Die letzte Fee

Noch einen ganzen Monat habe ich vor mir dachte sich Andryon, während er gerade den Grünforst durchquerte. Dann bin ich endlich zuhause. Zuhause bei meiner Frau und meinen sechs Kindern. Vier Söhne und zwei Töchter sind es, denen er mit seiner Frau das Leben geschenkt hat. Und nun hat er sie schon ein halbes Jahr nicht gesehen. Weil er in diesen Krieg zog, der ihn eigentlich gar nicht interessierte, und der ihn gar nichts anging. Er tat es, um mit dem Sold das Familienleben zu finanzieren und zu verbessern. Doch dabei wurde ihm erst bewusst, wie wichtig ihm seine Familie war. Wie oft ist er nachts wachgelegen und hatte sich nicht sehnlicheres gewünscht, als endlich wieder zuhause zu sein. Mit seinen Söhnen zu jagen, seine Töchter im Arm zu haben, seine Frau zu lieben? Und nun hatte er immer noch einen Heimweg von einem Monat vor sich? Das ganze erschien ihm als wöllte ihn eine höherstehende Macht quälen. Irgend jemand schien ihn nicht leiden zu können. Vielleicht weil er noch nie gläubig war? Weil er nie in die Kirche ging? Doch was sollte das für ein Gott sein, der ihn deswegen das Leben schwer macht?

Mit solchen und ähnlichen Gedanken stolperte Andryon weiter durch den Grünforst. Er setzte einen Fuß vor den anderen, stieß hier und da mal einen Ast zur Seite oder duckte sich unter dickeren Ästen hindurch. Doch was war das? Auf einmal blieb Andryon stehen, und betrachtete das Bild das sich ihm bot. Er sah einen kleinen von Schilf und Blumen umrankten Teich, in dem sich gerade eine weibliches Wesen badete. Doch es war kein Mensch. Zwar hatte dieses Wesen humanoide Gestalt, doch war sie nur etwa 20 cm groß, und hatte ein Paar Flügel auf den Schultern. Doch der Rest des Körpers entsprach der Anatomie nach wirklich der einer menschlichen Frau. Einer wunderschönen Frau, so schön dass sich Andryon gar nicht diesem faszinierendem Bild entziehen konnte, selbst wenn er gewollt hätte. Wer ist diese Frau? Und auf einmal fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Es mußte eine Fee sein! So wurden sie ihm schon als kleines Kind in den Märchen erzählt, und später hörte er aus den Legenden die die Barden erzählten die gleiche Beschreibung. Ja, sie war eine Fee. Da war sich Andryon nun ganz sicher. Doch Andryon wusste gar nicht, was er denn nun machen sollte. Hatte er nun drei Wünsche frei? Sollte er sich lieber ganz klammheimlich davonschleichen? Doch seine Entscheidung wurde ihm abgenommen, indem sich die Fee umdrehte und Andryon ansprach:

"Sei gegrüßt Wanderer, ich bin Seylara. Wie Du wahrscheinlich unschwer erkennen wirst bin ich eine Fee. Und mit wem habe ich es zu tun?"
Andryon war ganz erstaunt, und konnte es immer noch nicht glauben, dass er wahrhaftig einer Fee begegnet ist. Er war sprachlos, und begann damit sich selber zu zwicken, um aus seinem Traum aufzuwachen.
"Hab keine Angst! Du träumst zwar nicht, aber ich werde Dir bestimmt auch nichts tun. Also, wer bist Du nun?" ermutigte ihn die Fee, die Andryons Zweifel zu bemerken schien.
"I- I- Ich bin Andryon. Und, äh, und ich bin auf dem Weg nach Hause." stammelte Andryon.
"Es freut mich Dich kennen zulernen, Andryon. Was erwartet Dich zuhause? Hast Du eine Familie, Hof und Kinder?"
Während dieser Worte erhob sich Seylara aus ihrem Seebad, und flog auf die gegenüberliegende Seite, um ihre Sachen zu holen, und zog sich nun an.
"Oh Ja, ich habe den Hof meines Vaters geerbt mit fünf Kühen und zwei Pferden" erzählte Andryon Stolz, "und ich habe die liebenswürdigste Frau der Welt und Sechs Kinder. Davon vier Söhne und zwei Töchter. Doch ich habe noch einen ganzen Monat Heimweg vor mir, obwohl ich schon ein halbes Jahr von zuhause weg war!"
"So? Das tut mir aufrichtig leid für Dich. Doch ich kann Dir helfen. Die Geschichten die ihr euch im Menschenvolk erzählt sind wahr. Wer einer Fee begegnet darf sich drei Wünsche erfüllen lassen. Und so darfst auch Du Dir drei Wünsche wünschen!"

Andryon war völlig mit seinen Gefühlen durch. Drei Wünsche hat er, die erfüllt werden. Also er will nach Hause. Und er will mit seiner Familie endlich ein Haus aus Stein bauen. Diese Holzhütte wird langsam lästig. Aber einen neuen Pflug könnte er auch gebrauchen, will er weiterhin ein guter Bauer bleiben. Und ein paar neue Zuchtbullen könnten ihm das Leben auch durchaus angenehmer machen. Oder sollte er Oneyra, seiner hochintelligenten Tochter einer Ausbildung an einer der Kaiserliche Akademien schenken? Tausend Wünsche gingen ihm durch den Kopf, und drei davon konnte er erfüllen. Doch auf einmal ging mit ihm seine angeborene Neugier durch. Die, die ihn schon als kleines Kind immer Ärger einbrachte, wenn er statt mit seinem Vater das Feld bestellte lieber sich die Zeit damit vertrieb den nah gelegenen Wald zu erkunden. Und die, die ihn durch das halbe Land ziehen lassen ließ, bevor er zu seinem Vater zurückkam, um den Hof zu übernehmen. Und genau diese Neugier zeigte auch jetzt ihre Wirkung. Jetzt hatte er die Möglichkeit einmal etwas ganz neues zu sehen, etwas das nicht von dieser Welt ist. Ja, er wollte die Welt der Feen sehen. Diese wunderschöne Welt mit den blühenden Blumen, den glasklaren Seen, den wundervollen Gerüchen, den spielenden Feen und dem wunderschönen blauen Himmel. Und dann hat er ja immer noch einen Wunsch um nach Hause zu kommen, und den dritten den kann er sich dann immer noch überlegen. Und so antwortete er nach ein paar Minuten:
"Zeig mir Deine Welt! Ich will die Feenwelt sehen, will ein paar Stunden meines Lebens in diesem wundervollen Ort verbracht haben!"
Die Augen der Fee weiteten sich, und sie antwortete: "Einen solchen Wunsch habe ich noch nie erfüllt. Ich bin in der Lage Dir diesen Wunsch zu erfüllen, doch willst Du Dir wirklich diesen Wunsch wünschen? Ich weiß nicht ob Du weiß, was Du Dir wünscht!"
"Oh doch! Ich bin mir ganz sicher! Ich will die Welt der Feen sehen!"
"Nun gut, Dein Wunsch sei Dir erfüllt!"

Kaum hatte Seylara diese Worte gesprochen, da flog sie auf Kopfhöhe von Andryon, sah ihm einen langen Moment in die Augen, und küsste ihn dann auf die Stirn. Es war ein Kuss, so zärtlich dass er nie von einem Menschen hätte stammen können. Und dann schloss Andryon ohne Grund die Augen, und er fühlte wie sich sein Geist erhob. Obwohl sein Körper auf dem Boden blieb und auch weiterhin die Augen geschlossen ließ, sah er wie er sich in den Himmel erhob. Immer mehr dem Blauen entgegen. Es überkamen ihn Glücksgefühle, die immer stärker wurden, je näher er sich der Feenwelt glaubte. Und dann war es auf einmal dunkel.

Als Andryon das nächste mal etwas wahrnahm, hatte er keine Glücksgefühle mehr. Alles was er sah waren Grau-, Braun- und Schwarztöne. Als sich seine Augen nach einiger Zeit an das fehlende Licht gewöhnt hatten sah er erst die wahren Ausmaße dessen, was hier gewütet hat. Der Boden vor ihm war karg und aufgewühlt, und außerdem so trocken, dass hier niemals Leben zustandekommen könnte oder Leben könnte. In seiner Nähe sah er zwei Bäume, oder zumindest waren sie das wohl früher mal. Jetzt waren sie nur noch verkrüppelte, morsche und völlig ausgetrocknete Holzreste. Auch ein See schien dort vorne mal gewesen zu sein, doch jetzt war es nur noch ein schwarzes, faulendes und stinkendes Brackwasserloch. Er schaute sich weiter um, doch es bot sich ihm nirgendwo ein anderes Bild. Der Himmel war so schwarz, dass man gar nichts sehen konnte außer Schwarz, und man ihn so eigentlich nur vermuten konnte. Und überhaupt: Immer wider nahm Andryon schwarze, undurchschaubare Flecken in der Landschaft wahr, die absolut angsteinflößend und abschreckend wirkten.
"An was für einem Götterverfluchtem Ort sind wir denn hier gelandet?" fragte Andryon sein Begleiterin.

Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass die kleine Fee neben ihm nun schon die ganze Zeit dem sie angekommen sind kein einziges Wort mehr gesagt hat. Doch nicht nur das. Sie weinte in stiller Trauer zwei Tränen. In ihren Augen las er eine Mischung aus Trauer und Wut. Erst nach einer Weile antwortete sie ihm mit gebrochener Stimme: "Das, was Du hier siehst ist Feylandrasa, die Welt der Feen!"
"Was? Das hier soll die Welt der Feen sein? Wie ist das möglich?"
"Das hier ist Feylasandra!" wiederholte die Fee anscheinend völlig Geistesabwesend.
Andryon bemerkte, das er wohl Seylara lieber kurz etwas Zeit lassen sollte, und sie nicht sofort mit Fragen überschütten sollte. Obwohl er gerne so viel gefragt hätte. Wie konnte das passieren? Wer ist dafür verantwortlich? Wie kann man das Rückgängig machen? Während Andryon noch mit seinen Gedanken spielte, schien sich Seylara wieder zu fangen.
"Nun, wo soll ich anfangen zu erzählen?"
"Erzähl mir alles! Die ganze Geschichte!"
"Nun, dann hör gut zu..."

"...also früher, dass heißt sehr viel früher, so ungefähr vor ein paar tausend Jahren war die Feenwelt eine wunderschöne Welt. Überall blühten Blumen, die Wasser waren klar, die Natur war nicht einfach nur vorhanden, sondern sie lebte. Und wir mit ihr im Einklang. Außerdem kannten wir keine solch Grausamkeiten wie Gewalt, Neid, Zorn und ähnliche 'Errungenschaften' der menschlichen Zivilisation. Diese Welt war eine Welt des Friedens, der Freiheit und des Lebens. Damals schon war es üblich, dass dann und wann auch Menschen diesen Ort betraten. Entweder weil sie besonders mächtig waren, und somit die Möglichkeit hatten, weil sie Auserwählt waren, oder einfach weil es der Zufall so wollte. Daher kommen auch die Legenden von unserer Welt, die die Besucher danach in eure Welt setzten. Uns Feen jedoch war die andere Richtung, also den Zugang zu eurer Welt durch Grandror, dem Wächter der Sphären, verboten. Doch Dran'jara, eine junge und selbst für Feenverhältnisse wunderschöne Fee verliebte sich eines Tages in einen Jüngling der als Besucher zufällig in unsere Welt gekommen ist. Es war eine verbotene Liebe, denn wir Feen unterbanden es, dass eine von uns eine Beziehung zu einem Sterblichen führt. Und sie war von Anfang an Hoffnungslos, da der damalige Besucher nur für ein paar Tage verweilte.
Da fasste Dran'jara einen tollkühnen und verhängnisvollen Plan. Genau in dem Moment in dem ihr Angebeteter durch das Sphärentor in seine Welt zurückkehrte, sprang sie hindurch, und fand sich danach in eurer Welt wider. Damit zog sie den Zorn Grandrors auf sich. Und er sprach diesen verhängnisvollen Fluch, die für jede Fee unseres Volkes hörbar war, und auch jede Fee tief in ihrem inneren traf:

"Wie konntest Du es Wagen, die oberste Regel zu verletzen, und die Feenwelt zu verlassen? Aus einer Liebe zu einem Sterblichem heraus? Damit seist Du und Dein ganzes Volk für die Ewigkeit verflucht, Sphärenwanderer zwischen der euren und der Menschenwelt zu sein. Und jedem Sterblichem, dem ihr begegnet auf euren Reisen in der Welt der Sterblichen, müßt ihr drei Wünsche seiner Wahl erfüllen! Solange, bis der erste Sterbliche sich einen Unegoistischen Wunsch wünscht." Grandor wusste wohl genau, warum er den Fluch erst mit einem Unegoistischem Fluch beende lassen würde. So war gewährleistet, dass er sehr lange hält. Doch das viel größere Problem war, dass die Energie, die benötigt wird um einen Wunsch zu erfüllen von der Lebensenergie Feylasandras, der unseren Welt, geklaut wurde. Das heißt mit jedem Wunsch dem wir einen Sterblichen mal erfüllt haben, starb ein Teil unserer Welt. Ihr wurde die Lebensenergie entzogen. Und so ist je nach Stärke des Wunsches entweder ein Teil unserer Welt abgestorben, um verödete Landschaften zurückzulassen, oder es wurde vollständig bei lebendigem Leib 'herausgeschnitten'. Das sind diese undurchdringlichen Schwarzen Flecken, die du siehst. Doch damit nicht genug. Denn mit der Energie Feylasandras wurden nur die ersten zwei Wünsche erfüllt. Der dritte Wunsch wurde Mithilfe der Lebenskraft der wunscherfüllenden Fee erfüllt. Das hatte zur Folge, dass jede Fee die einem Menschen begegnete innerhalb der nächsten sieben Tage sterben mußte. So wurde unser Volk und unsere Welt langsam aber sicher ausgerottet. Und ich stehe nun vor Dir, bin Seylara, und ich bin die letzte Fee. Die letzte meines Volkes. Und auch Du hast Dir keinen Unegoistischen Wunsch gewünscht, und somit ist Feylasandra nach deinem zweiten Wunsch zerstört, und mit deinem dritten und letzten Wunsch wirst Du für meinen Tod sorgen. Danach wird man Feen nur noch aus Legenden kennen!" - "Halt, nicht so schnell. Warum habt ihr nie jemand davon erzählt?" - "Das konnten wir nicht, das war Teil unseres Fluches!" - "Aber Du hast es mir doch gerade auch erzählt!" - "Ja, das liegt daran, dass wir gerade in Feylasandra sind. Alles was ich Dir hier erzähle, wirst Du nachher nicht mehr Wissen. Deshalb kann ich es Dir erzählen! Deshalb weiß ich auch sicher, dass Du Dir nachher noch weitere zwei Wünsche wünschen wirst. Weil Du nicht weißt, was Du damit anstellst."

Andryon war sprachlos.

Er überlegte. Warum habe ich mir bloß einen egoistischen Wunsch gewünscht? Aber war der Wunsch überhaupt 'so richtig' egoistisch? Ich meine, ich habe ja eigentlich keinerlei Vorteile davon! Und Seylara soll die letzte Fee sein? Und ich werde an ihrem Tod schuldig sein? Das kann ich nicht glauben! Das muss ich träumen. Und wenn ich ihr jetzt sage, dass ich keine weiteren Wünsche mehr erfüllt haben will? Was wäre dann?
Andryon zerstörte die unheimliche Stille:
"Was wäre, wenn ich Dir nun sage, ich verzichte auf meine weiteren Wünsche?"
"Das bewirkt nichts. Ich muss Dir in der Welt der Sterblichen drei Wünsche erfüllen, und wenn wir zurückkommen werde ich Dich fragen, was Du Dir noch wünscht. Das Gespräch das wir hier führen hat und darf keinen Einfluss auf eure Welt haben. Verstehst Du?"
"Aber gibt es denn wirklich keine Möglichkeit?
"Leider Nein!"

Nach weiteren Minuten der Stille meldete sich die Fee wieder zu Wort: "Es ist an der Zeit Feylasandra zu verlassen, und Abschied zu nehmen."
Ihre Stimme überschlug sich beinahe mehrfach in dem letzten Satz. Seylara wischte sich die Träne von der Wange und wandte sich dem Anblick ab. "Verhalt Dich nun ganz still, ich bring uns beide wohlbehalten wieder zurück"

Andryon erwachte. Was war eben passiert? Hatte er einen Schlag auf den Kopf bekommen? Er konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, was in der letzten halben Stunde war. Das einzige, dass er noch wusste war, dass er durch den Grünforst gewandert ist. Instinktiv griff Andryon nach seiner Waffe. Da hörte er eine Stimme: "Aber, aber. Wir werden doch wohl nicht gleich gewalttätig werden, oder?" Andryon sah sich um, und er sah Seylara. Sie schien ihm nicht fremd zu sein. Er wusste zwar nicht woher er sie kannte, und er wusste auch nicht, was sie zusammen gemacht haben, aber er dachte auch gar nicht daran. Er fühlte plötzlich kein Gefühl des Misstrauens mehr.
"Was wünscht Du Dir noch?"
Andryon überlegte. Irgendetwas stimmte nicht an der Sache. Er kam bloß einfach nicht darauf, was es war. Also entschied er sich, denn er dachte : Lieber schnell, bevor es sich Seylara anders überlegt. "Ich will nach Hause, zu Familie, Hof und Kindern!"
"Nun gut, Dein Wunsch sei Dir erfüllt!"

Andryon fand sich etwa Zweitausend Schritt von Zuhause entfernt wieder. Seylara sah sehr traurig aus, und er spürte, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Er selbst hatte auch gespürt, dass soeben etwas außergewöhnliches passiert ist. Es war ein Gefühl, als wenn man nachdem man ein schier ewig langes Kapitel eines riesigen Buches fertiggelesen hatte, und man es dann zuschlug und zur Seite legte.
Seylara sah ihn fragend an, mit Tränen im Gesicht. Andryon spürte, dass sie darauf wartete, dass er sich seinen letzten Wunsch wünsche. Doch irgendetwas in Andryons Kopf schien ihm zu sagen, dass er es lieber sein lassen solle. Da waren auf der einen Seite die Wünsche da, wie zum Beispiel das steinerne Haus, die Ausbildung seiner Tochter, die Erweiterung seines Viehbestandes, und auf der anderen Seite das aus seinem Unterbewusstsein kommende Gefühl, dass er sich lieber nichts wünschen solle. Doch warum? Was in aller Welt spricht dagegen, einen Geschenkten Wunsch in Anspruch zu nehmen? Doch als Andryon wieder in das Gesicht Seylaras schaute, auf dem sich inzwischen Todesangst abzeichnete, entschied sich Andryon: "Seylara, ich entbinde Dich der Pflicht mir noch einen letzten Wunsch zu erfüllen. Gehe in Frieden!" Bei dem Gefühl das er hatte, seinen letzten Wunsch besser nicht auszusprechen, handelte es sich sowieso um Dinge, die für ihn nicht verständlich waren, und so hatte er diese Dinge Seylara überlassen, glaubte er.

Seylaras Stimmung schien sich aufzuhellen, und sie wischte sich wieder einmal die Tränen aus den Augen. "Ich wünsche Dir noch viel Glück in deinem Leben. Du bist ein Guter Mensch. Sorge gut für Deine Familie!" Mit diesen Worten flog sie von dannen.

Andryon machte sich auf den Weg nach Hause. Er mußte viel überlegen. Wie es zu alledem gekommen ist, was sein erster Wunsch war, und warum er sich nun seinen dritten nicht gewünscht hat.

Seylara sah sich noch einmal um, und flog dann in Richtung Sonne. Sie flog mit der traurigen Gewissheit, die letzte ihrer Art zu sein, ohne Heimat und ohne Ziel. Und so flog sie, bis sie Andryon aus den Augen verlor.

Erik der Wikinger

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