hatte keine genaue Vorstellung von Begrenzungen und Wänden, festen Mauern, die einen Tempel in einem Menschenreich ausmachten und überließ dem Fürsten die Errichtung des Bauwerks. Der Herr Kleriker ließ den Tempel im Laufe der Zeit - meiner Meinung nach - sehr verkommen, denn er bereiste die Länder auch während der Zeit des Aufbaus und kümmerte sich nicht darum, den ihm zugesprochenen Platz der Göttin zu weihen oder auch nur anzusehen. Ich denke, trotz aller menschlicher Eigenarten, die er auf seinen Reisen von anderen Kulturen übernahm, war er trotz allem noch Oberflächenelf genug, um die Einengung von Mauerwerk zu verabscheuen.
Insbesondere für mich war die Zeit des Aufbaus voller Anstrengungen, denn ich musste sehr viele Zauber lernen und wirken, bis mein Turm so geschützt vor möglichen Angreifern und ungewollten Entdeckungslustigen war, wie er sein sollte. Auch veränderte ich die Umgebung magisch. Aus dem netten, morastigen Wald war nach Monaten der Wetterbeeinflussung ein Sumpf geworden, in dem sich allerlei gefährliches Getier umhertrieb, welches Fremde fern halten sollte.
Zudem nahm ich eine Scholarin bei mir auf, die mir irgendwo in einem kleinen Dorf aufgefallen war. Der Name des Mädchens war Ajolja und sie war bereits über acht Jahre alt, als ich sie fand, meiner Meinung nach schon fast zu alt, um mit ihrer Ausbildung zu beginnen. Doch ihre magischen Fähigkeiten waren erstaunlich und mein Wissen groß genug, damit ich das Wagnis, die kleine Halbelfe ohne Familie auszubilden, auf mich nehmen konnte. Sie begleitete mich auf den meisten meiner Reisen, wenn ich fand, dass diese nicht zu gefährlich für sie waren, damit sie schon früh praktische Erfahrung in den Anwendungsbereichen der Magie erlangen konnte. Nichtsdestotrotz war ihre theoretische Ausbildung für mich schwieriger zu meistern, als für sie, denn ich hatte zwar ein gewaltiges Wissen angesammelt, aber keinerlei Erfahrung, sie dem Mädchen zu vermitteln. Zu Ajolja möchte ich nur noch sagen, dass sie eine wunderbar geduldige und sehr nette Scholarin war. Sie folgte edlen Pfaden und ich sorgte dafür, dass sie nach ihrer Ausbildung eine Stelle als Kriegsmagierin bei Hofe in den Herzlanden bekam. Sie nahm ihre Aufgabe Zeit ihres Lebens sehr ernst. Möge Mitternacht sie in Gnade aufgenommen haben. Ihr Leben währte sechsundachtzig oder siebenundachtzig Jahre, genau weiß ich es nicht.

 

Kapitel 9: Die Vision und der Krieg
Eines Nachts hatte ich im Traum eine Vision. Ich verzichte auf Einzelheiten, nur soviel: mit schwarzen Roben bewandet stand ich am Fuße eines Berges, eine Armee, Krieger aus allen bekannten Völkern und Rassen, hinter mir. Ich trug meinen magischen Stecken aus Kindertagen bei mir. Ich weinte angesichts der Tatsache, dass ich sie alle in den Tod schicken würde, wenn ich das Signal zum Angriff geben würde. Es war das Gebirge, in dem Ta's Schloss zu finden war. Ich senkte den Stecken und mit einem gewaltigen Aufschrei stieß die Armee den Berg hinauf, ihrem Untergang entgegen...
Wochenlang schloss ich mich in meinem Turm ein und brütete über dieser Vision, las zahlreiche Bücher, die sich mit Visionen göttlicher und magischer Natur beschäftigten, doch ich konnte mir keinen Reim darauf machen, was geschehen sollte. War die Vision nur symbolischen Charakters? Zeigte sie die Zukunft? Wie genau beschrieb sie das, was geschah?
Ich sollte die Antwort erfahren, als es an der Tür zu meinem Turm klopfte. Ich wunderte mich darüber, musste der- oder diejenige doch einige Mühen darauf verwendet haben, zunächst die Gefahren der Sümpfe zu überwinden, die meinen Turm weitläufig umgaben und dann den Turm selbst auf magische Weise ausfindig gemacht haben. Meine Macht war zu diesem Zeitpunkt zwar bei weitem nicht so groß, als dass ich sagen könnte, niemand hätte meine Zauber durchbrechen können, aber unbedarft konnte dieser Jemand keinesfalls sein.
Ich ging hinunter und öffnete die Tür, die bei dem ständigen Regen rostige Angeln bekommen hatte und moosbesetzt war. Vor der Tür standen ein Zwerg, ein Elf und Vertreter anderer Rassen. Sogar einige Drachen waren erschienen, allen voran ein silberner, genauer gesagt eine Drachendame, die ich noch heute gut kenne und mit der ich mich des öfteren noch treffe - eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen ich die Vergessenen Königreiche bereise. Wie dem auch sei: sie alle hatten die Vision ebenfalls gesehen, waren von weither gereist, nur um zu fragen, wann sie dem göttlichen Ruf folgen durften, bei dem ich offensichtlich eine wichtige Rolle, die des Heerführers, spielte.
Ich weiß bis heute nicht, warum ich der Vision, die Ta mir und allen anderen Beteiligten sandte, gefolgt bin und auf diese furchtbare Art und Weise der Göttin noch mehr totes Fleisch und Knochen zugespielt habe. Vermutlich dachte ich damals, es gehöre zu einem Teil meines Schicksals oder die damals von mir verehrte Göttin Mitternacht hätte mir die Vision gesandt. Ich bin froh darüber, dass meine Freunde diese Vision nicht erhalten hatten, denn sie in diesem grässlichen Krieg zu verlieren, wäre für mich unerträglich gewesen. Trotzdem bat ich Adrian, der einzige meiner Gefährten, die zu dieser Zeit erreichbar waren, mich zu begleiten.
Zahlreiche Armeen vereinigten sich auf dem Weg zu diesem schicksalhaften Gebirge und trafen mit uns aufeinander. Am Ende der Reise war alles genau so, wie die Vision es vorhergesagt hatte. Alles spielte sich genau so, wie in der Vision beschrieben ab, einschließlich der Kleinigkeit, dass ich mit diesem Tag begann, schwarze Roben zu tragen und über das Schicksal der tausende, die mit meinem Signal den Tod fanden, weinte.
Die Krieger der Völker tobten in einem wilden Ansturm an mir vorbei die Hügel hinauf ihrem Schicksal entgegen. Ich sah, wie sie in dem Talkessel verschwanden und hörte den gedämpften Lärm des Krieges. Auch die Drachen tauchten ein und ihr Brüllen war trotz der dämpfenden Eigenschaften dieses mysteriösen Nebels markerschütternd.
Urplötzlich tauchte eine titanenhafte, einem Dämonen eigene, schwarze Hand aus dem Nebel auf, den silbernen Drachen umklammert und schleuderte ihn weit fort in die Wälder, die östlich des Gebirges lagen. Da ich dem Todesgeschrei der sterbenden ohnehin weder zuhören wollte noch konnte, verließ ich den Schauplatz des Grauens und ritt so schnell ich konnte in die Wälder, zu dem silbernen Drachen. Er lebte noch. Ich bat ihn, sich in seine menschliche Gestalt zu verwandeln, damit ich ihm helfen konnte und unter Schmerzensgebrüll, dass mir die Ohren für Tage betäubte, tat er, wie ihm sein General geheißen hatte. Ich hatte nie so viele Heiltränke benötigt, wie an diesem Tage, um den Drachen zu retten und selbst nach meiner Hilfe dauerte es noch drei weitere Jahre, bis er sich vollends von seinen Wunden erholt hatte.
Ich wartete noch einige Tage am Fuße des Berges ab, bis ich mich auf den Weg zu meinem Turm machte, aber niemand kehrte lebend zurück. Adrian war sehr betrübt über das, was er gesehen hatte, doch ich nicht: ich war in meiner Seele und meinem Herzen gebrochen.
Von dem Tag des großen Krieges an litt ich - und leide, wenn ich daran denke, heute noch - schrecklich an den Schuldgefühlen, die meine Tat mir beigebracht hat. Ich hatte viele tausend Krieger für nichts in den Tod geschickt. Die Göttin hatte mit mir ihr Spiel getrieben, um noch mehr Untote in ihre Armeen reihen zu können und ich war ihr in die Falle gelaufen.
Es hätte so einfach sein können. Ich hätte sie nur nach Hause schicken brauchen, dann wäre das alles nicht geschehen.

 

Kapitel 10: Azuron
Adrian, Sodylian und ich nutzten unseren Reichtum, unsere Beziehungen und eine große Zahl von Untertanen und Gefolgsleuten, um weitere Informationen über das Ritual, das über das Schicksal der Welt entscheiden würde, zu bekommen.
Insgesamt waren nun acht Jahre vergangen.
Eines Tages brachte ein Waldläufer Nachricht von einer seit Jahrhunderten untergegangenen und längst in Vergessenheit geratenen Stadt weit südlich der Wüsten von Al Qadim. Der Name der Stadt lautete Azuron und es rankten sich Gerüchte darum, dass dort magische Waffen zu finden seien, die im Kampf gegen längst vergessene Götter benutzt worden waren.
Unnötig zu erwähnen, dass Adrian, Sodylian und ich unsere Habseligkeiten zusammensuchten und die Amtsgeschäfte auf Stellvertreter übertrugen, um uns sofort auf den Weg zu machen. Der Herr Kleriker war zu dieser Zeit weit entfernt auf einer Missionarstätigkeit unterwegs und Tribian, unser geschätzter Weinkenner und weltbester Leberwursthersteller, war ebenfalls nicht zugegen, da er bei seiner Familie in den weit entfernten Auen seiner Heimat war und dort ein Handelsimperium aufbaute, so dass wir zu dritt gen Süden ziehen mussten.
Es war eine lange, beschwerliche Reise, deren Einzelheiten ich nicht erwähnen will. Wir fanden die Ruinen von Azuron unter dem Sand einer großen Wüste. Wir mussten uns nicht die Mühe machen, die Stadt auszugraben, denn sie war in einer gewaltigen Höhle gefangen, die wir aufgrund magischer Hilfsmittel leicht betreten konnten.
Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass die Stadt noch in erstaunlich gutem Zustand war. Die allermeisten Gebäude waren - wenn auch verstaubt - nahezu unversehrt geblieben vom Zahn der Zeit und tatsächlich bewohnt. Nicht von Monstern oder üblem Getier, wie der geneigte Leser jetzt vermuten würde, sondern von der Rasse, die Azuron schon vor Jahrtausenden, als die Gegend über den Ruinen noch tropische Wälder waren, bewohnt hatte.
Einst waren sie eine stolze, magiebegabte Echsenrasse gewesen, doch ein Fluch lastete über ihren Häuptern und sie und ihre Nachkommen waren allesamt in rattenähnliche Wesen verwandelt worden, die nur noch wenig mit der Hochkultur ihrer Vorfahren gemein hatten.
Wir wurden zu unserem Erstaunen freundlich empfangen und nachdem wir unser Anliegen erklärt hatten, wurde uns offenbart, dass die heiligen »Waffen von Azuron« in längst vergessenen Zeiten dazu verwendet wurden, Ta zu besiegen und sie zurückzutreiben in ihre eigenen, finsteren Gefilde. Sie hatte in der Vergangenheit, als sie eine weit weniger angesehene Göttin gewesen war, also schon einmal versucht, in die Reiche einzudringen. Die Waffen selbst waren unter den Ruinen der Stadt im Unterreich verschollen und die Weisen des Volkes teilten uns mit, dass sie einen Großteil ihrer Macht sicher schon verloren hätten. Allerdings wiesen sie uns ebenfalls darauf hin, dass die Waffen der Legende nach immer die Form annahmen, die sich der Träger wünschte und behielten diese Form, bis der Träger starb oder sie nicht mehr benötigte. Spätestens dann kehrten sie auf wundersame Weise in ihr verfluchtes Versteck zurück.
Wir machten uns trotz aller Warnungen und ablehnender Kommentare auf den Weg in die Unterwelt, um die Waffen zu suchen, ganz gleich, ob sie noch Macht besaßen, die wir gegen die Göttin verwenden konnten, oder nicht. Für mich war es wichtig, diese Waffen studieren zu können. Möglicherweise gab es noch andere Möglichkeiten, die Göttin zu vertreiben, als durch das Ritual, denn wenn wir es nicht fanden, mussten wir eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen können.
Ich fasse mich kurz und lasse alle Monster und Schätze, die wir fanden, außer acht: wir fanden die Waffen, viel tiefer im Unterreich, als wir je vermutet hätten, in einer versteckten Kammer, die eingeschlossen von Lava war. Es gelang uns, sie zu betreten und wir stellten erstaunt fest, dass nur hölzerne, Mannshohe Kisten und vereinzelte Stöcke herumlagen. Sollten dies etwa die heiligen Waffen sein?
Als Adrian einen dieser Stöcke berührte verwandelte er sich in ein wundervolles, prächtig gearbeitetes und vor Macht glühendes Schwert. Wir verstanden und berührten jeder eine Kiste und einen Stock. Adrian hielt ein Schwert und einen prächtigen Prunkharnisch in Händen, Sodylian ein Schwert und einen Umhang. Ich selbst bekam einen machtvollen Stecken und eine rote Robe mit schwarzen Verzierungen am Saum und den Ärmeln, als ich die Gegenstände an mich nahm.
Mein innerstes selbst schien sich noch immer an den alten Werten, an denen ich als Magier vor Jahren, vor der Vision festgehalten hatte, festzuklammern, doch da die Robe schwarze Komponenten beinhaltete, vermute ich, dass mein Wesen damals bereits sehr viel gespaltener war, als ich mir heute vorstellen und vermutlich auch, als ich mir eingestehen kann.
Mit den Waffen im Gepäck und dem Versprechen an das Volk, es von seinem Fluch zu befreien, sobald wir mehr darüber herausgefunden hatten, kehrten wir bei Beginn des neunten Jahres zurück in das Fürstentum Gor, wo ich begann, die Waffen zu untersuchen und wir uns mit ihren Wirkungsweisen vertraut machten, um gegen die Göttin vorgehen zu können.

 

Kapitel 11: Das letzte Jahr
Das letzte Jahr war keinesfalls das letzte und die Zeit, die wir hatten, um das Ritual zu finden, wurde entweder von der Göttin verlängert oder aber es gab in Wirklichkeit keine Frist und sie hatte schlicht gelogen. Mir war dieser Umstand nur recht, denn fünf Jahre benötigte allein die Erforschung der magischen Waffen von Azuron.
Adrian, der inzwischen eine Frau, eine halbelfische Magierin hatte, kam oft zu mir, um mich um Verjüngungstränke zu bitten, da er seine Zeit zu altern als noch nicht gekommen sah. Ich tat ihm den Gefallen als Freund und braute ihm einen Vorrat, solange er mir die Komponenten brachte, die ich dazu benötigte. Er hatte genügend Abenteurer in seinen Diensten, um sie zu bekommen.
Sodylian veränderte sich meiner Meinung nach sehr in dieser Zeit. Er verbrachte nicht mehr viel Zeit mit seinen Diebesgilden, die daraufhin eine nach der anderen zugrunde gingen, sondern reiste von einem Elfenvolk zum nächsten und brachte von seinen Reisen ein wunderschönes Pferd mit, dass ihm treu folgte.
Der Herr Kleriker war zwischenzeitlich wieder aufgetaucht, blieb aber nicht lange im Fürstentum und ich war froh darüber, denn ich musste mir seine ständigen Belehrungen und seine Früher-warst-du-so-Jetzt-ist-alles-schlechter-Vergleiche nicht anhören.
Tribian war ein ausgewachsener Händler geworden, hatte mit seiner Frau sechs Kinder und war der größte Weinvertreiber im Fürstentum geworden. Er schaute selten einmal vorbei, aber ich genoss seine erfrischende Art, wenn er es tat.
Nach den fünf Jahren nahezu ununterbrochener Forschung, wusste ich um die Geheimnisse der Waffen von Azuron und ließ bei den Zwergen, die auch meinen Turm erbaut hatten, Waffen in Auftrag geben, die an meine und die Hände meiner Gefährten angepasst waren. Sie mussten von außergewöhnlich guter Herstellung und Qualität sein, deshalb wählte ich das Zwergenvolk. Ich wusste, sie würden Jahre für die Herstellung benötigen und ich machte mich ruhigen Gewissens an meine persönlichen Forschungen, die ich bis dahin aufgeschoben hatte und entwickelte magische Gegenstände und Zauber, die ich auf meinen nächsten Reisen dringend benötigen würde.

 

Kapitel 12: Reise durch das Unterreich
Einen Sommer später entschlossen Adrian, Sodylian, Tribian und ich, wieder gemeinsam durch die Gegend zu ziehen, um der alten Zeiten willen. Wir nahmen unsere Ausrüstung und machten uns auf den Weg, wohin uns der Wind trieb sollte unser Ziel sein.
Wir begegneten auf diesen Reisen dem Magier, der uns vor Beginn unserer großen Queste in den Gemäuern Ta's begegnet war. Er sagte uns, dass wir noch immer die Möglichkeit hätten, die Karte einzusetzen, wenn unser Leben auf dem Spiel stand, doch ich wusste, dass er nur solange kein Hindernis in unserem Leben darstellen würde, wie wir die Karte nicht einsetzten, denn sie war das Symbol dafür, dass er uns etwas schuldete. Er zog wieder von dannen.
Nach einer Weile fiel uns auf, dass wir verfolgt wurden. Wir machten uns nicht viel daraus, weil wir nicht mehr die Kinder von einst waren, sondern Gestalten, die ihren Namen, gefürchtet oder geehrt, zurecht trugen. Wir ritten voran, ignorierten jegliche Verfolger und betraten irgendwann einmal mehr das Unterreich, um neue Höhlen zu erforschen und Monster zu sehen.
Ich fasse hier die wichtigsten Begegnungen zusammen, denn der geneigte Leser mag wohl die neueste Geschichte über Kobolde und Hobgoblins ignorieren wollen:
Der Betrachter
Wir begegneten und bekämpften einen Betrachter, der auf das Platin aus war, das wir bei uns trugen. Der Kampf endete damit, dass ich ihn durch Magie auf das geistige Niveau eines zurückgebliebenen zweijährigen bezauberte und er schwachsinnig und sabbernd durch die Höhlen des Unterreiches floh. Ich bin sicher, er ist noch immer dort und sabbert.
Der Tiefendrache
Eine besondere Überraschung war, als wir einen Drachenhort von ungeahntem Ausmaß und mit gewaltigen Schätzen fanden. Noch überraschender war allerdings, dass er keinem geringeren als dem »Magier« gehörte, von dem wir die Karte als Pfand bekommen hatten. In offener Feindseligkeit trat er uns entgegen und verwandelte sich zu unserem Erstauenen in den gewaltigsten Drachen, den wir bis dahin je angetroffen hatten. Der Kampf war kurz, aber sehr hart. Auf beiden Seiten wurden Monster beschworen, die gegeneinander antraten und der Odem des Drachen tötete Adrian mehrere Male, doch aufgrund eines guten Ringes, der ihn immer wieder ins Leben rief, kam der Krieger trotz schlimmster Verwundungen auf die Beine, wenn er am nötigsten gebraucht wurde. Ein letzter Schwerthieb Adrians trennte den Kopf vom Hals des Drachen und der Schatz war unser. Wir holten ihn später.
Die Nekromantin
Eine Begegnung der besonderen Art fand unweit von Menzoberranzan statt. Sie war zum damaligen Zeitpunkt mehr als zweitausend Jahre alt, eine Baronin aus vergessenen Zeiten und mit Hilfe von Magie das schönste Geschöpf des Unterreiches. Ihre Magie beschwor nicht etwa ungeahnte Begierden im Beobachter hervor, sondern gewahrte, dass jeder, der sie ansah unverzüglich sein Versprechen gab, ihr nie ein Leid anzutun, um nicht die Schönheit zu brechen, die sie im Gesichte und am Körper trug. Ich erwarb von ihr ein Buch, das sämtliche bekannten Nekromantiezauber beinhaltet und wir zogen weiter. Trotz der respektvollen Art, mit der sie uns begegnete, mag ich sie nicht. Ich stehe ebenfalls im Bann ihres Zaubers, den ich bis heute noch nicht brechen konnte und werde ihr nie ein Leid zufügen.
Kurz vor Menzoberranzan wurden wir in einer Höhle von mehreren Dutzend Dunkelelfen angegriffen. Sie hatten einen Hinterhalt vorbereitet und uns wurde, noch während wir im Kampf einige Worte mit der Anführerin wechseln konnten, gesagt, dass es Dunkelelfen waren, die uns auf der Oberflächenwelt verfolgt hatten.
Da wir von vorhergehenden Kämpfen schon sehr geschwächt waren, unterlagen wir und mussten uns den Dunkelelfen ergeben. Sie nahmen uns Waffen und Ausrüstung ab und brachten uns in das Herz der Unterwelt: in die Stadt Menzoberranzan.

 

Kapitel 13: Dunkelelfen
Dort wurden wir unter den Augen vieler, hasserfüllter Wesen, die insbesondere Sodylian mit Blicken betrachteten, die sonst irgendwo auf den Welten ihresgleichen suchten, zum Adelshaus der Familie Baenre gebracht. Ohne lange Umschweife führte man uns zum Palast und direkt in den Thronsaal, wo die alte Matrone hoch oben auf ihrem Thron saß und auf uns niederstarrte. Wir alle hatten das Gefühl, dass sie uns lange Zeit in Sklavenschaft und Folterei halten würde, bevor wir endlich würden sterben dürfen.
Stattdessen überraschte sie uns mit ihrer offenkundigen Freundlichkeit - eine Anmerkung: Dunkelelfen sind nie freundlich, sie verfolgen lediglich ein Ziel und versuchen, es mit bestimmten Mitteln zu erreichen - und sprach lange mit uns, um zu erfahren, wer wir auf der Oberflächenwelt waren und was wir alles erlebt hatten.
Nach unseren Ausführungen machte sie eine lange Pause und anscheinend hatte uns die Matrone für würdig genug befunden, um nicht sofort in die Drinnen-gruben geworfen zu werden. Von diesem Moment an sprach die Matrone nur noch mit mir, alle anderen durften sie nicht einmal ansehen. Adrian, der dieses Gebot brach, tat es nach den mehr als einhundert Peitschenhieben, die er ertragen musste, nie mehr.
Die oberste Mutter des Hauses Baenre ließ die anderen fortführen - ich rang ihr das Versprechen ab, dass ihnen kein weiteres Leid zugefügt werde - und setzte sich mit mir persönlich auseinander. Das folgende Gespräch - wir unterhielten uns mehrere Stunden miteinander und ich bemühte mich, ihre ständigen Drohungen und Sticheleien nicht zu beachten - war sehr intensiv, ich hatte das Gefühl, es würde sich mehr um ein Verhör handeln, als um eine Diskussion. Sie war sehr zufrieden, als ich bei dem Thema Familie erwähnte, dass ich keine hätte und mir schon immer gewünscht habe, meine wahren Wurzeln kennenzulernen. Sie offenbarte mir, dass Erena - ihre Tochter, was bedeutete, dass ich meiner wahren Großmutter gegenübersaß - meine Mutter gewesen sei und berichtete mir von dem falschen Menschenbastard, der sie bezaubert und verführt, geschändet, verdorben und anschließend entführt hatte.
Ich frage mich noch heute, wie ich ihr damals all die Lügen glauben konnte, aber ich wusste es wohl nicht besser.
Sie berichtete mir von dem Segensritual, deren Thesen die Priesterinnen und Magier der Dunkelelfen von ihrer Göttin empfangen hatten, die sie nach Jahren des Studiums vollendet hatten und nun bei mir einsetzen wollten. Dieses Ritual würde alles menschliche aus mir verbannen und mich auf magischem Wege zu einem reinen Dunkelelfen machen. Die Matrone war, falls ich zustimmte, bereit, meine Gefährten zu verschonen und ziehen zu lassen und mich in ihre Familie, die höchste Adelsfamilie aller Dunkelelfen, aufzunehmen, wenn ich ihr die Loyalität schwor.
Ich erbat mir Bedenkzeit von einer Nacht und wurde zu meinen Gefährten geführt, die in einem höhlenähnlichen Verließ gefangen gehalten wurden. Mit ihnen diskutierte ich die Situation und bat um ihr Verständnis, denn ich würde einen wichtigen Punkt in meinem Leben hinzugewinnen: eine Familie.
Adrian stand auf meiner Seite - wie allermeistens, denn mit dem Menschen verstand ich mich oft sehr gut - und befürwortete das Unterfangen, auch wenn er um meine Seele fürchtete, denn er hatte - zurecht - bedenken, dass durch diesen tiefen Eingriff in meine gesamte Wesenheit auch mein Denken beeinflusst und anders würde. Ich zerstreute seine Zweifel, obwohl ich sie selber hegte und bat ihn, sollte es so kommen, mich unverzüglich zu töten, sobald er die Gelegenheit dazu bekam. Er willigte ein und wir leisteten einen Blutschwur.
Sodylian war strikt dagegen, da er befürchtete, ich würde aufgrund der Tatsache, dass ich viel Zeit mit meiner zukünftigen Familie verbringen würde, genauso verdorben werden wie sie. Allerdings räumte er ein, dass ich meine Entscheidung keinesfalls von ihm abhängig machen sollte.
Tribian war dies alles egal. Er hatte seinen Rucksack mit dem Proviant von den Wächtern zurück bekommen und labte sich an den Köstlichkeiten, die seine Küche zu bieten hatte.
In der darauffolgenden Nacht kam es zu einem Ereignis, dass ich noch heute nicht verstehe und welches meine Entscheidung, dem Willen meiner Großmutter folge zu leisten, stark beeinträchtigte: meine Tante, Sinafay Baenre, eine Priesterin, die in Zukunft eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen sollte, suchte mich, während die anderen schliefen, auf und führte mich durch viele Gänge und Höhlen. Zunächst bemerkte ich nicht, dass Sodylian, der einen Unsichtbarkeitszauber über sich gesprochen hatte, uns verfolgte, aber ich besaß dem Unterreich, vor allem aber den meisten Dunkelelfen gegenüber ein ausgesprochenes Misstrauen und wandelte nie ohne einen Zauber umher, der es mir ermöglichte, magische Strukturen zu erkennen, wenn sie auftraten. Ich entdeckte ihn frühzeitig und war dankbar, dass er mir zur Seite stehen würde, wenn ich in Gefahr geraten würde..
Sinafay brachte mich in eine abgelegene Höhle, in der nicht einmal der Lärm Menzoberranzans zu vernehmen war und wir sprachen eine Weile über Dinge, die mich bis zu dem damaligen Zeitpunkt nicht interessiert hatten oder über die ich nichts wusste: über Leidenschaft und Liebe. Ich berichtete ihr wahrheitsgemäß, dass ich nicht wusste, worauf sie hinauswollte und als sie mich sanft zu sich herüberzog, geriet ich fast in Panik und sah zu meinem Gefährten hinüber, der noch immer unsichtbar neben uns stand. Er nickte und ich ließ sie gewähren. Sie küsste mich einige Male und unsere Leidenschaft wuchs mit jedem Herzschlag. Sodylian war so freundlich, sich rechtzeitig zurückzuziehen.
Am nächsten Morgen wurde ich von meiner Tante und einigen Wächtern abgeholt und ich erklärte ihr, dass ich einverstanden wäre, das Ritual durchzuführen, wenn meine Gefährten und ich zunächst unsere Ausrüstung wiederbekämen und sie dem Ereignis beiwohnen dürften. Sie ging, ihre Wachen zurücklassend, fort und kam nach einiger Zeit wieder, gab das Einverständnis der Matrone bekannt und übergab uns unsere Ausrüstung. Insbesondere Adrian und Sodylian waren froh darüber, der Halbling allerdings hatte seinen Rucksack mit dem Proviant - das wichtigste Utensil - bereits bekommen, von daher berührte ihn die Situation nicht allzu sehr.
Wir wurden ohne Umwege in einen Raum des Palastes geführt, in dem eine komplizierte Apparatur aufgestellt worden war. Mehrere Magier und Priesterinnen waren zugegen und mir wurde befohlen, mich auszuziehen und hinzulegen. Ich tat, wie mir geheißen und erinnerte Adrian an unseren Schwur, als dicke Nadeln in meine Armbeugen gesteckt wurden.
Das folgende Ereignis war unbeschreiblich schön: durch eine der Nadeln wurde mein Blut aus meinem Körper gesogen und ich wurde langsam schwächer, während die Priesterinnen bezaubernd sangen und die Magier Zaubersprüche murmelten. Nach und nach vermischten sich die Geräusche und ich begann wie in Engelssphären zu schweben, während mein Körper starb. Ich hatte in diesen letzten Augenblicken meines alten Lebens keine Furcht, keinen Hass, keine Liebe und kein Leben. Ich starb ganz einfach, war zufrieden und ließ alles dahingleiten.
Ich konnte noch verschwommen aus den Augenwinkeln wahrnehmen, wie Adrian vorsprang, um das Ritual zu unterbrechen, als er sah, wie ich schwächer und schwächer wurde, doch herbeibeschworene Wesen aus anderen Ebenen trieben ihn zurück.
Ich spürte göttliche Nähe. Zum zweiten Mal in meinem Leben spürte ich wahrhaft göttliche Nähe. Diese war bei weitem nicht so finster, wie die Aura der Ta, aber sie war über alle Maßen böse und grausam. Ich geriet plötzlich in Panik, da ein letzter Teil meines Bewusstseins sich dagegen wehrte, einer so abgrundtief bösen Macht erlegen zu sein, sollte das Ritual scheitern, doch mein Körper brachte nur wenige unkontrollierte Zuckungen hervor, die wohl kaum jemand bemerkte. Dann wurde die Welt um mich herum schwarz.

Als ich erwachte, sah ich die Welt mit anderen, eigenen Augen.
Ich dachte mit einem anderen, eigenen Bewusstsein.
Ich lebte ein wiedergeborenes, eigenes Leben.
Kein Zwiespalt in meiner Seele, kein gemischtes Wesen mehr.

Alles um mich herum war wundersam neu. Mein bisheriges Leben war Vergangenheit und ich spürte die allgegenwärtige Präsenz einer Kraft, die mir zuvor nie zueigen gewesen war: Die Stärke und die Macht, die einen Dunkelelfen auszeichnete.
Von nun an sah ich die gesamte Welt, einschließlich meiner Gefährten und den Zielen, die ich verfolgt hatte, mit neuem Augenlicht. Zunächst war alles sehr verwirrend und die erste Frage, die mir gestellt wurde - es war Sodylian, glaube ich - betraf mein Wohlbefinden. Ich nickte nur und versuchte mich aufzusetzen, doch man hinderte mich. Ich musste ruhen.
Tage oder Wochen später verließen wir Menzoberranzan, aber ich gab meiner Großmutter das Versprechen, sofort zurückzukehren, wenn ich die Aufgaben, die auf der Oberflächenwelt auf mich warteten, erledigt hatte. Ich schwor meiner Familie die ewige Treue.
Der Rückweg war insbesondere für mich mühsam, denn ich musste mich in meinen Gedanken, die zwar nicht neu, aber irgendwie anders als die vorhergegangenen waren, sortieren und redete nur wenig. Meine Gefährten machten sich Sorgen um mich, doch ich kämpfte auch weiterhin an ihrer Seite und dieses Wissen beruhigte sie einigermaßen.
Ich beschreibe den Rückweg aus der Unterwelt hier nicht in allen Einzelheiten, nur eine Begebenheit scheint mir Erwähnenswert:
Der Gürtel
In einem Schatzhort fanden wir einen breiten Gürtel, den Tribian an sich nahm und anlegte. Plötzlich platzten die Knöpfe an seinem Hemd und gewarnt sprangen wir übrigen zur Seite, die Vermutung, dass ein scheußlicher Fluch auf ihn übergegangen wäre. Doch Tribian war nicht verflucht worden. Er war von nun an Tribiane, die Händlerin. Auch der Versuch, den Gürtel abzunehmen und wieder anzulegen, brachte sein ureigenes Geschlecht nicht wieder zurück und ich erinnere mich heute noch mit einem Lächeln an die traurigen Augen, mit denen er mich ansah, als er fragte, ob ich ihm nicht irgendwie helfen könne. Ich versprach ihm, nach unserer Rückkehr auf die Oberflächenwelt nach einem Weg zu suchen.

 

Kapitel 14: Krieg wider die Göttin!
Das Sonnenlicht schmerzte meine Augen auf eine unerträgliche Art und Weise und ich begann zu verstehen, warum Dunkelelfen sich nur äußerst selten auf die Oberflächenwelt begeben. Ich schloss mich mehrere Monate lang in meinem Turm ein und studierte. Nebenbei verbesserte ich die Abwehrmaßnahmen um meinen Turm herum, begann die Sümpfe zu einem noch größeren Areal auszuweiten und beschäftigte mich vor allem mit dem faszinierenden Gesprächs- und Kampfesform der Drachenunterwerfung, da ich der Ansicht war, einer oder gar mehrere Drachen würden in meinen Sümpfen eine für alle Abenteurer und Möchtegerneroberer unwiderstehliche Abschreckung darstellen. Sozusagen nebenbei entwickelte ich einen Gegenzauber, der Tribian von seinem Leiden erlöste und ihm seine Männlichkeit wieder einbrachte. Allerdings musste ich, nachdem er sein wahres Geschlecht zurückgewonnen hatte, einräumen, dass er als Tribiane bedeutend hübscher gewesen war.
Nach dieser Zeit waren die Waffen, die ich bei den Zwergen in Auftrag gegeben hatten, endlich fertiggestellt und ich begann, die Azuronische Magie in sie einzuarbeiten. Ein volles Jahr verbrachte ich mit der Herstellung dieser Artefakte, in dem ich mich Tag und Nacht ausschließlich um ihre Fertigung bemühte.
Nach dieser Zeit hielt ich die perfekten Waffen in Händen, um gegen die Göttin vorgehen zu können, selbst ohne Ritual - dachte ich. Mir war bewusst, dass die Waffen nur für einen einzigen Kampf eingesetzt werden konnten, es würde also nur eine Schlacht geben, in der sich alles entscheiden würde.
Ich suchte meine Gefährten zusammen, einschließlich dem Herrn Kleriker, den ich in weit entfernten Gebirgen fand, auf der Suche nach legendären Elfensiedlungen, die er bereisen und dort seine Missionarstätigkeit ausüben wollte. Es gelang mir nur mit Mühe, ihn davon zu überzeugen, dass die Vertreibung der Göttin in diesem Augenblick ein wichtigeres Unterfangen war, dem er sich stellen musste, da er mir einst sein Versprechen gegeben hatte. Er zog nur um unserer Freundschaft willen mit mir, denn ein Versprechen ist für Oberflächenelfen nur selten von dauerhafter Bedeutung, da ihr Wesen nicht zulässt, dass man sie einengt.
Ich händigte meinen Gefährten die von mir hergestellten Waffen aus, erklärte ihnen, wie sie damit umzugehen hatten und dass sie nur für die Dauer einer einzigen Schlacht gewaltige Magie bargen, die sie nutzen mussten, koste es, was es wolle.
Mit einem sehr dumpfen Gefühl im Magen machten wir uns auf den Weg in die »Berge von Ta«, wie wir sie mittlerweile nannten.
Unsere Reise dauerte nur kurz und wurde unterbrochen von einigen Scharmützeln, die ich hier nicht näher ausführe.
Als wir den Bergen näher kamen, wurden die Begegnungen mit Untoten immer häufiger und wir mussten uns bald bis zum Talkessel mit dem darüber wabernden Nebel durchkämpfen. Als wir den unheiligen Ort durch den undurchdringlichen Dunst betraten, waren wir auf das schlimmste vorbereitet, doch kein einziger Untoter begegnete uns an diesem Ort. Die Festung lag verlassen vor uns und wir betraten sie mit äußerster Vorsicht.
Ich verzichte darauf, dass Labyrinth und die Schrecken zu beschreiben, die sich unter der Festung im Gebirge erstreckten, weil sie im Vergleich zu dem, was wir als unseren wahren Gegner betrachten sollten, ein Kinderspiel darstellen.
Tief unter dem Schloss des Todes gelangten wir in eine gewaltige Höhle. Nie zuvor hatte ich ein solches Werk der Natur gesehen, voll besetzt mit gigantischen Stalagmiten und Stalagtiten, die ineinanderwuchsen. Doch das Staunen wich bald einem tiefen Entsetzen, denn etwas gewaltiges regte sich in der Höhle, dass wie ein Erdbeben auf uns zurollte.
Durch einen wabernden Nebel hindurch erschien plötzlich ein untoter, zweiköpfiger Drache. Es war der Avatar der Ta, das mächtigste Wesen, dem ich je begegnet bin. Wir waren fast im Begriff zu fliehen, als der Herr Kleriker, noch während die Urgewalt des Bösen herannahte, beruhigend auf uns einsprach und unsere Herzen mit Mut erfüllte, der gerade ausreichte, um nicht Hals über Kopf davonzulaufen.
So gestärkt wagten wir den Kampf, den wir - hätten wir die magischen Waffen, die ich denen von Azuron nachempfunden hatte, nicht gehabt - unmöglich gewinnen konnten.
Der Kampf dauerte Stunden und ich habe nur noch verschwommene Erinnerungen daran, aber ich erinnere mich, dass ein entscheidender Teil des Sieges von einem Zauber abhing, der mir erlaubte, seine ihm von der Göttin auferlegte Widerstandskraft gegen jegliche Form der Zauberei zu umgehen. Nur dadurch hatten unsere Waffen und meine Magie eine Chance, ihn überhaupt zu verletzen.
Ich glaube, nie zuvor oder danach in meinem Leben war ich so erschöpft und zugleich so erleichtert, wie nach diesem Kampf. Wir alle saßen auf dem Steinboden der Höhle, vor Kraftlosigkeit zusammengebrochen und immernoch Taub von dem letzten Brüllen, dass die Vernichtung des Avatars bedeutet hatte.
Aber wir waren erleichtert und zufrieden. Wir hatten die Göttin durch unsere Tat empfindlich geschwächt. Zur Erinnerung an den geneigten Leser: die Göttin konnte nicht in das Pantheon der Vergessenen Königreiche aufsteigen, weil dort kein Platz für sie war. Sie hatte sich auf der materiellen Ebene manifestieren müssen, wo ihre Macht ohnehin nicht das wahre Potential entfalten konnte und ihr Avatar war ein Schlüssel zu ihrer Macht. Wenn man so möchte, ein Verbindungsglied zwischen ihr auf dieser und anderen Ebenen. Dadurch, dass der Avatar nun vernichtet war - mehr durch Zufall, wie ich zugeben muss, denn wir hatten eigentlich einen Kampf mit der Göttin selbst gefordert - war diese Verbindung geschwächt und ihre Macht eingeschränkter als zuvor.
Nachdem wir uns lange Zeit ausgeruht hatten, machten wir uns nicht sofort auf den Rückweg, sondern durchsuchten die Höhle. Wir erwarteten keine Schätze zu finden, sondern einen Hinweis darauf, wo und wie wir das Ritual, welches die Göttin wahrhaft aus den vergessenen Königreichen verbannen konnte, ausfindig machen konnten. Wir hatten den Glauben daran noch nicht verloren.
Es mag den geneigten Leser nicht sonderlich überraschen, dass wir die Schriftrolle mit dem erforderlichen Ritus in eben jener Höhle fanden. Wo sonst hätte Ta dieses äußerst wertvolle und wichtige Schriftstück aufbewahren sollen, wenn nicht in der Obhut des wohl mächtigsten Wesens der ganzen vergessenen Königreiche?
Überglücklich kehrten wir zurück in das Fürstentum Gor und führten das Ritual aus. Der Leser mag nun erwarten, dass ich außergewöhnliche Sphärenklänge beschreibe, oder gar den Inhalt der Schriftrolle rezitiere, aber nichts dergleichen. Es dauerte nicht lange, den Inhalt der Rolle laut und deutlich vorzulesen und nichts besonderes geschah, als es beendet war. Kein Knall, kein Gewitter über dem Schloss des Fürsten, kein aufflammendes Feuer der Unheiligkeit. Alles, was geschah, war, dass alle Anwesenden ohnmächtig wurden und ohne Erinnerung an den Inhalt der Schriftrolle erwachten, aber dennoch mit dem Bewusstsein, dass eine außergewöhnliche Last von den vergessenen Königreichen genommen worden war.

 

Kapitel 15: Nach der Freiheit
Nach jener Zeit reiste ich nicht sehr viel. Ich zog zu meiner Familie und opferte ihr - ungerechtfertigterweise, wie ich heute zugeben muss - sehr viel Zeit als Hausmagier, um ihre Streitigkeiten mit anderen Häusern zu unterstützen, ihre Intrigen voranzutreiben und das Ansehen der Familie zu stärken.
Meine Liebe, meine Elfe fehlte mir sehr. Ich wusste nicht, ob sie lebte, verstorben war oder durch das Ritual, welches ich an Ta verübt hatte, zwischen den Welten verschollen war. Ich hatte in jener Zeit kaum Möglichkeit, nach ihr suchen zu lassen und durch meine sehr umfangreichen Pflichten war es mir nicht möglich, selbst nach ihr zu suchen, obwohl ich manches mal einen Versuch wagte - erfolglos. Mein Herz war und blieb vorerst versteinert.
Ich hatte viele Schüler in dieser Zeit, die ich die Künste um die Beherrschung der Magie zu lehren versuchte, gab aber jeden von ihnen schon nach kurzer Zeit an einen anderen Meister weiter, denn ich konnte nicht mehr unterrichten. Mein Geist war im Laufe der Zeit durch das Studium magischer Schriften und Gegenstände so erweitert worden, dass ich um sehr viele Geheimnisse wusste, diese jedoch nicht mehr zu erklären vermochte. Ich war einer der mächtigsten Magier der Reiche geworden und konnte doch meine Studien und Erfahrungen nicht weitergeben. Meine Familie sprach von Genialität jenseits jeder Vernunft, aber ich muss sagen, dass diese Beschreibung mehr als übertrieben sein dürfte, denn wie könnte ich angesichts einer solchen Genialität diese Zeilen hervorbringen?

Fünfzig Jahre zogen ins Land.

Ich sah meine Gefährten von einst nur zu bestimmten Gelegenheiten. Am Namenstag zum Beispiel oder am Jahresfest, wenn wir ein volles Jahr unserer Freundschaft feierten. Ich bemerkte, wieviel sich verändert hatte, erst sehr spät, aber gerade noch rechtzeitig, um mit meiner Familie zu brechen und wieder an die Oberflächenwelt zurückzukehren.
Adrians Fürstentum war nicht länger ein unbedeutendes Anwesen auf einem Fleck irgendeiner Landkarte. Das Fürstentum hatte sich vergrößert, sei es, weil ein anderer Fürst verstorben war und seinen Nachlass lieber dem Fürsten von Gor hinterließ als einem unfähigen Sohn, oder weil einige Baronien annektiert werden mussten, da die Grausamkeiten, die jene im Namen zweifelhafter Götzen begingen, nicht zu dulden waren. Adrian war ein König geworden. Ein gerechter König, der den guten das Brot und den bösen das Schwert reichte. Ich verehrte ihn für seine Standhaftigkeit und die Werte, für die er eintrat und stellte mich nach den dutzenden von Jahren, die ich an meine verdorbene Familie verschwendet hatte, in seine Dienste. Ich wurde Adrians Hofmagier und Berater und ich war glücklich in dieser Rolle, da ich mich nicht außerordentlich in seine Staatsgeschäfte einmischen musste und meine Studien in völliger Freiheit betreiben konnte.
Sodylians Spionengilde in Gor hatten die Nachfolger der ersten Spione übernommen, welche Sodylian selbst ausgebildet hatte. Sodylian kehrte nur selten nach Gor zurück. Seine Reisen in ferne Länder und seine Entdeckungslust schienen keine Grenzen zu kennen. Dennoch schien er Gor nie aus den Augen zu lassen, denn er wusste über die Vorgänge im Reich immer Bescheid, wo immer er auch weilte.
Der Herr Kleriker kam leider nie mehr zurück. Das letzte, was ich von ihm hörte, war, dass er seine Missionarstätigkeit unglücklicherweise in die Kharkeshwüste verlegt hatte. Offensichtlich wollte er die dort beheimateten, halbintelligenten Steintrolle zu einem Glauben bekehren. Ich vermute, sie haben ihn mit einer für Trolle nie gekannten Hingebung gefressen.
Tribian Moosfuß war zum bedeutendsten Weinexporteur der Länder der Halblinge aufgestiegen und seine Arbeit als Händler forderte sehr viel Zeit von ihm ab, da er jedes Jahr unterwegs war, um die Länder persönlich zu besuchen, in die er seinen Wein sandte. Seine acht Söhne folgten diesem Beispiel und hielten den Namen Moosfuß in Ehren. Vermutlich war dies der Schlüssel zu seinem Erfolg, denn die örtlichen Händler mochten den Halbling zumeist und sein persönliches Erscheinen war für sie alle ein Zeichen dafür, wie wichtig er sein Unternehmen und die Meinung der Käufer nahm. Auch seine hausgemachte Leberwurst wurde in viele Länder verkauft. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass er bis zum Erbrechen und darüber hinaus reich geworden war. Dennoch bekam er den Hals nicht voll genug: aus reiner Freude an seiner Berufung als Dieb und so zog er durch zahlreiche Herzogtümer und stahl die kostbarsten Gegenstände aus den sichersten Schlössern. Nie hat ihn jemand auf frischer Tat ertappen können. Zu gern würde ich heute einen Blick auf all die Schätze werfen, die er im Laufe der Zeit erbeutete.

 

Kapitel 16: Die Suche nach der Elfe
Eines schönen Abends - als die Staatsgeschäfte erledigt waren und der Tag sich friedlich seinem Ende neigte, verlangte König Adrian von mir, dass ich ihm von der Last erzählte, die nun schon so lange in meinen Augen läge, genaugenommen seit wir uns kannten.
Ich konnte ihn nicht belügen - nicht weil ich es nicht gewollt hätte, sondern weil es ohnehin zwecklos war, da er mich seit so langer Zeit kannte - und erzählte ihm, dass mein Herz in unendlicher Trauer war, seit wir die Göttin vor mehr als fünfzig Jahren verbannt hatten, da ich nicht wusste, ob meine Elfe, die ich so liebte, überlebt hatte oder - wie die meisten der finsteren Anhänger - mit Ta in den Abgrund der Zwischenwelten gesogen worden war.
Der König tat etwas, dass ich nie auch nur annähernd für möglich gehalten hätte, obwohl ich ihn doch kannte: er sandte seine besten Späher, Spione und Kundschafter aus, um nach ihr suchen zu lassen.
Monate verstrichen im Sumpf der Alltagslast und keine Nachricht von meiner geliebten erreichte Gor.
Eines Tages jedoch kam ein Bote zurück, es war Sodylian, der schon so lange das Königreich nicht mehr besucht hatte und brachte uns die Kunde von der Elfe, die mit einigen anderen nach Immerdar gezogen war. Sodylian zog daraufhin weiter, ich glaube, dass seine Augen damals einen Glanz von immerwährender Entdeckungslust hatten.
Adrian und ich überlegten, wie wir meine Liebe in Immerdar erreichen konnten. Immerdar, das legendäre von Elfen behütete Inselreich, zu dem niemand anders als Oberflächenelfen Zutritt hatte, war unerreichbar für jeden von uns. Menschen wurden dort nicht eingelassen und Dunkelelfen, na darüber brauche ich dem geneigten Leser wohl nicht noch zu berichten, was mit Dunkelelfen geschieht, die dorthin wollen.
Selbst für einen so mächtigen Magier wie mich war es nicht möglich, mich auf die Insel zu teleportieren und sie zu suchen: jede Magie, die irgend jemandem Zutritt zu einem beliebigen Ort auf der Insel verschaffen konnte, wurde von den Zauberkundigen abgewehrt.
Ich sah nur eine Möglichkeit: eine List. Ich unterbreitete meinem Freund, dem König den Vorschlag, uns mit Hilfe des mächtigsten Zaubers aller Zeiten, einem Wunsch, in wahre Elfen zu verwandeln. Ich meine nicht jene Illusionsmagie, die zu Durchschauen nahezu jeder ausreichend mächtige Magier in der Lage ist, sondern eine wahre Verwandlung. Eine Abänderung des gesamten Wesens, das man darstellt, in eine vollkommen fremde Form. Nur unser Geist bliebe unberührt, der Körper jedoch würde zu einem wahrhaftigen Elfen werden.
Darthiir. Oberflächenelfen. Sie sind die eigenartigsten Geschöpfe unter der Sonne. Nie werde ich vergessen, wie mein Denken, mein Streben, meine Sinne unter der Macht des Zaubers, den ich wirkte, fast zugrunde gegangen wären. Jede Sekunde meines Daseins mussten Adrian und ich uns davon überzeugen, dass wir keine Elfen, sondern lediglich verwandelt waren, sonst hätte uns die Magie über kurz oder lang zu wahren Elfen gemacht, ohne eine Möglichkeit zur Widerkehr. Unser bisheriges Leben wäre nur ein verschwommener Traum gewesen und unser weiteres vom Denken dieser abscheulichen Art geprägt. Es klingt mit Sicherheit hart, wie ich es hier beschreibe, doch der geneigte Leser muss bedenken: der Geist eines geborenen Wesens gehört in den Körper, mit dem er geboren wurde. Die fremde Denkensweise, der Geist eines anderen Volkes, gehört einfach nicht zu ihm. Ganz gleich, ob man Elfen mag oder nicht: wenn man gezwungen ist, wie einer zu denken, ist es abstoßend und Brechreizerregend. Dem geneigten Leser sei an dieser Stelle angeraten, sich niemals, um das Heil seines Geistes und seiner Seele willen, wahrhaft in die Wesenheit eines fremden Volkes zu verwandeln, ganz gleich wie sehr er es sich wünscht.
Wie dem auch sei. Adrian und ich waren verwandelt, in wahrhafte Darthiir. Wir zogen aus, um nach Immerdar zu ziehen, aber ich beschreibe unsere Reise dorthin nicht. Wir heuerten auf einem kleinen Schiff an, dass uns nach Immerdar bringen konnte, aber da die Mannschaft aus Menschen bestand und ihr Heil fürchtete, benötigten wir viel Überredungskunst und ein Versprechen großer Reichtümer, damit sie uns bis vor die geheimnisvollen Nebel brachten.
Nach einer langen Reise auf See, die für Adrian und mich mehr als unerträglich war, zum einen, weil wir ohnehin nicht gern auf dem Wasserwege reisten, zum anderen, weil wir fortwährend gegen das fremde Wesen der Elfenheit ankämpften, gelangten wir an das Inselreich. Wir drängten die Menschen, in die Nebel zu fahren und versprachen ihnen, dass ihnen kein Leid drohte, da wir bei ihnen waren und die Elfen uns mit Sicherheit nicht töten wollten. Wir baten die Menschen außerdem, etwas weiter außerhalb der Nebel auf uns zu warten, denn wir würden nur einen kurzen Besuch machen und dann, vielleicht einen Tag wiederkommen. Glücklicherweise war ihre Gier nach Gold größer als ihre Furcht vor den Legenden und sie versprachen zu warten.
Ein elfisches Schiff tauchte daraufhin in den Nebeln wie von Geisterhand gesteuert auf und nachdem wir den Elfen erklärt hatten, dass wir nach Immerdar ziehen wollten, da unsere Heimat bedroht war, nahmen sie uns mit warmen Gefühlen, die wir fast schon körperlich spürten, auf. Sie waren freundlich und ließen darüberhinaus das Schiff der Menschen in Frieden ziehen.
Wir wurden zu der Insel gebracht, die uns wegen ihrer Ausmaße eher wie ein Kontinent erschien und wurden auch dort, an Land freundlich und mit offenen Armen empfangen. Ich hasste sie, diese meiner Meinung nach übertriebene Freundlichkeit und hätte mich beinahe wieder in mein wahres Wesen zurückverwandelt, nur um diesen unerträglichen Brechreiz loszuwerden, den mir das Fremde in meine Seele flüsterte.
Wir fragten nach meiner geliebten Elfe, die ich seit so langer Zeit vermisste und wir fanden sie alsbald, denn man kannte ihre Geschichte und wusste, in wessen Diensten sie einst gestanden hatte. Ein schönes, kleines Haus besaßen ihre Brüder, mit einem herrlichen Vorgarten und weiten Blumenfeldern, an deren wunderbaren Duft ich mich noch heute erinnere, weil ich zu diesem Zeitpunkt so aufgeregt war, sie endlich wiederzusehen, dass ich fast die Konzentration meine Gedanken und meinen Geist beeinanderzuhalten vergaß und für alle Zeit ein Elf gewesen wäre - welch schauerliche Vorstellung.
Sie saß auf der Veranda hinter dem Haus in einem Schaukelstuhl und blickte apathisch drein, als wäre sie durch die schreckliche Zeit, die sie einst hatte durchmachen müssen, für immer gebrandmarkt und in Gedanken unwiderruflich in diesen Erlebnissen gefangen. Ihre Brüder warnten uns, dass sie nicht viel spreche und viel nachdenke. Ich bat sie und auch Adrian, mich einen Moment mit ihr allein zu lassen und sie gingen bereitwillig, als sie meine Sehnsucht und meinen Schmerz spürten, die auch im Grunde meines wahren Wesens echt waren.
Ich kniete mich vor ihr nieder, als würde ich mit einem Kind sprechen wollen und fragte sie zunächst leise, ob sie mich verstehen könne. Nach einem blinzeln sah sie mich überrascht an und meinte nur, sie wüsste, wer ich sei und dass ich schnell fort müsse, denn bald würden auch andere mein wahres Wesen erkennen. Ich erwiderte, dass ich niemals ohne sie gehen würde und fragte sie nach ihren Gefühlen. Sie sprach nur ein Wort und ich rief nach Adrian.
Mein Freund hatte schon an dem Tonfall meiner Stimme erkannt, dass die Zeit eilte, denn er war schnell an meiner Seite. Ich erklärte ihm, dass wir schnell verschwinden mussten, bevor außer meiner geliebten Elfe noch jemand meinen Zauber durchschauen würde und wir beeilten uns, unser Ziel der Reise an der Hand, zu einem kleinen Bootssteg zu gelangen, von wo aus wir mit einem kleinen Ruderboot unauffällig fliehen konnten.
Noch bevor wir das Boot erreicht hatten, waren elfische Krieger hinter uns und versuchten uns mit Pfeil und Bogen um jeden Preis aufzuhalten. Wir entschieden uns, gegen keinen von ihnen die Waffen zu erheben und flohen so schnell wir konnten.
Wir kamen am Boot an, stiegen schnell ein und ruderten um unser Leben, während uns ein wahrer Pfeilhagel eindeckte, der das und uns sicherlich in ernstzunehmende Gefahr gebracht hätte, hätte ich nicht den Abwehrzauber gesprochen, der alle Pfeile wirkungslos abprallen ließ.
Doch dies war lange nicht das Ende unserer Flucht. Unser Ruderboot wurde, noch bevor wir zur Hälfte den Nebel überwunden hatten, von den schlanken Schiffen der Darthiir eingeholt.
Ich weiß nicht mehr, wie wir damals entkommen konnten, aber wir schafften es. Als wir erst einmal aus dem Nebel heraus waren, wurden wir von dem Schiff der Menschen wieder aufgenommen und traten unsere Rückreise an. Noch während die Mannschaft die Segel setzte, nahm ich den Zauber von Adrian und mir und eine unendliche Erleichterung, wie auch eine nicht minder große Erschöpfung überkamen uns. Wir schliefen mehrere Tage, bis wir als wir selbst, mit unseren wahren Gefühlen, Gedanken und Sinnen erwachten.

 

Kapitel 17: Schrecken ohne Ende
Zurück in Gor hatten wir keine Zeit für ein ausfühliches Gespräch mit meiner geliebten, denn wir hatten einem Schrecken ins Auge zu sehen, den wir im geheimen immer erwartet hatten: die Stadt war Menschenleer und auch im Palast war keine Seele zu finden. Ein düsterer Himmel zeigte sich über dem Reich und ein kalter Wind zog durch die Straßen. Alles war stehen- und liegengelassen, nirgends zeigte sich die Spur eines Kampfes.
Im Palast trafen wir auf einen alten Bekannten, der es sich auf Adrians Thron bequem gemacht hatte: es war der ehemalige oberste Heeresführer der Ta, doch dieser trug nun eine Rüstung aus geschwärztem Stahl und war nicht körperlich, beinahe wie einer jener Untoten, die gemeinhin Schatten genannt werden, doch mit einem Unterschied: dieser konnte, wann immer sein Geist es befahl, seinen Körper manifest werden lassen.
Er höhnte vom Thron auf uns herab, dass wir uns auf die Ankunft vorbereiten sollten, doch Adrian ignorierte die Worte und fragte außer sich vor Wut, was mit den Menschen seines Reiches geschehen war. Der Heeresführer antwortete, dass sie alle in einer Zwischendimension gefangen wären, bis er entschied, sie freizulassen oder zu töten. Er ergänzte, dass seine Entscheidungen von unserer Handlungsweise abhing: wenn wir uns fügten, würde ihnen nichts geschehen. Wenn wir uns gegen seinen Willen verhielten, würde er einige von ihnen wahllos töten, bis wir zur Vernunft kämen.
Adrian handelte für gewöhnlich besonnen und überlegt, doch seine Wut, der Schrecken und die Verzweiflung in ihm waren in diesen Momenten so groß, dass er alle Warnungen dieses Schattens außer Acht ließ und sein magisches Schwert zog, um ihn anzugreifen. Gegen einen gewöhnlichen Schatten wären seine Bemühungen ohne Zweifel von Erfolg gekrönt gewesen, doch gegen diesen Gegner hatte die Macht des Schwertes nichts auszurichten. Gelächter und wie aus dem Nichts erscheinende Leichen von Bewohnern der Stadt, die bezeugten, dass er keine leeren Drohungen aussprach, waren die Folge. Uns blieb nicht viel anderes übrig, als abzuwarten.
Ich will es kurz machen, denn die Ankunft ließ nicht lange auf sich warten. Ta war zurückgekehrt und hielt ihren Einzug in Adrians Schloss. Sie brachte ein Heer von Untoten mit sich, was sicher lediglich eine Zurschaustellung sein sollte, denn für Adrian und mich, die schon weitaus größere Gefahren bewältigt hatten, wäre eine Armee, die hauptsächlich aus Skeletten bestand, kein Hindernis gewesen.
Ihre Gestalt war schlanker als vor Jahrzehnten, sie sah ausgehungert und müde aus, unzweifelhaft ein Zeichen des Machtverlustes, den sie auf dieser Welt erlitten hatte, als wir das Ritual vollzogen hatten. Ich wunderte mich darüber, dass die Göttin keine Anstalten machte, diese Zeichen zu verbergen, aber dann fiel mir wieder ein, dass sie an eine körperliche Gestalt - selbst wenn sie diese jederzeit ändern konnte - gebunden war, bis ihre wahre Existenz in den Reichen begründet war.
Nachdem sie den Thron für sich in Anspruch genommen hatte, erklärte Ta wie beiläufig, dass sie nie fort gewesen war. Sie war durch das Ritual lediglich geschwächt worden, aber da wir einen entscheidenden Teil bei der Durchführung vergessen hatten, wäre sie nicht vollständig verbannt worden: das »Kind der Götter« hätte dem Ritual beiwohnen müssen, eine Bedingung, die Ta uns verschwiegen hatte und die wir damals selbst hätten herausfinden müssen. Das Kind der Götter, ein Auserwählter des Pantheons.
Selbstgerecht und mit einem zufriedenen Grinsen auf ihrem - ob ihrer mageren Erscheinung nicht minder wunderschönen - Gesicht deutete sie auf die von Immerdar gestohlene Elfe und sagte uns, dass sie es gewesen war, die dem Ritual vor so langer Zeit hätte beiwohnen müssen.
Es ergab sich eine Konsequenz: entweder, wir würden ihr Spiel noch einmal spielen und uns dem Willen der Götter unterwerfen, abermals eine Bedingung für oder gegen die Existenz Tas in den Reichen zu erfüllen, oder wir und alle Bewohner von Gor würden sterben.
Sie sah erst Adrian an, mit ihrem Blick, der wie ein Messer die Eingeweide eines Wesens zerschneiden konnte und dann sah sie mich an. Doch nicht mit dem eisigen, leichenkalten Blick, den sie mir in damaliger Zeit geschenkt hatte und der mir das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte, sondern mit dem Blick eines Wesens, das lebt, das existiert und sich mit aller Macht an eben jenes Leben klammert und nicht einzig ein grausames Ziel, die Vernichtung des Lebens, sondern sehr viel mehr verfolgt.

 

Kapitel 18: Gefühle
Ta zeigte mir in diesem Moment, mit diesem Blick, der nicht länger als einen Augenaufschlag währen mochte, ihre Sehnsucht nach einem Leben in den vergessenen Reichen.
Ihre Sehnsucht nach einem Leben, das anders war als das, welches sie auf zahlreichen anderen Ebenen führte.
Nach einem Leben an der Seite einer Persönlichkeit, die sie erwählt hatte.
Nach einem Leben mit mir.
Wie ein Schlag traf mich das plötzliche Erkennen der wahren Gefühle einer Göttin. Der geneigte Leser mag sich nicht ausmalen, nicht in den kühnsten Träumen, wie die wahren Gefühle einer Göttin aussehen und ich möchte auch nichts darüber schreiben, denn jedes geschriebene, jedes festgehaltene Wort wäre eine Lüge. Nie lassen sie sich beschreiben, nie. Vielleicht wäre es einem Priester möglich, den Ruf und den Willen seines Gottes mit Worten zu erfassen und zu predigen, aber niemals wäre es ihm möglich, das, was in einem Gott vorgeht auch nur ansatzweise darzustellen, wenn er begreift, was in diesem Wesen vorgeht.
Und ich hatte begriffen.
Sie hatte mich erwählt, nicht um ein sinnloses Ritual durchzuführen, nicht um sie der Verbannung zuzuführen, nicht um mich zu beeindrucken, zu fesseln, ihr Spiel mit mit zu treiben oder irgendetwas anderes zu tun. Sie wollte nur eines: ich sollte sie fürchten und sie wäre meine Sklavin.
Ich hatte schon viel darüber gelesen und natürlich so mancher Legende gelauscht: Götter, die sich in Sterbliche verliebten. Götter, die auf diese Weise sogar ihre Existenz im Pantheon riskierten, wenn andere Götter mit dieser Verbindung nicht einverstanden waren. Götter, die für die Liebe alles riskieren würden.
Mein ganzes Leben lang war ich einer unerklärlichen Sehnsucht gefolgt und immer zeigte sie sich anders, immer war sie neu und doch vertraut, immer blieb sie unerfüllt, doch so nah:
In meiner Kindheit hungerte ich nach Magie.
In meiner Jugend schmachtete ich nach dieser einen Elfe.
In meinen ersten Reisen folgte ich dem Ruf des Fernweh.
Während der Zeit des Krieges war es der Drang, das Ritual zu finden.
In der Zeit nach dem Krieg suchte ich nach einer Familie.
Später war es der Durst nach Macht.
Doch nie war ich erfüllt, stets blieb ich ruhelos. Nie erkannte ich meine wahre Berufung, mein wahres Schicksal. Bis zu diesem einen Augenblick, in dem die Göttin es mir offenbarte.
Sie war mein Schicksal.
Sie war mein Leben.

 

Kapitel 19: verborgene Erfüllungen
Adrian bemerkte nichts von der Erkenntnis, die mich überrollte wie eine orkische Kriegsmaschine. Ich blieb stumm und mein Gesicht verriet nichts, denn ich fürchtete die Reaktion meines Freundes, sollte er erfahren, was ich fühlte. Doch sie wusste, was in mir vorging. Ta wusste es.
Ich fühlte mich nicht nur zutiefst geehrt, ich wusste auch, dass all mein Streben und Suchen jetzt ein Ende finden würden. Ich gab mich bereitwillig meiner Göttin hin. Der geneigte Leser mag jetzt überrascht sein und sicher entsetzt, aber ich möchte dazu etwas anmerken, bevor ich meine Erzählung fortsetze:
Mein Leben als Halbelf währte nur kurz, genaugenommen wurde ich zweiundzwanzig Jahre alt, bis meine Familie mir mein reines Erbe schenkte. Als Dunkelelf war ich zu dem Zeitpunkt, als Ta mir ihr Wesen, ihre Existenz und ihre Gründe für ihre Existenz offenbarte, etwa sechzig Jahre alt. Zusammengenommen wären dies etwa zweiundachtzig Jahre Lebensalter. Mancher Mensch wird dieses Alter bestaunen - zurecht - und mancher Elf oder Zwerg wird es belächeln - ebenfalls zurecht. Für mich bedeutete es: ich war in den Augen meiner Familie ein Kind, das weitaus mehr erlebt und gesehen hatte, als jeder andere Dunkelelf und besaß außerdem mehr Macht als die meisten Magier der vergessenen Königreiche.
Was ich damit ausdrücken möchte? Nun, trotz der für Menschen unfassbar hohen Lebensspanne eines Dunkelelfen bin ich in Bezug auf die Betrachtungsweise, was Zeit und Zeitvergehen betrifft, noch immer ein Halbelf. Mein Leben hatte eigentlich gerade erst begonnen, doch mir war bewusst, dass die meisten Personen, die ich kennengelernt, mit denen ich gelebt und die ich schätzen gelernt hatte, gestorben waren oder langsam auf ihr Lebensende zugingen - bis auf wenige Ausnahmen. Und mein Leben würde wahrscheinlich noch das zehnfache meiner bis dahin verstrichenen Zeit andauern.
Ich war mehr als unzufrieden mit meinem Leben, rastlos, auf der Suche nach etwas wahrhaft beständigem, das mir die Erfüllung geben konnte, die ich suchte. Meine Magie war mir ein Trost und die Studien der höchsten Mysterien waren eine gute Ablenkung, aber ich spürte tief in meinem innern einen leeren Fleck, der ausgefüllt werden musste.
Durch Tas Offenbarung wurde mir bewusst, wie gewaltig dieser Fleck im Laufe der Jahre geworden war. Die Lebensspanne eines Menschen war verstrichen und ich hatte ein gigantisches Loch in meinem Herzen, das die Göttin mit einer einzigen Flutwelle aus Gefühlen füllen konnte - wenn ich es zuließ.
Meine Entscheidung war nicht überlegt, sondern spontan. Zum ersten Mal in meinem Leben traf ich eine spontane Entscheidung und sie fühlte sich nicht nur gut an, sie war die Entscheidung, die mir alles bedeuten würde. Ich möchte meine Erzählung nach dieser kurzen Ausführung fortsetzen.
Ich nahm ihre Liebe an und sie wusste es. Ihre Blicke wechselten zwischen mir und Adrian, der den ihren fest erwiderte, voller Abscheu und Widerwillen. Ich erwiderte ihre Blicke ebenfalls, jedoch mit einer neuen Bewunderung und einer Zuneigung, die mir selbst fremd war.
Sie schien eine Weile zu überlegen, dann fragte sie uns, ob wir akzeptieren würden. Adrian und ich sahen uns an. Wir stellten die Bedingung, dass das Leben in Gor seinen geregelten Lauf nehmen sollte, dann würden wir ihrem Willen folgen.
Ich log. Ich würde den Willen meiner Göttin ausführen. Niemals würde ich zulassen, dass sie aus den Reichen verbannt würde. Ebenso würde ich nicht zulassen, dass sie, meine Erfüllung, mich verließ. Ich schämte mich um Adrians willen für meine Entscheidung, der fest der Überzeugung war, dass ich ebenso wie er die Göttin ein für allemal aus den Reichen vertreiben würde. Ich konnte ihm die Wahrheit nicht sagen. Einmal mehr würden wir die Reiche bewandern auf einer sinnlosen Suche. Und ich würde Adrian betrügen. Den Mann, dem ich als Freund und König die Treue gelobt hatte, würde ich irgendwann zum Kampf stellen müssen, wenn die Zeit der Entscheidung käme.
Ta ließ die Gefangenen frei und von einem Herzschlag auf den anderen war sie, ihre Armee und ihr Heeresführer verschwunden und das Leben im Palast wieder hergestellt. Niemand hatte bemerkt, dass etwas geschehen war, jeder lebte einfach von dem Zeitpunkt des verlassens an weiter, als wäre nichts geschehen.
Die Toten Stadtbewohner schob Adrian vorerst irgendeinem Assassinen oder Magier in die Schuhe, den die Spionengilde ausfindig machen sollte. Sie sollten ihn lediglich verhaften und einsperren, Niemand sollte in seiner Abwesenheit ein Urteil über ihn verhängen oder ausführen, bis er zurück war. Damit würde er das Ausmaß der Ungerechtigkeit eindämmen, bis er zurück war, falls man einen schuldigen für die Verbrechen fand.
Adrian und ich versprachen uns, in einem Jahr und einem Tag wiederzukehren, um mit der Suche zu beginnen. Auch an diesem Punkt log ich und ich schäme mich noch heute dafür.
Auch die Elfe, die wir aus Immerdar befreit hatten, sah ich von diesem Tage an nie wieder. Ich werde sie nie vergessen, wie sie da vor mir stand, hilflos und schwach, als ich sie zurück nach Immerdar wünschte. Ich hatte fast mein ganzes Leben lang geglaubt, sie zu lieben, doch was hatte ich bisher über Liebe gewusst?
Ein halbes Jahr versteckte ich mich in meinem Turm. Ta besuchte mich oft und wir liebten uns mindestens ebensooft. Ich wurde ihr Hohepriester und war dank der mir eigenen Kräfte und der Macht, die sie mir verlieh, bald eines der mächtigsten Geschöpfe unter der Sonne.
Nach diesem halben Jahr begann ich, ohne Abschied von meinen einstigen Freunden oder meiner Familie zu nehmen, die Ebenen zu bereisen, denn ich wollte sehen, wo meine geliebte Göttin präsent war, welche Macht sie dort ausübte und auf welche Weise. Ich bereiste auch Ebenen, wo sie nicht präsent war, doch mehr aus Neugier als aus praktischen Gründen.
Ich glaube, mittlerweile sind mehr als dreihundert Jahre vergangen und ich bin noch immer der höchste Priester der Ta. Wo immer ich hinging, welche Ebenen auch immer ich bereiste: sie war bei mir und nahm auf jenen Welten einen Platz ein, wo ich wandelte und sie aus eigener Kraft nicht hingelangen konnte. Meine Reisen zu den Ebenen beschreibe ich an anderer Stelle.
Meine neue Wahlheimat sind die Sonnenländer, so werden sie gemeinhin genannt. Viele Jahrzehnte des Friedens auf dieser Welt gehen nun zu Ende und neue Helden werden geboren. Ich beobachte die Geschehnisse auf dieser Welt und lebe mit meiner Göttin in der größten Magierstadt, die ich jemals sah, als Mitglied des großen Rates von Moonshade. Allerdings habe ich hier keinen Tempel, keinen Schrein und keine Gedenkstätte für sie errichten lassen. Hier haben wir ein Leben wie zwei Liebende.

 

Nachwort:
König Adrian von Gor betrachte ich noch immer als meinen Freund. Ich bezweifle, dass er noch lebt, denn auch mit Hilfe mächtiger Magie ist es den meisten Menschen nicht möglich, das Leben über Gebühr zu verlängern. Ich habe fast nur gute Erinnerungen an ihn und hoffe, dass sein Gott ihn aufgenommen hat. Er war ein guter und gerechter König, den ich stets geschätzt und oftmals ob seiner aufrichtigen Rechtschaffenheit bewundert habe. Ich könnte leicht die Vergangenheit bereisen, um herauszufinden, was er nach meinem Fortgehen aus seinem Königreich gemacht hat, doch ich habe ehrlich gesagt wenig Interesse daran, denn wenn ich die Reiche bereise, dann um einige Persönlichkeiten zu besuchen, an denen mir etwas liegt und nicht um zu studieren oder zu spionieren. Vielleicht wäre ich ihm eine Erklärung schuldig, doch dafür ist immernoch Zeit, wenn ich selbst einmal das Angesicht der Ebenen verlassen werde.
Sodylian habe ich erst vor kurzem besucht und er war überrascht mich wiederzusehen. Wir haben gegessen und ein wenig geplaudert, aber weder über vergangene Tage noch über uns oder jene, die wir kennen. Er ist noch immer der gleiche, unbefangene, sture und kindliche Elf, den ich vor fast vierhundert Jahren kennengelernt habe. Mittlerweile kennt wohl niemand die vergessenen Reiche besser als er, denn er reist noch immer von einem Ort zum nächsten, einfach um des Reisens willen und der Lust am kennenlernen von Personen.
Tribian Moosfuss habe ich ebenfalls nicht mehr gesehen, nachdem ich fortging. Ich hoffe, sollte auch er mittlerweile am großen, reich gedeckten Tisch seines Gottes sitzen, dass er sich nicht den Magen verdirbt. Ich mochte ihn. Er war wie ein wildes Kind, das immer zur falschen Zeit den Mund öffnete, sei es um etwas unsinniges von sich zu geben, oder etwas zu essen.
Den Herrn Kleriker habe ich bereits weiter oben erwähnt. Möge ihm seine Göttin ob seiner kleinen und großen Fehler gnädig gewesen sein und der Troll der ihn fraß, an einem seiner Knochen erstickt. Er war immer ein guter Freund, auf den man sich in Zeiten größter Not verlassen konnte, auch wenn seine spitzfindigen Bemerkungen so manches mal unser aller Verständnis bei weitem überstiegen, denn sie waren für einen Elfen mindestens ebenso typisch wie eine gepflegte Ausdrucksweise für einen Ork.
Der geneigte Leser mag sich abschließend noch fragen, warum die Elfe mir in meiner Jugend zuflüsterte, dass wir uns im Wald außerhalb des Dorfes treffen sollten. Diese Frage habe ich mir auch lange Zeit gestellt und als ich sie danach fragte, nachdem ich die Vergangenheit bereist hatte, um mir Klarheit zu verschaffen, sagte sie, dass die Krieger, die sie begleitet hatten, Ta's Befehl, mich zu ihr zu bringen widersprachen und mich töten wollten. Da sie selbst als Kind der Götter loyal gegenüber der Göttin sein musste, mir aber nicht sagen konnte, was in Zukunft geschehen würde, weil die Zeit noch nicht reif war, wählte sie diesen Weg, um mich vorerst vor dem Tod zu bewahren und mich meiner Bestimmung zuführen zu können. Ich bin ihr heute dankbar dafür und würde ihr diese Tat gern vergelten, aber sie lehnte jedes meiner Angebote ab.
So viele andere Personen und Persönlichkeiten gibt es, die ich kennenlernte, dass ich sie gar nicht an dieser Stelle erwähnen kann. Ich werde, sobald ich die Zeit dafür erübrigen kann, meine Memoiren fortsetzen und über meine Reisen durch die Ebenen berichten.
Möge der geneigte Leser die in diesen meinen ersten Memoiren aufgeführten Warnungen und all jene, die in meinen anderen Büchern und Abhandlungen stehen, wohl wahrnehmen. Sie könnten ihm das Leben zur rechten Zeit erleichtern.

Ich bin Gamoriel.

 

[Memoiren] - [Zusammenfassung] - [Charakterdaten] - [Reisezauberbuch]

 

Zusammenfassung - Wer ist dieser Gamoriel eigentlich?
Gamoriel Baenre ist ein Spielercharakter für das Rollenspielsystem AD&D 2nd Edition von TSR (heute: Wizards of the Coast).

Gamoriel beginnt auf der ersten Stufe als Halb-Dunkelelf. Er ist Zauberkundiger (kein Spezialist, sondern Zauberkundiger im klassischen Sinn, wie im Spielerhandbuch beschrieben). Ursprünglich war er als Kämpfer/Magier geplant, doch ich gab den Gedanken schnell auf, eine solche Klassenkombination zu spielen, denn erstens konnte ich die Rolle eines Kriegers durch meinen Hintergrund nicht so gut mit der des Magiers vereinbaren und zweitens konnte ich mich so voll und ganz seiner wahren Berufung widmen.

Auf der ersten Stufe war Gamoriel ein Charakter mit Neutral/Guter Gesinnung. Für einen klassischen Helden im eigentlichen Sinn fand ich diese passend, vor allem weil sie mir genug Spielraum gab, später zu experimentieren und seine Persönlichkeit weiter abzurunden.
Mit dem Kapitel „Das Ende der Unschuld“ in Gamoriels Memoiren endet sein Hintergrund und beginnt die erste Spielsitzung. Der Magier, der in den Kapiteln zuvor sein Ziehvater und Mentor war, hatte ihm viel Wissen vermittelt und viele gute Vorsätze eingegeben, doch Gamoriel muss in vielen darauffolgenden Spielsitzungen feststellen, dass Leben und Tod nicht immer Prinzipien folgen und er oft an Grenzen seiner Entscheidungsfähigkeit gezwungen wird.

In der zehnten Stufe kommt es zu der ersten großen Charakterveränderung von Gamoriel. Aufgrund der schrecklichen und ungeheuerlich schweren Bürde, die ihm von der Göttin Ta auferlegt werden, bricht seine Welt mit all seinen Vorstellungen von Werten von Glauben und Moral zusammen. Über drei Stufen hinweg (geplant war das Ereignis schon seit Anfang der achten Stufe) wechselt seine Gesinnung langsam zu Chaotisch/Neutral. Er wird keinesfalls verrückt oder wahnsinnig, auch wenn er manches Mal starke Tendenzen in diese extreme Persönlichkeitsrichtung zeigt. Er ist ein gebrochenes Wesen, geschüttelt von den Ereignissen, die er erlebt hat und durchdrungen - aber nicht verdorben - von dem Bösen, dass ihm auf seiner Suche und seinen Reisen immer wieder widerfährt.

In der achtzehnten Stufe lernt Gamoriel seine wahre Heimat und sein Erbe kennen. Durch ein magisches Ritual wird er von den Zauberern und Priesterinnen der Dunkelelfen zu einem reinen Dunkelelfen gemacht. Dieses Ereignis ist das zweite, grundlegend in seine Psyche einschneidende Geschehen in seinem Leben. Doch obwohl sein neues Wesen ihm mehr Macht als je zuvor verleiht und ihn beinahe von Grund auf umkrempelt, kann er sich aufgrund seiner Vergangenheit und seiner Verpflichtungen nicht von der Oberflächenwelt und seinen Freunden lösen. Die Dunkelelfen konnten durch dieses Ritual nicht alles menschliche aus Gamoriel bannen, was seine purpurnen Augen zeigen. Diese Augenfarbe deutet bei Dunkelelfen an, dass es irgendwo im Stammbaum einen Menschen gegeben haben muss. Seine Gesinnung ändert sich nicht.

Das letzte und für Gamoriels zerstörte Seele apokalyptische Kapitel ist die Rückkehr Ta's. Gamoriel erkennt - entsetzt und erfreut zugleich - dass er bereits sein ganzes Leben lang die Göttin, die er zu vertreiben und vernichten suchte, aus den Tiefen seiner Seele liebt, weil er sein Schicksal mit dem der Göttin so eng verbunden sieht. Seine Gesinnung ändert sich auch dieses Mal nicht. Die Erfahrungen und Schrecken in der Vergangenheit vermischt mit den starken Gefühlen der Gegenwart machen ihn für seine Feinde und Freunde gleichermaßen zu einer tickenden Zeitbombe. Dies ist der Moment, wo er sich still und heimlich seinem Wahn hingibt und die Gesinnung Chaotisch/Neutral tatsächlich das ausdrückt, was sie eigentlich bedeutet: Gamoriel wird wahnsinnig. Niemand weiß von seiner Besessenheit und seiner Abhängigkeit von Ta und Gamoriel entschließt sich, an der Seite seiner Göttin fortzugehen, bevor er seinen Freunden - die noch immer entschlossen sind, Ta zu vernichten - ein Leid antun wird.

An dieser Stelle möchte ich einige Danksagungen aussprechen:
zum einen an Christian, unseren Spielleiter, der es immer wieder geschafft hat, uns in die bösesten Fallen laufen zu lassen, aus denen wir nur mit viel Würfelglück und Hirnschmalz entkommen konnten und der es geschafft hat, über fast dreieinhalb Jahre und eine gigantische Forgotten Realms-Kampagne auf diese unvergessliche Art durchzuziehen.
Zum anderen an meine Mitspieler Sascha (Adrian von Gor), Torsten (der Herr Kleriker), Seb (Sodylian) und Ramon (Tribian Moosfuß), die durch ihre unvergleichlichen Charaktere über jede Spielsitzung dafür gesorgt haben, ein konkurrenzlos schönes Spielleben zu verbringen.
Wer weiß, vielleicht sitzen wir eines Tages wieder an einem Tisch in der Taverne, Adrian und überlegen, wohin uns der Wind wohl führen mag...

 

[Memoiren] - [Zusammenfassung] - [Charakterdaten] - [Reisezauberbuch]

 

Charakterdaten, Ausrüstung und magische Gegenstände

Name: Gamoriel Baenre
Titel: Erzmagier von Gor, Weltenwanderer, Reisender durch die Ebenen, Hohepriester der Ta
Rasse: Dunkelelf, Klasse: Zauberkundiger, Gesinnung: Chaotisch/Neutral
Größe: 184 cm, Gewicht: 160 Pfund, Haarfarbe: Schneeweiß, Augenfarbe: Purpurn

Bewegungsfaktor: 12, Trefferwürfel: W4, Trefferpunkte: 43, Stufe: 26, ETW0: 12

Rassenfähigkeiten: - 50% Magieresistenz + 2% pro Stufe (maximal 80%) - 36 Meter Infravision - 1x pro Tag: Tanzende Lichter, Feenfeuer, Dunkelheit, Schweben, Gesinnung erkennen, Magie entdecken - +2 auf Rettungswürfe gegen Zauberstäbe, -stecken und –ruten - Nur bei 1 auf 1W10 überrascht - versteckte und geheime Türen entdecken wie Elfen - +1 auf Treffer bei Kurz- oder Langschwert, sowie alle Bögen
Attribute:
Stärke 11
Geschicklichkeit 14
Konstitution 11
Intelligenz 20
Weisheit 17
Charisma 13
Rettungswürfe:
Lähmung, Gift, Todesmagie 8
Zauberstäbe, -stecken, -ruten 3
Versteinerung, Verwandlung 5
Odemwaffen 7
Zauber 4

Anmerkung: Es sind noch keine Sonderboni (z.B. für Rasse oder magische Gegenstände) eingerechnet!

Fertigkeiten:

Waffenfertigkeiten:WertAndere Fertigkeiten:Wert Wert
Dolch1Lesen/Schreiben1Orientierungssinn1
Kurzschwert1Zauberkunde8Tierkunde1
Kampfstab1Religionskunde1Schwimmen1
Sichel1Wappenkunde1Bergsteigen1
Messer1Lebende Sprache (Espruar)1Umgangsformen1
  Lebende Sprache (Dethek)1Lebende Sprache (Unterweltsch)1
  Alte Sprache (Thorass)1Alte Sprache (Ultwyrmisch)1

Mitgeführte Waffen und Rüstungen:
Gamoriel trägt zwei Waffen bei sich: Zum einen ein nichtmagisches Kurzschwert, welches er in frühen Abenteurertagen bei einem recht armen Händler erwarb. Das Schwert ist schmucklos und schlicht, hat jedoch einen enormen, ideellen Wert für Gamoriel, da es ihn auf all seinen Reisen begleitete. Zum anderen einen magischen Dolch +1. Dieser ist nur mit Zaubern wie Magie entdecken als solcher zu erkennen, da er unscheinbar ist und lediglich eine silberne Parierstange hat. Gamoriel trägt keine Rüstung, da diese ihn beim Zaubern behindern würde. Er hält auch nicht allzuviel davon, sich mit dutzenden Pfunden Metall zu behängen und sich anschließend kaum noch bewegen zu können. Gamoriels eigentliche „Rüstung“, die er stets bei seinen Reisen trägt, ist eine graue „Robe der Erzmagier“, wie sie im Handbuch für Spielleiter, Seite 192 beschrieben wird. Die Boni, die die Robe gewährt, sind noch nicht in seinen Werten verrechnet!

Mitgeführte Ausrüstung:
Für gewöhnlich kleidet Gamoriel sich in edle Tuche von bester Qualität (auch wenn man diese unter seiner Robe nicht immer sieht). Geldbeutel, Wasserschlauch und Gürteltaschen sind seine ständigen Begleiter. Oft hat er auch einen Rucksack auf dem Rücken, in dem sich einige für jeden Abenteurer wichtigen Gegenstände befinden: eine Decke, einige Fackeln und ein Seil. Desweiteren trägt er zumeist Schreibzeug (Federkiel und Tinte, Papier), ein Kristallprisma und einige Schriftrollenbehälter bei sich. Seine stets mitgeführten magischen Gegenstände (man unterscheide zwischen diesen, die er immer bei sich trägt und jenen weiter unten auf dieser Seite, die leicht ihren Platz ändern können) sind: - 2 (!) Versorgungsringe (Seite 166 im Handbuch für Spielleiter), die immer abwechselnd wirken. - 1 Magierring (verdoppelt die memorierbaren Zauber im 1. bis 4. Grad) - 1 Onyx-Kampfhund-Statuette (kennt jemand noch Drizzt Do Urden? Er hat eine Onyx-Panther-Statuette) - 1 Perlmuttbesetzter Ring (unter Wasser atmen) - 1 Zauberstab „Magie bannen“ (ca. 40 Ladungen) - 1 Stecken der Elemente (ca. 30 Ladungen)

Besondere Ausrüstung:
Gamoriel ist Chaotisch/Neutral. Gemäß seiner Gesinnung trifft er keinerlei schwere Entscheidungen, es sei denn, es handelt sich dabei um das Schicksal seiner Freunde von einst oder um seine geliebte Göttin. Er trägt eine goldene Münze bei sich, die auf der einen Seite das Wappen der Magier von Thay zeigt, auf der anderen Seite absolut blank ist. Sollte Gamoriel gezwungen sein, eine Entscheidung zu treffen (sei es auch nur an einer Wegkreuzung), wird er die Münze werfen.

Tiere und Vertraute:
Überraschung! Niemand würde bei einem Zauberkundigen einen derartigen Wanderzoo vermuten, wie er Gamoriel umgibt.
Zwei untote Reitpferde, „Azintha“ (Reitpferd) und „Tomorra“ (Schlachtroß, welches Gamoriel zu seinem Packpferd machte) sind seine Lieblinge. Nachdem sie ihn lange Jahre treu auf allen Wegen begleitet hatten und früh gestorben waren, brachte Gamoriel sie durch Magie wieder „zurück“. Er hat sie mit zahlreichen Zaubern belegt, die in ihrer Kombination bewirken, dass sich die Pferde geschmeidig bewegen und alle natürlichen Bewegungen machen, die Pferden zueigen sind. Sie sind gut konserviert und zeigen keinerlei Verwesungsgeruch. Einzig Elfen und Druiden oder Waldläufer dürften bei einem zweiten Blick auf die Pferde misstrauisch werden, da ein großer Teil der Natürlichkeit fehlt.
Eine gewaltige Speischlange, die sich jederzeit um Gamoriels Körper windet, bereit ihr Leben für ihn zu lassen, ist Gamoriels Vertrauter. Aufmerksam beobachtet sie die Umgebung und schreckt Fremde schon durch ihren Anblick ab. Ihr Gift kann sie bis zu 9 Schritt weit versprühen (Rettungswurf mit einem Malus von 3 oder Tod in der nächsten Runde!). Details werden im Monsterhandbuch 1 erläutert.
Eher im verborgenen, zumeist in einer der Gürteltaschen, lauert eine haarige Spinne (Alles über Dunkelelfen). Sie entspricht in ihren Werten einer ausgewachsenen, wie sie im Buch vorgestellt wird. Gamoriels Tante und Priesterin der Lloth, SiNafay Baenre, gab ihm die Spinne einst, um ihn durch ihre Augen überwachen zu können. Doch er fand heraus, was es mit der Spinne auf sich hatte und es gelang ihm, sie zu einem Vertrauten zu machen und die Verbindung von ihr zu seiner Tante zu brechen.
Der Homunkulus (wenn auch kein Tier oder Vertrauter im eigentlichen Sinn, Monsterhandbuch 1) sitzt entweder auf Gamoriels Schulter oder auf einem der Pferde. Auch er hält, wie die Speischlange, ständig Ausschau nach Feinden. Anders als die Speischlange kämpft der Homunkulus jedoch nie. Gamoriel benötigt ihn entweder als Boten, Beobachter oder Alarmgeber. Kommt es zum Kampf, fliegt der Homunkulus ausreichend hoch außer Reichweite oder entsprechend weit vom Ort des Geschehens fort.

Sonstige magische Gegenstände (variabel):
Diese magischen Gegenstände sind veränderbar, doch so oder so ähnlich wird die magische „Ergänzungs“-Ausrüstung wohl aussehen. Dies ist ein Beispiel, wie seine weitere magische Ausrüstung aussieht, wenn Gamoriel in eisigen Gegenden unterwegs ist:
- 2 starke Heiltränke (ca. 3W8) - 1 Heilungselixier - 1 Schreckensrute - 1 Rauchfass der Herrschaft über Luftelementare - 1 Trank der Herrschaft über Frostriesen - 1 Trank der Herrschaft über Sturmriesen - 1 Trank der Herrschaft über weiße Drachen

 

[Memoiren] - [Zusammenfassung] - [Charakterdaten] - [Reisezauberbuch]

 

Reisezauberbuch

Hier findet Ihr die Zauber, die Gamoriel für gewöhnlich in seinem Reisezauberbuch mit sich führt, um für alle Herausforderungen, die ihm begegnen könnten, gewappnet zu sein.

Vorab einige Anmerkungen:

Nun aber zu den Listen:

Aus dem Laboratorium - Neue Zauber

Zauber des 1. Grades

Zauber des 3. Grades

Zauber des 4. Grades

Zauber des 7. Grades

Zauber des 8. Grades

 

Jörg Kaminski
[Gamoriel Baenre-Homepage]

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