Kariya

Kariya fühlte nichts außer einer Eiseskälte. Seine Haut, seine Muskeln und Sehnen, selbst seine Organe waren kalt wie Stein. Was ja genaugenommen auch der Fall war. Als ihn der gegnerische Magier im Kampf berührt hatte, war alles rasend schnell gegangen. In Sekundenbruchteilen verhärtete sich sein Körper, bis er vollends versteinert war. Nichts war bewegungsfähig geblieben, außer seinem Bewußtsein. Er wußte, daß Dalamar, der Elf, die Bemühungen gegen den Zauber aufgegeben hatte. Er wußte auch, daß Serg und Mack die Orklager durchsucht hatten und der Gladiator dabei so ungestüm zu Wege ging, daß er beim Aufbrechen einer magisch gesicherten Schatulle beinahe geröstet worden wäre. Was er nicht wußte war, wie er sich aus dieser mißlichen Lage befreien sollte. Seine Gedanken schweiften ab. Er dachte an seine Jugend in Menzoberranzan, an seinen kleinen Bruder und an seine Flucht. Plötzlich mogelte sich ein Name in seinen Sinn. Lanfear. Die schöne Lanfear. Er wollte nicht an sie denken, da er sie zwar liebte - zumindest glaubte er das - sie aber auch ein wenig fürchtete. Doch der Gedanke war störrisch, er weigerte sich zu verschwinden. Im Gegenteil, Kariya ertappte sich dabei, wie er stärker an sie dachte. Immerhin, sie hatte ihm schon geholfen, als er Hilfe dringend nötig hatte. Doch würde sie auch diesmal kommen? Und was noch viel wichtiger war: was würde sie von ihm für seine Rettung verlangen? Kariya war nicht dumm, er war sich bewußt, daß der Tag kommen würde, an dem er seine Schulden bei Lanfear begleichen würde müssen, und er hatte Angst vor dem Preis. Aber was war die Alternative? Für alle Ewigkeit eine Statue zu sein? Wenn man unsterblich war, konnte die Ewigkeit eine sehr, sehr lange Zeit sein. Er mußte etwas tun, und sei es nur wegen den anderen. Kariyas Gedanken wanderten zu der bunt zusammengewürfelten Truppe, der er sich angeschlossen hatte. Sicher, es war ein wilder Haufen. Nichtsdestotrotz hatte er durch sie das erste Mal in seinem Leben so etwas wie Freundschaft und gegenseitigen Respekt und Beistand kennengelernt, auch wenn vor allem Dalamar ihm nicht so ganz zu trauen schien. Nicht, daß es offensichtlich gewesen wäre. Aber er war Mißtrauen und Feindseligkeit gewöhnt und es machte ihm wenig aus. Er dachte an den Gladiator Serg, dessen verunstaltetes Gesicht von zahllosen Kämpfen und Schlachten berichtete. An Mack McAsh, den Jungen aus dem Norden mit seiner unheimlichen Regenerationsfähigkeit. An die Söldnerin Eliya, deren Familie einst von einem grausamen Baron ausgelöscht worden war und die ihre Dienste jedem feilgeboten hatte, der zu bezahlen bereit gewesen war, bis sie von Serg aufgelesen worden war. Natürlich auch den Krieger Riannon, der von dem letzten Abenteuer mit einem silbernen Hammer an der Rechten angewachsen zurückgekehrt war. Und dann war da noch Dalamar der Elf, der erfahrenste von ihnen. Man konnte nicht sagen, daß Kariya ihn mochte, aber er respektierte seine Klugheit und sein Geschick - wenn man von den rassischen Vorurteilen absah, die Kariya als Dunkelelf hatte. Immerhin waren die Dunkelelfen einst von ihren Artgenossen in die Unterwelt vertrieben worden, was sie ihnen nie verziehen hatten. Sogar für Uther up Lot hatte Kariya etwas übrig, obwohl er den Grund dafür manchmal nicht verstand, da ihm der Barde schon oft auf die Nerven gegangen war. Nein, er würde sie nicht im Stich lassen. Er würde Lanfear’s Hilfe erflehen, egal wie hoch der Preis dafür sein würde. Kariya fokussierte sein ganzes Bewußtsein auf den Namen und das dazugehörige Bild, bis er es vor seinem inneren Auge beinahe sehen konnte. Er spannte seine Nervenenden an, immer schneller raste der Name durch sein Gehirn, bis er glaubte, sein Schädel würde explodieren: „LAAAANFEAAAAARRRR". Danach war es für einen Augenblick still, dann fühlte Kariya, wie sich eine wohlige Wärme in seinem Bewußtsein ausbreitete und er eine vertraute Stimme in seinem Kopf hörte - oder besser fühlte: „Du hast mich gerufen?"
„Ja, Meisterin", dachte Kariya, „ich erflehe Deine Hilfe in meiner Not. Ich bitte Dich, befreie mich von dem Zauber meines Feindes."
„Was kannst Du mir bieten dafür?", fragte ihn die Stimme.
Kariya wußte, sie würde sich diesmal nicht leeren Worten abspeisen lassen. Er zögerte kurz, denn egal was er jetzt sagte, es würde von entscheidender Bedeutung für seine Zukunft sein.
„Ich biete Dir auf ewig meine Dienste, Meisterin", dachte er etwas leiser und betete, es möge so ehrlich klingen, wie es gemeint war. Einen Moment lang vernahm er gar nichts, dann dröhnte die Stimme laut, und es war ihm, als ob sich die Worte in sein Gehirn einbrennen würden: „Bringe mir den Silberhelm", sagte sie und im nächsten Augenblick war die Kälte, die ihn so lange umgeben hatte, verschwunden. Vorsichtig bewegte er erst seine Finger, dann seine Knie und schließlich seinen Kopf. Es funktionierte, er hatte wieder Kontrolle über seine Muskeln, seinen Körper. Mit einem Ruck riß er die Plane, die Mack zum Schutz vor Regen über ihn gelegt hatte, von sich.

Dalamar huschte leise durch die dunklen Gassen von Beregost. Überall bot sich dasselbe grauenvolle Bild: Die Menschen, die sonst die Wege und Gassen mit Leben erfüllten, waren von einem unfaßbar mächtigen Zauber erfaßt worden, der sie in ihrer Bewegung hatte erstarren lassen. Die Magie war so stark, daß sogar die so mächtig scheinende D’aran in seinem Haus außerhalb erfaßt worden war. Kaum einer hatten dem Teufelswerk widerstanden. Um genau zu sein, nur seine Freunde, sowie zwei Wachen, die sich im Turmzimmer aufgehalten hatten. Und langsam glaubte glaubte er auch nicht mehr, noch andere zu finden, nachdem er nun schon einige Stunden Beregost abgesucht hatte. Allerdings war Dalamar nicht sicher, welches Schicksal das gnädigere war. Erstarrt zu sein oder gegen einen Dämon seine verbündeten Orks zu kämpfen. Zwar hatten sie die Orks und den Dämonenbeschwörer töten und das Unwesen selbst vertreiben können, aber zu welchem Preis? Serg und Mack waren schwer verwundet und dem Tode näher als dem Leben. Und Eliya war dem Magier, der das Grauen aus der Schattenwelt befehligte, im Kampf der geistigen Kräfte unterlegen und befand sich seitdem in einem katatonischen Zustand. Kariya schließlich war in Stein verwandelt worden und der Zauber war so stark, daß selbst Dalamar, der recht große Stücke auf seine Zauberkunst hielt, nichts dagegen zu tun vermochte. Eine düstere Vorahnung befiel ihn. Was, wenn sich das etwas weiter entfernte Orklager der Roten Hand jetzt zu einem Angriff entschließen sollte? Burg und Stadt waren so gut wie unbewacht und selbst mit so guten wie erfahrenen Streitern wie einem unverletzten und erholten Serg würden sie einem entschlossenen Angriff nicht lange standhalten können. Still verfluchte er erneut die Nachlässigkeit, mit der Burgherr Otik dem Problem begegnet war. Es war gut und schön, mit List und Tücke einen militärischen Schlag gegen die Orks zu planen, aber hatte denn niemand daran gedacht, daß ein Angriff auch magischer Natur hätte sein können? Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wohin Beregost’s magische Elite, die Roben, verschwunden waren, jetzt wo man sie brauchte.
Als er sich umsah, merkte er, daß er unbewußt zum Marktplatz gegangen war. Plötzlich sah er aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Reflexartig wirbelte er herum und riß mit einer geschmeidigen Bewegung sein Schwert aus der Scheide. Aus einem nahen Haus donnerte eine unsichere Stimme auf elfisch: „Verdammt noch mal, was geht hier vor?"
Die Stimme klang viel zu verwirrt um gefährlich zu sein, daher ließ Dalamar sein Schwert etwas sinken und bewegte sich auf den Eingang zu. Bevor er diesen betreten konnte, taumelte ihm eine Person mit spitzen Ohren und heller Haut entgegen, unverkennbar ein Elf. Er war gewandet in einen dunkelgrünen Wams mit einem Kurzschwert am Gürtel, trug ein Stirnband aus Leder einen Bogen am Rücken. Sieht wie ein Waldläufer aus, dachte Dalamar und winkte ihm zu: „Heda, Freund!."
Der andere sah ihn einen Moment lang mißtrauisch an, dann dachte er wohl, daß es kaum schlimmer kommen könnte und ging auf ihn zu: „Habt Ihr eine Ahnung, was hier vor sich geht? Ich bin gerade erwacht und als auf mein Rufen niemand reagiererte, ging ich nach unten, wo ich alle Leute zu Säulen erstarrt vorfand."
In wenigen Worten unterrichtete Dalamar ihn von dem Zauber, den außerhalb gelegenen Orklagern und der Dämonenbeschwörung. Der andere Elf hörte aufmerksam zu, ohne eine Miene zu verziehen. Offensichtlich hatte dieser Mann auch schon einiges erlebt.
„Ihr kommt besser mit mir, alleine ist es hier zu gefährlich." sagte Dalamar, als er mit seinen Erzählung geendet hatte. Schließlich stellte er sich noch selbst vor und fragte den anderen nach seinem Namen.
„Mein Name ist Elric und ich wäre froh, wenn ich nie einen Fuß in diese verdammte Stadt gesetzt hätte, aber ich brauchte Proviant und vor allem ein Bad. Wohin wollt Ihr Euch wenden? Ist mir gleich, solange ich nicht alleine zwischen diesen Statuen bleiben muß. Laßt uns gehen."
Dalamar beschloß, vor die Stadt zu gehen und nach den anderen zu sehen. Hier konnten sie im Moment ohnehin nichts ausrichten. Vielleicht sollte er draußen noch einmal versuchen, gegen Kariyas Versteinerung anzugehen oder die Wunden Sergs oder Macks behandeln. Sie wandten sich um und verließen den Marktplatz.

Serg lag auf einer notdürftig zusammengezimmerten Bahre inmitten eines Schlachtfeldes aus abgeschlagenen Körperteilen und toten Orks. Das inzwischen getrocknete Blut, das in Strömen während der Schlacht geflossen war, hatte dem Gras eine schimmernd braune Patina verliehen, die Serg mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination betrachtete. Sein Atem ging rasselnd und bei jeder Bewegung wurde sein Körper von brennendem Schmerz durchzogen. Diese Orks waren keine richtigen Gegner, dachte er. Sie wagten sich nur an ihre Feinde, wenn sie ihnen zahlenmäßig weit überlegen waren und selbst dann brachen sie schnell in Panik aus, wenn zäher Widerstand geleistet wurde. Der Dämon und sein Herr, ja, das waren Gegner, wie er sie bevorzugte. Fanatisch und rücksichtslos sich selbst gegenüber, bis zur eigenen Vernichtung. Unwillkürlich mußte Serg grinsen, als er sich erinnerte, wie er trotz vieler klaffender Wunden und der Bewußtlosigkeit nahe mit letzter Kraft dem fliehenden Magier die Axt nachgeschleudert hatte. Schon als sie seine Hand verlassen hatte, hatte er gewußt, daß sie ihr Ziel finden würde. Wie in Zeitlupe sah er die scharfe Klinge durch die Luft sausen, bis sie den Fliehenden erreicht hatte und ihm mit einem dumpfen Schlag in den Rücken fuhr. Der Mann wurde von der Wucht des Einschlags wie Spielzeug nach vorne geschleudert und war sechs oder sieben Meter von ihm entfernt regungslos liegen geblieben. Blut war träge aus der tiefen Wunde, die die Axt geschlagen hatte, gesickert. Danach hatte sich Serg langsam vom Boden erhoben und nach den anderen gesehen. Man hatte ihnen ziemlich zugesetzt, aber wenigstens waren sie noch am Leben. Was allerdings den versteinerten Kariya anbelangte......Serg haßte Magie und ihre Anwender von tiefstem Herzen und fand sich angesichts Kariyas Zustand darin bestätigt. Elendes Teufelswerk. Wenn nicht einmal Dalamar diesen Zauber brechen konnte, wie sollte dann jemals.....
Just in diesem Moment warf Kariya die Decke von sich und schüttelte seine Glieder. Serg und der nahe bei ihm stehende Mack erschraken ein wenig ob dieser unvermittelten Bewegung und musterten Kariya ungläubig. Der Dunkelelf brachte ein schiefes Grinsen zustande und sagte: „Was ist los, noch nie einen Dunkelelf gesehen, der eine Versteinerung abwirft?" Dann deutete er mit dem Finger auf Mack: „Haben sich Deine Wunden schon wieder von selbst geschlossen?"
Mack zuckte bei dieser Bemerkung zusammen. Er konnte nicht verstehen, wie ihm geschah, er wußte lediglich, daß sich seine Wunden über Nacht wie von selbst schließen konnten und er keinen Alkohol mehr vertrug. Die unheimliche D’aran hatte vorletzte Nacht Wortfetzen wie ‘Krieger’, und ‘Tod’ gestammelt, woraus er geschlossen hatte, daß er tot war und von etwas am Leben gehalten wurde, daß ihm in die Brust eingepflanzt war - wovon auch die kreuzförmige Narbe Zeugnis trug, die seine Brust zierte.
„Seht mal, da kommt Dalamar. Er hat jemanden bei sich" sagte er, ohne auf Kariyas Bemerkung einzugehen. Nun wandten sich auch die anderen Anwesenden um. Die Verwandlung hatte nicht nur negative Seiten, schoß Kariya durch den Kopf, als er Dalamar näherkommen sah. Der Elf hatte eine Aura von Kraft und Autorität um sich, wie er es noch nie bei jemandem erlebt hatte, ob nun Mensch oder Elf oder sonst ein Wesen. Dann richtete sich sein Blick auf Dalamars Begleiter. Noch ein Elf. Kariya schüttelte den Kopf und lächelte. Muß irgendwo ein Nest davon geben. Schon machte er sich innerlich gefaßt auf den Ausdruck leisen Abscheus, den die meisten Elfen zur Schau stellten sobald sie ihn sahen. Aber nichts dergleichen geschah. Entweder, mutmaßte er, hatte dieser Elf noch nie einen Dunkelelfen gesehen oder - was wahrscheinlicher erschien - die Geschehnisse in und um Beregost nahmen seine ganze Aufmerksamkeit ein, so daß er sich um derlei Nebensächlichkeiten im Moment nicht scherte. Dalamar stellte die Anwesenden einander vor, dann setzten sie sich ins kühle Gras, etwas abseits vom Kampfplatz und Dalamar begann mit dem Bericht vom Inneren der Burg:
„Es sieht dort genauso aus wie hier. Alle erstarrt. Nur zwei Wachen sind noch bewegungsfähig, und", wobei er Elric mit einem Nicken bedachte, „dieser Waldläufer hier. Sogar Otik hat’s erwischt, mitten in einer Beratung. Bei ihm stehen zwei Berater, wovon ich einen nicht kenne, anscheinend der geheimnisvolle Neue. Aber ich habe einiges Interessantes gefunden."
Er griff in seinen Rucksack und holte detaillierte Karten von Beregost und Umgebung vor, die vol von Pfeilen und Symbolen waren. Es seien Schlachtpläne, erläuterte er. „Otik hat, so scheint es, seinen Friedenswillen mit den Orks nur vorgetäuscht und einen vernichtenden Angriff geplant. Sehr ihr, hier und hier sind größere Einheiten postiert, die sich dann dort vereinigen und gemeinsam losschlagen sollen." Er deutete auf einen Punkt auf der Karte, etwa einen halben Tagesmarsch vom größten der Orklager entfernt.
„Nun, scheinbar waren die Orks nicht so dumm, wie Otik annahm", erwiderte Serg, während er die Pläne studierte. „Immerhin ist Beregost im Moment sozusagen eine offene Stadt."
„Das Beste - oder das Seltsamste, wie man will - kommt noch. Zufällig bin ich in eine der Diplomatensuiten eingedrungen, ihr wißt schon, wo. Dabei habe ich einen Dunkelelf gefunden. Auch erstarrt." Er sprach das Wort ‘Dunkelelf’ mit einem kaum zu überhörenden Mißfallen aus, was Kariya mit einem finsteren Blick bestrafte. „Als ich mich ihm genähert habe, habe ich versehentlich...."
„Versehentlich?" schnaubte Kariya.
„....habe ich versehentlich einen Teil seiner Hand abgebrochen. Es war irgendwas Unheimliches darunter, etwas unmenschliches. Also habe ich die Hülle weiter aufgebrochen, was nicht schwierig war. Etwas kam darunter zum Vorschein. Klein, menschenähnlich und pechschwarz. Ich habe keine Ahnung, was, aber ein Dunkelelf war es nicht, es hat sich vielmehr wie eine Haut den Dunkelelfen übergestreift. Mittels „Erkennen des Wesens der Dinge" habe ich festgestellt, daß dieses Ding eine tiefböse Ausstrahlung hat und es sofort getötet."
„Wie denn?" wollte Mack wissen.
„Ich hab’s zuerst zerstückelt und dann im Kamin abgefackelt."
„Tolle Leistung, Superelf", meinte Kariya. „Vielleicht hätte uns das Ding noch Informationen geben können."
„Ich habe getan, was nötig war", erwiderte Dalamar kalt. „Einer weniger, der uns schaden kann. Unterbrich mich nicht ständig! Wo war ich stehengeblieben. Ah ja, dieses Ding war gerade mit Briefeschreiben beschäftigt. Und das ist der Brief. Leider kann ich ihn nicht lesen, ist wohl dunkelelfisch."
Kaum hatte er das Papier hervorgeholt, wurde es ihm auch schon von Kariya aus der Hand gerissen. Er überflog die Zeilen kurz, dann runzelte er die Stirn und sagte: „Ist dunkelelfisch. Aber ein seltener Dialekt und noch dazu eine saumäßige Handschrift. Ich kann nicht alles lesen."
Der Brief war an eine nicht näher bezeichnete Person gerichtet und handelte von den Entführten, Uther und Riannon. Beide sollten sie zu einer gewissen Zeit zu einem gewissen Ort gebracht werden, möglicherweise zum Marktplatz (hier war er nicht ganz sicher), ansonsten würde der Empfänger des Briefes den „Zorn spüren". Kurz erwähnt wurde noch, daß Otik ein Dummkopf sein, dessen Vertrauen zu leicht zu gewinnen gewsen sei.
„Damit ist wohl erwiesen, daß die Orks von Otiks Plänen erfahren haben und ihm zuvorgekommen sind." rief Kariya, als er den Brief absetzte.
Mack schüttelte den Kopf: „Wieso sind dann zwei der drei inneren Orklager ebenfalls von dem Zauber betroffen? Außerdem sind Orks nicht helle genug für solch ausgefeilten Pläne. Nein, ich denke, sie werden geleitet, nur von wem?"
Dalamar grinste süffisant: „Dunkelelfen vielleicht? Denkt an den Anschlag in der Gasse."
„Möglich wär’s", schaltete sich Eliya ein. „immerhin wäre es für einen Menschen nicht möglich gewesen, durch den schmalen Spalt in der Mauer zu entkommen. Ein Dunkelelf hätte das geschafft."
Kariya mußte sich widerwillig eingestehen, daß viele Dunkelelfen tatsächlich übler Gesinnung waren. War nicht er selbst aus Menzoberranzan geflohen, weil er die ständigen bösen Intrigen, der auch seine Familie zum Opfer gefallen war, nicht mehr ertragen hatte? Und hatte er nicht immer gefühlt, daß man ihm nie verzeihen würde, daß er seinem Volk den Rücken gekehrt hatte? Der Anschlag in der Gasse hatte ihm gegolten, dessen war er sich sicher. Aber warum einen hinterhältigen Überfall planen, wenn man kurz danach mit solcherart mächtiger Magie angriff?
„Es steckt noch mehr dahinter", sagte er schließlich. „Irgend jemand oder irgend etwas will Beregost mit aller Macht ans Leder. Die Tatsache, daß wir in der Stadt sind, erhöht zwar den Reiz, aber in erster Linie geht es um Beregost. Wir müssen mehr herausfinden. Laßt uns zum Marktplatz gehen."
Alle stimmten zu und erhoben sich, wobei Elric und Eliya die Trage mit dem bewegungsunfähigen Serg mit sich nahmen.

Es war gespenstisch. Kein Laut war zu hören, nur die eigenen Schritte, die auf den Pflastersteinen klackten und von den Mauern widerhallten. Sie verloren keine Zeit, sondern begannen sofort mit der Inspektion des Marktplatzes. Sie durchsuchten sämtliche Buden und Stände sowie die angrenzenden Häuser und Stallungen, konnten jedoch nichts Besonderes finden. Hatte der Verfasser des Briefes wirklich den Marktplatz gemeint? Mack ergriff schließlich das Wort: „Ich möchte mir das Beratungszimmer noch einmal ansehen. Vielleicht hat Dalamar etwas übersehen."
Die anderen waren einverstanden, Serg aber zog es vor, sich im nahegelegenen Gasthaus ein wenig auszuruhen. Eliya begleitete ihn. Der Rest begab sich in den Strategiesaal. Die vor der Tür postierten Wachen ließen sie ohne Protest ziehen, im Gegenteil, es schien, als hätten die beiden nun sämtliche Hoffnungen in diese Ansammlung verwegener Gestalten gesetzt. Innen war alles noch so, wie Dalamar es in Erinnerung hatte: Otik, ein vierschrötiger, bulliger Mann mit schwarzen Haaren, saß eingehüllt in einen Kettenpanzer vor einem massiven Schreibtisch. Sein Gesichtsausdruck war zweifelnd, und es schien, als lausche er aufmerksam den Worten der beiden neben ihm stehenden Männer, die mit ihren Fingern auf imaginäre Karten deuteten. Der eine trug die Uniform eines Hauptmanns der Garde. Der andere war gekleidet wie ein Edelmann aus dem Norden und war ihnen völlig unbekannt. Das Zimmer war rasch durchsucht und eben schickten sie sich an zu gehen, als Mack triumphierend durch die Zähne pfiff. „Na sieh mal einer an. So einen Ring habe ich schon einmal gesehen.", sagte er und zog einen schmucklosen kleinen Silberring aus der Innentasche des Fremden. Wenige Sekunden später hielt er in der anderen Hand einen identischen zweiten Ring in die Höhe.
„Den habe ich im Orklager der roten Hand einem Dunkelelfen vom Finger geschnitten. Der hier sieht genauso aus."
Kariya nahm einen der beiden Ringe in die Hand. Er war sehr leicht, wirkte nicht wie Silber oder ein anderes Edelmetall. Plötzlich war es ihm, als ob er Macks Stimme in seinem Kopf vernahm. Er runzelte die Stirn und überlegte, dann steckte er den Ring ein und verließ den Raum. Vor der Tür lauschte er angestrengt ob er die Stimmen noch zu hören vermochte, doch mehr als ein leises Raunen hörte er nicht. Er zog den Ring aus der Tasche und mit einemmal verstand er alles, was die anderen sprachen. Es war fast, als ob er neben ihnen stünde. Er öffnete wieder die Tür nach drinnen und sagte: „Die beiden Ringe geben zusammen eine Sende- und Empfangsstation. Damit konnte der Dunkelelf im Orklager alles hören, was hier besprochen wurde." Schnell hatte er die Funktionsweise der Ringe erklärt. Mack grinste, hatte er doch wieder einmal seine Beobachtungsgabe und seinen scharfen Verstand unter Beweis gestellt. Dann riefen sie die Wachen und befahlen, den Edelmann zu fesseln, Mund und Augen zu verbinden und scharf zu bewachen.
Die beiden Wachen taten wie ihnen geheißen, und Dalamar und die anderen verließen wieder den Raum und begaben sich ins Gasthaus zu Serg. Mack bemerkte das frische Blut auf ihrem Kettenpanzer sah Eliya an: „Alles in Ordnung?". Eliya nickte und erzählte, daß sie, kurz nachdem die anderen weg waren, merkwürdige Geräusche von draußen gehört hatte. Es hatte sich angehört wie ein häßliches Sirren, gefolgt von einem unheimlichen Gelächter. Sie wollte der Sache auf den Grund zu gehen und war dem Summen gefolgt, was schnell identifiziert war. Irgendjemand trennte den erstarrten Menschen draußen die Köpfe ab. Gerade als sie zu Serg zurückkehren wollte, wurde sie selbst aus dem Dunkel heraus attackiert. Sie setzte sich zur Wehr, und dank ihrer geschulten Sinne den Angreifer mit zwei Schwertstreichen niedergestreckt. Flugs hatte sie mit einer nahen Laterne Licht gemacht, den toten Ork durchsucht, danach die Leiche beseitigt und war wieder ins Gasthaus zurückgekehrt.
Elric öffnete ein Faß Bier, schenkte sich und den anderen ein und setzte sich: „Was geht hier nur vor? Kommen sie jetzt doch, sich ihre Beute zu holen? Aber warum dann nur einer? Oder war das nur die Vorhut? Auf jeden Fall war es gut von dir, die Leiche zu verstecken."
Eliya wandte sich an Serg: „Ihr habt doch noch etwas bei diesem Dunkelelfen gefunden, stimmt’s? Diese Schatulle, an der du dir die Finger verbrannt hast." Mack nickte und holte eine hölzerne, etwas mehr als handgroße Schatulle aus seinem Rucksack. Sie hatte kein sichtbares Schloß, sondern schien nur zugeklappt zu sein. Mack war trotzdem sehr behutsam, denn er wußte, daß der Schein trügte. Schließlich hatte Serg beim Versuch, sie zu öffnen, einen Feuerball abbekommen, was bedeutete, daß die Schatulle magisch gesichert war. Und es ließ sich nie sagen, ob solche Mechanismen nach nur einer Entladung ausgebrannt waren oder ob es der einzige Schutz gegen unbefugtes Öffnen war. Doch vielleicht hatte er eine Idee, wie sie gefahrlos geöffnet werden konnte. Er erhob sich, sagte den anderen, daß er bald zurück sei und ging durch das Haupttor nach in das nahe Wäldchen. Er legte die Schatulle vorsichtig in das weiche Moos, befestigte am Deckel eine kleine, stabile Schnur und ging, immer sachte nachgebend, rückwärts zum nächsten erreichbaren Baum. Dort warf er die Schnur über einen tiefliegenden Ast, ging dann hinter dem dicken Stamm in Deckung und zog einmal heftig an. Der Deckel leistete keinen Widerstand, auch eine magische Entladung war weder zu hören noch zu sehen. Vorsichtig lugte er um den Stamm: die Schatulle lag offen auf dem Waldboden. Da er noch nichts erkennen konnte, bewegte er sich langsam darauf zu, stets auf ein schnelles Ausweichen gefaßt. Schließlich hatte er die offene Schatulle erreicht und sah hinein. Den prächtigen, juwelenbesetzten Dolch steckte er sofort ein. Außerdem fand er noch eine detailgetreue Karte der Burg Beregost mit all ihren Häusern. Um sicherzugehen, daß er kein eventuelles Geheimfach übersehen hatte, zerschmetterte er die Schatulle am nächststehenden Baum und begab sich dann wieder ins Gasthaus.
Die anderen hatten zwischenzeitlich ihre Beratungen aufgegeben und warteten gespannt auf seine Rückkehr. Stolz präsentierte Mack den wertvollen Dolch und die Karten. Fasziniert starrten alle auf die edle Waffe, lediglich Kariya hielt sich etwas abseits. Der Dolch trug das Siegel des Hauses Baenrae, der führenden Familie aus Menzoberranzan, berüchtigt für ihre Grausamkeit.
„Nun", meinte Mack „eins ist sicher. Die Orks planten, Beregost zu erobern. Anscheinend rechneten sie mit erbittertem Widerstand oder sogar mit Häuserkampf. Warum sonst hätten sie solche Karten benötigt. Ich denke mir, daß.....VORSICHT". Aus dem Augenwinkel hatte er gesehen, daß sich der Schmuckdolch wie von Geisterhand vom Tisch erhoben hatte und sich auf Kariyas Rücken zubewegte. Kariya konnte rechtzeitig aufspringen und ausweichen, doch auch der Dolch hatte sich ein neues Ziel gesucht. Diesmal visierte er Eliya an, die aber bereits gewarnt war und sich ducken konnte. Erneut drehte sich der Dolch, fast schien es, als ob er sich überlegte, wen er als nächstes aufs Korn nehmen sollte. Er entschied sich für Elric und raste auf ihn zu. Im letzten Moment sprang der Elf zur Seite und hechtete über den Schanktisch. Jetzt war Dalamar an der Reihe, der Dolch, der mittlerweile deutlich an Geschwindigkeit gewonnen hatte, zischte durch die Luft. Dalamar war schnell, doch nicht schnell genug. Zwar glitt der Dolch um Haaresbreite an ihm vorbei, doch die Messerspitze ritzte den Handschuh und die darunterliegende Handfläche auf. Einige Tropfen Blut quollen aus der Wunde. Der Dolch sauste noch einige Meter weiter und fiel dann klappernd zu Boden. Die Anwesenden rappelten sich auf. Kariya sog zischend Luft durch die Zähne, als er zuerst den Dolch und dann Dalamars Hand betrachtete: „Er wollte Blut kosten. Das hat er nun getan, wir dürften für einige Zeit sicher sein. Trotzdem sollten wir das Ding nicht mehr aus den Augen lassen." Dann sah er nach draußen und grinste süffisant: „Ach Dalamar, draußen geht langsam die Sonne auf. Vielleicht solltest du dir ein schattiges Plätzchen suchen."
In der Tat, es dämmerte, und am Firmament zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen. Dalamar bezweifelte, es noch zurück zu seiner Hütte zu schaffen, daher beschloß er, im fensterlosen Nebenraum des Gasthauses zu schlafen. Mack drückte ihm einen der beiden Senderinge in die Hand und meinte: „Nur für alle Fälle. Wir bleiben hier draußen." Die anderen fanden, daß es ebenfalls Zeit für eine Pause war. Immerhin waren sie seit nahezu vierzehn Stunden auf den Beinen, von dem Kampf unlängst ganz abgesehen. Da sie sich nicht trennen wollten, machten sie es sich, so gut es eben ging, in dem Schankraum des Gasthauses bequem. Es war zwar ungewohnt für die meisten von ihnen, des Tags zu schlafen, aber sie waren erschöpft genug, um müde zu sein und einer nach dem anderen glitt in einen sanften, traumlosen Schlaf.

Eliya schreckte hoch. Ihr war heiß, und als sie ihren Körper befühlte, merkte sie, daß sie schweißgebadet war. Wie lange hatte sie geschlafen? Sie wußte es nicht genau, der Dunkelheit zu urteilen nach hatten sie den ganzen Tag verschlafen. Nach wenigen Sekunden hatten sich ihre Augen an das matte Licht gewöhnt, das unruhig von draußen her hereinfiel. Von draußen? Wie ein Blitz durchfuhr es ihren Verstand, es konnte von draußen kein Licht hereinfallen, es war Nacht. Sie ging zum Fenster, warf einen Blick nach draußen und erschrak. Ein Scheiterhaufen war vor der Tür aufgeschichtet worden und die Flammen hatten bereits seitlich auf das Gebäude übergegriffen. Wie dumm sie gewesen waren, keine Wachen einzuteilen. Sie verlor keine Zeit und weckte die anderen, die einen Sekundenbruchteil etwas benommen schienen, aber dann gewannen ihre durch unzählige Kämpfe und Gefahren geschulten Sinne die Oberhand. Schnell und beinahe lautlos liefen sie in den Nebenraum und dort zur Hintertür. Eliya und Elric trugen Serg, Dalamar führte sie an. Als der Elf die Tür aufriß, schlug ihm glühende Luft entgegen. Dalamar schützte die Augen vor der Helligkeit und sah, daß ein fast einen Meter hoher Stapel brennendes Holz vor der Tür lag. Die Flammen leckten gierig über das Pflaster, als ob sie sich darauf freuten, Fleisch zu kosten.
„Verdammt", rief Mack, „hier haben sie auch Feuer gelegt. Wir müssen hier raus, sonst werden wir gegrillt."
„Geht zur Seite"; rief Kariya, der einen kleinen roten Stein in der Hand hielt „ich mach den Weg frei."
Er murmelte einige Worte, dann verwandelte sich der Stein in seiner Hand in eine orangerote Kugel, die sich in seiner Handfläche drehte. Er deutete in die Richtung des Scheiterhaufens, die Kugel setzte sich in Bewegung und gleichzeitig warfen sie die anderen in Deckung. Keinen Augenblick zu früh, denn kaum hatte die Kugel den Holzstapel erreicht, gab es eine ohrenbetäubende Explosion und das brennende Holz flog in alle Richtungen davon. Zwar brannte es immer noch, aber zumindest hatte der Feuerball eine akzeptable Gasse freigesprengt. Mack setzte zum Spurt an, hielt jedoch im letzten Moment inne. Er spähte durch das Feuer und den Rauch und was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Draußen stand eine Batterie Ork-Bogenschützen, mindestens zwanzig, die Bögen im Anschlag.
„Was machen wir jetzt?" rief Elric.
„Hier können wir nicht bleiben, und ich werde lieber von Pfeilen durchlöchert, als bei lebendigem Leib geröstet", versetzte Dalamar entschlossen, der schon sein Schwert in der Hand hatte und im nächsten Augenblick hinaus auf die Straße sprang.
„Er hat recht. Eliya, Elric, bleibt mit Serg hinter mir. Ich schütze euch mit meinem Schild", brüllte Mack, der bereits seine Axt gezogen hatte und zur Tür ging. Eliya und Elric folgten ihm, nur Kariya zögerte. Sollte er auch noch durch diese Tür gehen und eine Zielscheibe bieten? Dann können sie ja wirklich nicht mehr vorbeischießen, murmelte er und wandte sich um. Es mußte noch einen anderen Ausweg geben. Was ist hinter dieser Tür? Er legte die Hand darauf, um festzustellen, ob hier auch Feuer gelegt wurde. Sie war kalt. Er öffnete sie rasch und als er gesehen hatte, was er sehen wollte, lief er hinein. Das Fenster ging wahrscheinlich zu einer Seitenstraße hinaus. Sobald er hier raus war, würde er die Flanke der Orks angreifen und so seine Freunde unterstützen...

Die Orks waren von Dalamars Schnelligkeit überrascht worden. Nie hätten sie damit damit gerechnet, daß es jemand wagen würde, sie durch das Feuer hindurch anzugreifen. Zur Hölle, sie hatten es so gut geplant. Die verfluchte Frau, es war ihre Schuld. Sie war zu früh aufgewacht und hatte die anderen gewarnt. Und dann war auch noch das elende Feuer explodiert. Zwar hatten alle ihre Bögen im Anschlag gehabt, doch dieser Elf war so flink, daß die erste überhastete Salve fehlging, und bevor sie einen neuen Pfeil hatten einlegen können, hatte er sie erreicht und den ersten von ihnen mit einem Hieb seines Schwertes niedergestreckt. Zeitgleich hatte Dalamar den Ernst der Lage erkannt. Nicht nur vor dem Haus waren Feinde, nein, auch links und rechts war der Fluchtweg versperrt. Nun gut, dachte er grimmig, wenigstens ein paar werde ich mitnehmen können......

Mack konnte nicht so schnell wie Dalamar aus dem Haus hasten, da er mit seinem Schild Elric und Eliya Deckung geben mußte. Auch er sah nun die anderen Bogner, die beiderseits die Straße säumten. Diese hatten sich von ihrer Überraschung erholt, nun, da sie ein neues Ziel vor Augen hatten. Schnell legten sie neue Pfeile auf ihre Sehnen, und als Mack außerhalb des Türrahmens war, flog ein Hagel von Pfeilen heran. Wegen der Flammen hatten die Orks nicht richtig zielen können, daher gingen die meisten fehl, einer jedoch riß ihm den Schild aus den Händen und ein zweiter bohrte sich tief in seinen linken Oberschenkel. Er schrie auf und ging für einen Augenblick in die Knie, doch er wußte, wenn er jetzt nicht schnell handelte, würden sie ein Nadelkissen aus ihm machen. Er ignorierte den Schmerz, zwang sich aufzustehen und rannte dann so schnell er konnte zu Dalamar, der bereits im Nahkampf war. Sie werden es nicht wagen, auf uns zu schießen, wenn ihre Leute so nahe bei uns stehen, dachte Mack und stürmte mit wildem Kriegsgeschrei auf einen Ork zu, der ihn erschrocken ansah.

Elric hatte die Situation blitzschnell erfaßt. Mit Serg auf der Trage waren sie zu langsam, um den Pfeilen zu entkommen, zumal ihr Schild nicht mehr da war. Ihnen blieb nur der Rückzug. Er drückte Eliya zurück ins Haus und deutete zur Tür, wo sie zuerst hergekommen waren: „Wir müssen Serg in den Keller bringen, dort ist er vor dem Feuer sicher." Eliya nickte und sie rannten zurück in den Schankraum. Kaum hatten sie diesen betreten, sahen sie sich drei Orks gegenüber, die sofort ihre Waffen zogen.

Kariya öffnete vorsichtig das Fenster und spähte hinaus. Es war tatsächlich eine Seitengasse, und zu seiner Rechten konnte er einige Orks sehen, die Pfeil auf Pfeil von ihren Sehnen schnellen ließen. Sie werden sich bestimmt über eine heiße Überraschung freuen, dachte er und öffnete ein kleines Säckchen an seinem Gürtel. Wieder holte er einen der roten Steine hervor und ließ einen Feuerball in seiner Hand entstehen. Gerade wollte er ihn auf die Bogenschützen entsenden, da hörte er Waffenklirren aus der entgegengesetzten Richtung.

Macks Strategie war nicht aufgegangen. Scheinbar galt ein Orkleben nicht einmal unter Orks viel, denn nach einigen Momenten des Überlegens schossen sie weiter. Glücklicherweise waren die meisten miserable Schützen, denn nur allzuoft sausten Geschosse an seinen Ohren vorbei und trafen Häuserwände oder sogar einen seiner Kontrahenten. Dennoch wurde die Situation langsam heikel, denn die Orks dachten gar nicht daran, sich abschlachten zu lassen, sondern brachen aus dem Getümmel aus, um zu ihren Kameraden zu gelangen, wo sie wieder aus sicherer Entfernung schießen könnten. Er mußte unbedingt Deckung finden. Etwas weiter hinten erspähte er eine Tür. Er mußte es schaffen und drängte seinen Gegner entschlossen zurück.

Fast gleichzeitig ließen Elric und Eliya die Trage los und zogen ihre Schwerter. Serg krachte zu Boden, stöhnte leise und rollte sich dann in Deckung. Zwei der Orks gingen auf Eliya los, und sein erster Hieb riß ihr den Buckler aus der Hand, der zweite verfehlte sie nur knapp. Der dritte griff Elric an, der zwar die wütenden Schläge seines Feindes parieren, selbst aber auch keinen entscheidenden Treffer landen konnte. Unterdessen brannte bereits teilweise die Einrichtung des Gasthauses, und der beißende Qualm brannte in ihren Augen. Sie waren entschlossen, nicht zu weichen, aber wie lange würden sie sich noch halten können?

Kariya sah in der andere Richtung auch Orks stehen. Er fluchte laut und jagte den Feuerball dorthin. Zu langsam, die Orks wichen spielend aus. Da hörte er Kampfeslärm aus dem Schankraum. Er wandte sich um, um seinen Kamerade zu Hilfe zu eilen, als das Fenster zerbarst. Ein Ork war hereingesprungenund rollte sich gerade elegant ab, doch bevor er auf die Füße kam, durchtrennte ein Hieb von Kariyas Silberschwert sein Halsschlagader. Blut spritzte und der Ork brach röchelnd zusammen. Kariya spuckte auf den Leichnam und warf sich auf zwei weitere der Monster, die hinter ihrem Kameraden durch das Fenster gestiegen waren.

Mack hatte seinen Gegner soweit zurückgedrängt, daß dieser mit dem Rücken zur Tür stand. Nun sprang er ihn an und legte sein ganzes Körpergewicht in diesen Angriff. Mack hörte einige Rippen brechen, als der Ork gegen gegen die Tür prallte, und versetzte dem beinahe Bewußtlosen noch einen Hieb mit seiner Axt, als dieser ihm entgegenfiel. Dann trat er ein und atmete tief durch. In der Dunkelheit konnte er nicht erkennen, zu welchem Zweck das Haus diente. Alles war er sah, war der matte Lichtschein, der durch das Fenster am anderen Ende drang. Ohne zu zögern durchquerte er den Raum und sah hindurch - zu Dalamar, der wie ein Besessener focht. Nachdem er die erste Reihe niedergemacht hatte, hatte er Kurs auf diejenigen genommen, die rechterhand standen. Viele waren unter seinen erbitterten Schlägen gefallen, doch langsam aber sicher erlahmten seine Kräfte, und es waren noch so viele Feinde am Leben. Er blutete bereits aus vielen kleinen Wunden und aus seiner rechten Schulter ragte der Schaft eines Pfeiles. Mack öffnete das Fenster und wollte sich auf die ihm nächststehenden Orks stürzen. Ein paar von euch nehme ich noch mit, dachte er, als er hinaussprang. Da hörte er aus heiterem Himmel hörte er ein markerschütterndes Gebrüll, das den Boden zum Beben brachte. Für einen Moment hielten die Kämpfenden inne und starrten fassungslos auf die wilde Masse von schwerbewaffneten Menschen, die die Straße hinaufgestürmt kam. Die Orks sahen sich einen Augenblick lang konsterniert um und ergriffen dann Hals über Kopf die Flucht.

Auch die Kämpfer im Gasthaus hörten den Lärm. Eliya nützte den Moment der Verwirrung aus und tötete den letzten ihrer Gegner mit einem gezielten Schwertstreich. Dann half sie Serg auf die Beine und trug ihn zusammen mit Elric zur Tür. Auch Kariya kam dazu, nachdem er dem letzten seiner Kontrahenten den Garaus gemacht hatte.

Serg hatte das Getöse als erster richtig gedeutet. Es waren die Mitglieder seiner Gladiatorenschule, die da wie eine Flutwelle über die Orks herfiel. Offensichtlich hatten sie ihren Ausbilder vermißt und waren auf der Suche nach ihm schließlich hier angelangt und ihnen zu Hilfe geeilt. Keinen Augenblick zu früh, wie Serg feststellte, als er, gestützt von Eliya und Elric, nach draußen trat, denn gleich hinter ihnen stürzte der Dachbalken des Hauses ein. Er sah sich seine Freunde an: Alle hatten rußgeschwärzte Gesichter, vom Rauch geschwollene Augen und bluteten aus verschiedenen Wunden. Wenige Minuten später hatten sich auch Dalamar und Mack zu ihnen gesellt, beide nicht minder erschöpft. Von ihren Waffen tropfte Orkblut.

„Das war im richtigen Moment", keuchte Mack „lange hätten wir’s nicht mehr gemacht". Elric stimmte hustend zu. „Ich hoffe, sie haben daran gedacht, die Tore zuzumachen", sagte Dalamar. „Wäre ungut, wenn einer entkommt und den anderen berichtet, daß wir noch nicht ganz wehrlos so sind, wie sie annehmen."

„Keine Sorge", erschallte eine tiefe Stimme hinter ihnen. „Von dem Ungeziefer entwischt uns keiner". Die Stimme gehörte einem hünenhaften Mann mit wettergegerbtem Gesicht und schwarzen Haaren, der einen Dreizack und ein Netz in der Hand hielt und sich gleich mit sorgenvollem Gesicht Serg zuwandte, der jedoch abwinkte und stattdessen befahl: „Holt lieber ein paar Fässer aus dem Weinkeller und laßt uns ein wenig feiern." Trotz des Unheils, das sich wie ein schwerer Mantel um Beregost gelegt hatte, beschlossen die anderen, sich auch ein paar Schlucke zu genehmigen, sei es auch nur, um die Sorgen vor dem nächsten Tag ein wenig zu ertränken. Die Gladiatoren selbst waren ihrer Natur gemäß etwas maßloser und einer nach dem anderen fiel in rauschhaften Schlaf, so daß bald nur noch die Helden wachten.

„Ich bin der Meinung, wir sollten uns so bald wie möglich zu einer der beiden Armeeeinheiten außerhalb des Waldes begeben. Unsere einzige Chance auf Dauer, irgendwie Verstärkung herzuholen. Auf jeden Fall können wir alleine einen größeren Angriff schlecht abwehren.", sinnierte Mack.

„Ja, wenn wir uns beeilen, sind wir vielleicht mit einer größeren Streitmacht zurück, bevor die Orks erneut angreifen", stimmte Kariya zu. „Wir sollten noch eine Mütze voll Schlaf nehmen und uns einigermaßen ausruhen und dann aufbrechen. Dalamar, nachdem du nicht tagsüber reisen kannst, schlage ich vor, daß du hierbleibst und gegebenenfalls den Gladiatoren bei der Verteidigung hilfst. Wir werden so schnell wie möglich zurück sein." Dalamar stimmte dem Vorschlag zu, wenn auch zögerlich. Es paßte ihm gar nicht, seine Mitstreiter alleine ziehen zu lassen, doch er sah ein, daß sie nicht warten konnten. Er wünschte ihnen noch viel Glück und zog sich dann in den abgedunkelten Raum zurück, um dort die Nacht zu erwarten.

Die anderen schliefen ausgiebig, packten die notwendigsten Sachen zusammen und machten sich auf den Weg, der sie am schnellsten zu dem in der Karte eingezeichneten Heereslager führen sollte. Wie Kariya vermutet hatte, dauerte der Marsch den ganzen Tag und die halbe Nacht, so daß es stockfinster war, als sie die Vorposten des Lagers erreicht hatten. Man hatte sich große Mühe gegeben, das Lager so unauffällig wie möglich zu gestalten. Es waren keine Feuer entzündet worden und die meisten Krieger schienen keine Behausungen zu haben, sondern auf der Erde zu schlafen. Lediglich ein größeres Zelt war erkennbar, offenbar das des Befehlshabers. Gleich am ersten Posten hielt man sie auf, doch als der Posten Serg erkannt hatte, brachte man sie eiligst in das Zelt. Den Mann mit Pagenschnitt, der dort mit sorgenvoller Miene Schlachtpläne studierte, erkannten sie gleich: es war Azoun, 2. Robe von Beregost und hochgeachteter Priester der Weisheit. Bei ihm waren auch Lledew, 4. Robe, sowie die beiden Schwerter Garak Tal und Jerome. Azoun blickte auf, als die Wache die Helden ins Zelt führte und hob mißfallend eine Augenbraue: „Es war gefährlich von euch, ohne Not herzukommen. Die Orks hätten euch verfolgen und dies Lager entdecken können."

Eliya schaute verdutzt drein: „Wie meint Ihr das, ohne Not? Wißt Ihr denn gar nicht, was in Beregost vorgeht?" „Aber natürlich wissen wir das." Dabei wies Azoun auf eine Kristallkugel, die auf einem seitlich angebrachten Tisch stand. Sie zeigte geschäftiges Treiben in Beregost. Leute gingen in Geschäften ein und aus, begaben sich in Kneipen, schwatzten miteinander in den Gassen. Kurz, normales Leben.

Kariya ergriff das Wort: „Werter Azoun, mit Verlaub, diese Kristallkugel ist keinen Fliegenschiß wert. Wir kommen aus Beregost und nichts, aber auch gar nichts ist dort noch normal. In Wahrheit......."

Dann faßte er die Geschehnisse der letzten Tage so prägnant er konnte zusammen und übergab als Beleg Azoun den Abhörring und die Karten, sowohl Otiks als auch der Orks. Mit fortschreitender Erzähldauer waren Azoun und die anderen immer bleicher geworden und als Kariya geendet hatte, war Stille eingekehrt. Nach langem Schweigen meinte Jerome schließlich: „Wir werden jetzt sofort aufbrechen. Die Hälfte unserer 500 Mann wird mit euch wieder in Richtung Beregost marschieren. Die andere Hälfte wird sich mit der von Wistan geführten Armee vereinigen und einen vernichtenden Schlag gegen das Orklager führen. Wir entsenden gleich einen Boten."

Etwa zwei Stunden waren seit ihrem Abmarsch vergangen. Weitere zwei Stunden hatte es gedauert, bis sich der Troß überhaupt in Bewegung gesetzt hatte, so daß mancher schon befürchtet hatte, sie würden überhaupt nicht mehr wegkommen. Mittlerweile hatten sie sich dem Orklager so weit genähert, daß sie nur noch ein kleines Wäldchen und eine sich anschließende Senke überqueren würden müssen, bevor sie mitten unter den Feinden stünden. Wenn man angestrengt lauschte, konnte man sogar schon das Singen der Orks hören. Unvermittelt hielt Kariya inne. Seine Nackenhaare sträubten sich. Es war der Gesang. Der Gesang der Orks. Der Lähmungszauber, der bereits Beregost in seinen Klauen hatte. Er wirbelte herum, um den anderen eine Warnung zuzurufen - Zu spät, der Zauber hatte erneut seinen Dienst getan. Nahezu das gesammte Heer war in der Bewegung gefroren. Als Kariya sah, daß es auch Mack und Eliya erwischt hatte, zischte er Azoun verbittert zu: „Seht Ihr nun, was ich meinte", zischte Kariya Azoun zu. „Tut etwas, oder wir sind alle verloren!"
Azoun wirkte etwas zögerte keinen Augenblick, schloß die Augen und konzentrierte sich. Einige bange Sekunden verstrichen, dann regten sich ein paar der erstarrten Gestalten wieder. Mack, der von seiner Lähmung nichts bemerkt hatte, bemerkte Sergs sorgenvolles Gesicht.
„Was ist los?" fragte er. Serg deutete stumm auf die vielen hundert Menschen, die Statuen gleich das Wäldchen säumten. Mack sackte ein wenig in sich zusammen, richtete sich aber sogleich wieder auf und sagte leise: „Dafür werden sie bezahlen." Er umfaßte den Griff seiner Axt ein wenig fester und schickte sich an, den Weg weiterzugehen.
„Du hast recht", meinte Kariya und stellte sich an seine Seite, „wir dürfen uns nicht zurückziehen. Noch haben wir zumindest das Überraschungsmoment auf unserer Seite. Wenn wir jetzt fliehen, verlieren wir auch das. Ich bin dafür, weiterzugehen."
Serg blickte sich um und zählte rasch durch. Azoun war es immerhin gelungen, neben Mack und Eliya auch Garak-Tar sowie Lledew wiederzubeleben, deren Herz, über neunzig Jahre alt, hatte jedoch den Schock der Wiederbelebung nicht verkraftet, und sie war in Azouns Armen gestorben. Das hieß, sie waren zu siebt: Kariya, Eliya, Mack, Elric, Azoun, Garak-Tar und er selbst. Zu wenige, aber vielleicht mit etwas Glück.....Kariyas Stimme riß ihn aus seinen Gedankengängen: „Kommst du?". In ihren Gesichtern stand Angst geschrieben, aber auch eine fast unheimliche Entschlossenheit, fand Serg. Niemand würde sie von ihrem Entschluß abbringen. Möglicherweise würden sie sterben, aber sie würden den Weg gemeinsam zu Ende gehen.

Wenige Minuten später hatten sie den Hain durchquert, lagen am Rand der Senke und sahen zu dem Orklager hinüber. Dort war hektisches Treiben im Gange. Die Orks hatten sich in Ekstase gesungen und tanzten nun wild um einen großen Stein in ihrer Mitte herum. Fast schien es, als ob sie selbst einem mysteriösen Zauber anheim gefallen waren, doch was zuerst nur unscheinbar zu erkennen war, wurde bald deutlicher: Der Stein war gar kein Stein, sondern ein Dämon, ähnlich dem, den sie vor wenigen Tagen bekämpft hatten. Er wuchs rasch, bekam zuerst Arme, dann Klauen und Hörner und zuletzt ein riesenhaftes Maul mit spitzen Zähnen. Er war nun mindestens vier Meter groß und durch seine Nüstern drangen abstoßende Laute.
„Verdammt! Nicht schon wieder. Was jetzt? Wir haben keine Chance" flüsterte Eliya.
Während sie noch beratschlagten, welche Maßnahmen sie ergreifen sollten, sahen sie aus den Augenwinkeln, wie sich die sechs kleineren Steine, die die äußersten Enden des Lagers markierten, ebenfalls in Dämonen verwandelten, wenn auch in etwas kleinere. Dann bebte die Erde, und hinter dem Lager entstand ein bläulicher Wirbel - ein Teleporter, wie Kariya düster bemerkte. Und tatsächlich, etwa die Hälfte der Orks war schon in dem dem blau schimmernden Lichtermeer verschwunden. Ihnen war klar, wenn sie jetzt nicht eingriffen,würde sich der Rest der Feinde auch nach Beregost teleportieren und dort ein Massaker anrichten.
Plötzlich kam Kariya ein wilder Gedanke. Er hatte doch noch den Ring von Baenrae. Jenen Ring, der magische Explosionen verursachte, wenn man versuchte, ihn zu bezaubern......
Serg hatte sein Schwert bereits in Händen. Er verabscheute Magie und wollte nicht in der Nähe sein, wenn sie angewendet wurde. Er nickte Mack kurz zu, dann erhob er sich aus seiner Deckung und stürmte mit lautem Kampfgebrüll auf die Orkreihen zu. Mack rannte sofort hinterher. Kariya bot Elric seine Hand und sagte: „Folge mir, und wenn ich JETZT schreie, dann zauberst du ein „Erkennen des Wesens der Dinge". Stell keine Fragen, vertrau mir einfach. War nett, dich kennengelernt zu haben". Dann rannte auch er los, den tödlichen Ring fest in seiner rechten Hand. Elric wußte zwar nicht, wovon der Dunkelelf sprach, widersprach aber nicht. Stattdessen folgte er Kariya und bereitete den Zauberspruch vor. Nur kurz kam ihm in den Sinn, warum er sich von allen Burgen und Städten gottverdammt ausgerechnet diese ausgesucht hatte, um Proviant zu kaufen. Nun, niemand lebt ewig, dachte er, und grinste.
Die Orks hatten einen schützenden Kordon um die kleineren Dämonen gebildet, erkannte Kariya. Just in diesem Moment wuchsen auch sie auf eine Größe von über zwei Metern an, drängten an ihren Bewachern vorbei und griffen an. Einer hatte sich Kariya als Zielobjekt ausgesucht und lief mit weit geöffnetem Rachen auf den Dunkelelfen zu. Kariya schrie: „Schluck erstmal das!", schleuderte den Ring soweit er konnte von sich, gab Elric das Signal und warf sich gleichzeitig zu Boden. Der Wurf war besser als er erwartet hatte, denn der Ring landete paßgenau im Maul des Ungeheuers.
Elric zauberte. Kariya hatte noch Zeit, ein „Oh nein" zu stöhnen, als er sah, daß sich der Ring im Schlund des Monsters auf ihn zubewegte, dann zerriß eine ungeheure Explosion die Stille. Die Druckwelle schleuderte den Dunkelelfen mehrere Meter nach hinten und als er sich mühsam aufrappelte stellte er fest, daß mehr als eine Rippe gebrochen war. Das Atmen fiel ihm schwer. Als sich der Rauch verzogen hatte, sah er, daß nicht nur zwei Dämonen von der Explosion vernichtet worden waren, sondern im Umkreis von mehreren Metern zerfetzte Orkleiber lagen.
Elric war weit genug weg gewesen, so daß ihm die Druckwelle keinen Schaden zufügen konnte, doch staunte er über die Macht der Explosion. Sie hatte einen mindestens einen Meter tiefen Krater in den Boden gerissen, und das Gras in weitem Umkreis schmimmerte nur so vor Orkblut. Egal, was der Dunkelelf da gemacht hatte, er war froh, daß er auf ihrer Seite focht.
Die Gefahr war jedoch noch nicht gebannt. Noch standen ihnen drei weitere Dämonen sowie mindestens dreißig Orks gegenüber. Allerdings begannen sich die Reihen der Orks bereits aufzulösen, als immer mehr von ihnen die Flucht ergriffen. Kariya und Elric zogen ihre Waffen und warfen sich ins Getümmel, wo Mack und Serg bereits kämpften.
Eliya war Abseits des Getümmels geblieben. Sie wußte, daß sie sich erneut auf einen Gedankenstreit mit dem Dämonen einlassen mußte, um ihn zumindest in Schach zu halten. Sie zog ihr Schwert, richtete es auf den Dämon und sogleich war es ihr, als ob heißer Teer in ihren Adern floß. Ihre Gedanken wurden nur noch von dem Wunsch beherrscht, den Dämon zu binden.
Wieder und wieder stieß Kariya mit seinem Kurzschwert zu. Zwei Orks waren bereits unter seinen Hieben gefallen. Da sah er aus dem Augenwinkel eine krallenbewehrte Klaue heranrasen. Er versuchte sich noch auszuweichen, war aber zu langsam. Der Schlag traf ihn wie ein Blitz. Er fühlte zerreißende Haut und splitternde Knochen, dann wurde es ihm für einen Moment schwarz vor Augen. Als er wieder zu sich kam, lag er verdreht auf dem Boden, sein Mund war voller Blut. Unendlich langsam kämpfte er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht nach oben. Er sah, daß auch Mack und Elric getroffen worden waren und blutend am Boden lagen. Eliya war auch bereits in die Knie gegangen, lediglich Serg und Garak-Tar kämpften noch mit dem Mut der Verzweiflung weiter. Wieder schoß ihm ein Gedanke durch den Kopf. Die Schriftrolle, die ihm einst von Lanfear überlassen worden war.....sie enthielt einen mächtigen Zauberspruch, der Wesen jeglicher Couleur zu Dingen treiben konnte, die seiner ursprünglichen Natur zuwiderliefen. Er spuckte das Blut aus und suchte hastig nach der Schriftrolle. Als er sie gefunden hatte, richtete er seine Augen auf einen der Dämonen und trug mit fester Stimme den magischen Text der Rolle vor.
Serg traute seinen Augen nicht. Der Dämon, mit dem er gerade noch gerungen hatte, wendete sich von ihm ab und griff stattdessen seine verbündeten Orks an, die wie Streichhölzer unter seinen wütenden Schlägen abknickten. Danach heulte der Dämon noch einmal laut auf und war dann ebenfalls verschwunden.
Kariya konnte sich nun nicht mehr auf den Beinen halten und brach zusammen. Sie hatten gut gekämpft und trotzdem verloren, es waren zuviele. In Gedanken verabschiedete er sich von seinen Freunden und schloß die Augen, jeden Moment auf den letzten Streich seiner Feinde wartend.
Plötzlich erscholl ein Horn, und aus allen Richtungen warfen sich Menschen den Orks entgegen.

Kariya

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