Der Seelendieb
(Fantasy, Leseprobe, Janina Radny, 26.02.2000)

Aus den Aufzeichnungen der Ma'hura, der größten Magierin der Mittellande, um 455 nach der Blütenzeit:

In diesen Tagen kam ein Fremder in unser Dorf. Schlank und groß wie ein Elf und von adliger Blässe war er wahrhaftig schön zu nennen und mir selbst, nicht mehr Kind noch Erwachsene, erschien er als der schönste Mann, den ich jemals gesehen hatte.

Nur etwas störte diesen Eindruck edler Schönheit, den Sterbliche von Elfen haben; die absolute Gleichgültigkeit der nebelgrauen Augen, die stumpf und teilnahmslos und ohne erkennbare Gefühlsregung, ja, vielleicht ohne wirkliche Wahrnehmung trübe in die Welt schauten. Nie hatte ich so einen Blick gesehen, außer bei einem tollwütigen Hund, den mein Vater in meinen Kindsjahren erschlagen hatte. Der Blick des Fremden glich dem der sterbenden Kreatur so sehr, daß ich angstvoll zurückschrak und nach einem Ort suchte, wo es dem Fremden nicht möglich sei, mich zu finden.

Doch als hätte er meine Gedanken gelesen und meinen Fluchtgedanken erkannt, noch bevor er mir selbst in den Sinn kam, richtete der Fremde den nebligen Blick nun genau auf mich und seine grauen Augen hielten mich gefangen, wie ein Netz einen überraschten Vogel.

Oh, wie tief die Leere in ihnen, wie tief die Trauer doch war! Seine Augen, zuvor so stumpf und teilnahmslos, schienen mich aufzusaugen, und in tiefstem Leid zu schreien: Hilf' mir! Mein Herz setzte aus bei diesem Blick und plötzlich wünschte ich mir nichts sehnlicher, als den unbekannten Elfensohn zu beschützen und ihm beizustehen. In mir stieg die Sehnsucht auf, ihn zu berühren, das rabenschwarze Haar mit den Fingern zu kämmen und nicht nur durch diese unschuldigen Berührungen etwas Licht in seine Augen zu bringen.

Erschrocken und verstört über meine eigenen, so gar nicht züchtigen Gedanken, wandte ich schnell den Blick ab und spürte, wie ich zutiefst errötete. Ob der Fremde dies nun bemerkt hatte oder nicht, auch er blickte nun weg, um sich dem Dorfvorsteher zu widmen, der gerade laut und gestikullierend auf ihn zu kam, und ich war erleichtert, als ich seine bleischweren Augen nicht mehr auf mir fühlte, obwohl sich dennoch in meinem Herzen die Hoffnung regte, er möge mich doch betrachten und mein unscheinbares Wesen wahrnehmen. Aber er hatte wahrhaftig seine Aufmerksamkeit, wenn es sie denn in seinem teilnahmslosen Wesen gab, dem Vorsteher gewidmet und ich konnte wieder freier atmen.

"Seid gegrüßt, Herr!" rief der kräftige, bereits weißhaarige Mann aus und hielt dem Fremden schweratmend die kurzfingrige, von der harten Arbeit schwielige Hand hin. Der jedoch erwiderte die einladende Geste nicht, sondern sah nur stumm auf die Hand des Vorstehers, als würde er gerade ein zwar ungewöhnliches, jedoch ausgesprochen langweiliges Ding ansehen. Irritiert ließ der Vorsteher zögerlich die Hand wieder sinken. Hinter mir begannen zwei Frauen zu tuscheln und die eine kicherte blöde. Sowohl der Dorfvorsteher - sein Name war im übrigen Bragon - als auch der Fremde mußten es gehört haben, doch der Fremde zeigte keine Reaktion und ein ärgerlicher Blick von Bragon ließ die beiden verstummen.

"Ihr müßt eine weite Reise hinter Euch haben, Herr," versuchte Bragon ungelenk ein Gespräch anzufangen. "Habt Ihr vor, längere Zeit bei uns zu verweilen?"

Bis auf einen leeren Blick ernete er jedoch keine Antwort. Bragon war sonst beinahe unerschütterlich, doch nun, unter dem trübgrauen Starren des Elfengeborenen wurde er zusehends nervös, als sei er ihm unangenehm, und hilflos überlegte er, wie er auf dieses vollkommene Fehlen von Reaktion antworten sollte, ob er überhaupt antworten sollte.

Ich selbst dankte den Göttern und allen Heiligen, daß ich nicht an seiner Stelle stehen mußte. Um keinen Preis der Erde wäre es mir gelungen, dem reglosen Blick standzuhalten und ich bewunderte Bragon in diesem Moment dafür. Doch das anhaltende Schweigen und der verständnislose und zugleich desinteressierte Blick des Fremden machten aus der Situation mehr und mehr eine peinliche und im Augenwinkel sah ich, daß ich nicht die einzige war, die ihr zu entfliehen suchte, und sich doch nicht aus dem seltsamen Bannkreis um den Fremden entfernen konnte. Doch jeder, auch ich, schrieb diese Fessel der Neugier zu, und so lehnte sich niemand dagegen auf, obwohl ich heute weiß, daß wir damals noch die Kraft dazu gehabt hätten.

Erst Bragons Tochter, ein energisches Weib, dessen Leib zu der Zeit mit einem Kind im siebten Zyklus gerundet war, brach die Erstarrung des Moments, indem sie laut ausrufend auf den Platz schritt und sich zwischen ihren Vater und den bleichgesichtigen Fremden stellte.

"Laß gut sein, Vater," rief sie aus. "Der Fremde ist nicht von hier, das sieht man ihm auf Tausendschritte durch den Wald an. Er ist sicher zu müde, um uns Rede und Antwort zu stehen, wenn er denn überhaupt unsere Sprache spricht. Geben wir ihm ein Zimmer in der Taverne und lassen ihn erst einmal ausschlafen. Es dämmert ja bereits und ohne Pferd ist es ein langer Weg von der letzten Siedlung hierher, nicht wahr?"

Bevor irgend jemand reagieren konnte, begann sie, auf den Fremden einzuschwatzen. "Ist es nicht so, Herr? Ihr seid müde, das sieht man Euch an. Wollt Ihr ein Zimmer im Gasthaus nehmen? Wollt Ihr schlafen?"
Der Fremde sah sie mit seinem eigentümlich leeren Blick an und wieder schien es, als hätte er gar nicht gehört, was sie gesagt hatte und hätte nur auf die plötzliche Geräuschquelle reagiert. Wieder war Schweigen über dem Dorfplatz und ich spürte, wie langsam der regenfeuchte Schlamm unangenehm durch meine Sandalen kroch und meine Zehen klamm machte. Als wir schon dachten, es würde wieder nichts geschehen, bewegten sich kaum wahrnehmbar die schmalen, bleichen Lippen des Fremden und mit fast unhörbarer Stimme hauchte er leise: "Ja..."

Beim Klang dieser Stimme, die so leise doch von allen gehört wurde, erschauerte mein Herz, denn sie war so schön und melodisch wie der magische Gesang des Waldes, der unter dem ersten Raureif fröstelte. Thriumphierend über diesen winzigen Erfolg grinste Bragons Tochter ihren Vater an. "Wußt' ich's doch!", sagte sie. "Dann folgt mir, Herr! Ich werde Euch Euer Zimmer zeigen!" Sie ging vorraus und sah nocheinmal auffordernd über ihre Schulter. Erst dann folgte ihr der Fremde. Seine Bewegungen waren anmutig und geschmeidig wie die einer Katze, jedoch eigentümlich verlangsamt und träge, und unbewußt fiel mir plötzlich ein Nebelstreif ein, der sich durch die Dämmerung schlich.

Am Abend versammelten sich die Mädchen und Frauen im Webhaus. Meine Mutter und die anderen Älteren beschäftigten sich mit ihren Spindeln, Stickereien und Webstoffen und erzählten sich Dinge, die sie erlebt hatten oder äußerten Mutmaßungen über den Fremden. Auch wir jungen Mädchen waren dort und arbeiteten lieber schweigend, doch lauschten aufmerksam. Irgendwann gingen die Frauen zurück zu den Häusern. Wir jedoch legten nur unsere Arbeit nieder, setzten uns im engen Kreis zusammen und nun war es für uns an der Zeit, über den Neuankömmling zu diskutieren.

Birga, ein blondes, etwas stämmiges Mädchen, die ein Jahr älter war als ich selbst und die Anführerin unserer Mädchengruppe, äußerte als erste ihre Mutmaßungen, während wir anderen gespannt zuhörten: "Meine Mutter sagt, er stammt aus dem Süden, aus Toth vielleicht. Sie sagt, er kommt vielleicht sogar aus Vier-Seelen. Dort sind alle so komisch wie er."
"Aber ist er dafür nicht etwas zu blaß?", wagte ich einzuwerfen und erntete dafür einen ungnädigen Blick und eine abwertende Geste.
"Papperlap!" sagte Birga. "Das scheint nur so. Er muß ja nicht von Südelfen abstammen. Aber meine Mutter hat bestimmt recht. Habt ihr gesehen, wie edel er sich bewegt und benimmt? Er ist bestimmt ein Prinz. Nein, sicher ist er einer!"
"Und bei seinen Eltern in Ungnade gefallen, weil er sein Herz einer geschenkt hat, die sie nicht mögen. Und bevor er seiner Erwählten untreu wird, zieht er einsames Exil vor, wie in den alten Geschichten", spann Isa mit romantisch verträumtem Blick die Geschichte weiter.

Ihre Gedanken wurden mit stummem Nicken angenommen. Ich richtete meinen Blick auf die noch glühende Asche des erloschenen Feuers und nickte ebenfalls. Ach, wie die romantischen Träumereien auch mein kindliches Herz berührten. Tatsächlich konnte ich mir nichts anderes vorstellen, was besser zu diesen hilfesuchenden, grauen Augen paßte, als das asketische Leben eines gebannten, treuen Prinzen. Ich seufzte tief und träumte davon, ich wäre diejenige, deretwegen er sein ganzes Leben aufgab, um nur ihr treu zu bleiben.

"Wie auch immer", raunte Birga uns zu, "sicher ist, daß er wohl einige Zeit bei uns bleiben wird. Und eines sage ich euch, mir gefällt er viel besser als unsere grobschlächtigen Kerle hier!"

Die Mädchen kicherten, doch ich hörte nur halb zu und dachte bloß an seine verlorenen Nebelaugen, die heute für einen unendlichen Augenblick allein auf mir geruht hatten.

"... hat mich sogar angesehen, als er kam. Habt ihr das gesehen?" fuhr Birga fort und plötzlich war meine Aufmerksamkeit wieder geweckt. Die Mädchen sogen beeindruckt Luft ein und starrten ehrfürchtig auf die Blonde, die stolz den Kopf reckte und herausfordernd den Blick auf den Ausschnitt ihres einfachen Kleides freigab. Ein Stich fuhr durch mein Herz, als ich meine eigene, allzu sehr vernachlässigte Oberweite dachte und Röte stieg mir ins Gesicht, sowohl von Scham als auch vor Enttäuschung über diese Ernüchterung. Hatte er nicht so schnell den Blick wieder von mir abgewand?

"Ich sage euch, noch bevor der Sommer geht, werde ich ihn dazu gebracht haben, daß er seine Liebste vergessen hat und MICH an ihrer Statt in die Arme schließt." Im selben Augenblick, wie sie das sagte, änderte sich ihr selbstsicherer Blick ins angriffslustige und ihre Stimme wurde bedrohlich leise. "Und wehe, eine von euch Puten kommt mir in die Quere! Der seinen die Götter gnädig!"

Die Mädchen nickten einhellig und eingeschüchtert und ich selbst war den Tränen nahe. Wenn Birga den Fremden für sich beanspruchte, war er für mich unendlich weit entfernt, denn was Birga wollte, bekam sie für gewöhnlich auch und man war schlecht beraten, sich ihr dabei in den Weg zu stellen. Ich selbst, als schwaches, eher schüchternes Mädchen durfte gar nicht daran denken, den Fremden nun noch für mich gewinnen zu können. Selbst wenn er mich trotz allem doch wollen würde, würde es mir schlecht ergehen - und warum sollte ein Elfenprinz, der aus der fernen, exotischen und so mit Reizen überfluteten Stadt Mir-Arken sich auch einem einfachen und nicht einmal sonderlich hübschen Bauernkind zuwenden? Was konnte ich ihm im Gegensatz zu der hübschen und auch wirklich anziehenden Birga schon bieten?

"Also haltet euch zurück," ermahnte Birga noch einmal nachdrücklich, bevor sie gähnte und meinte: "Es ist schon spät. Ab in eure Betten. Morgen werdet ihr etwas zum Stauenen haben!"

Wir erhoben uns auf Birgas Befehl und ich schlich geknickt zurück zu meinem Elternhaus, das wenige Meter neben dem Gasthof stand. Bevor ich mich zu meinen beiden jüngeren Schwestern und meinem kleinen Bruder in den Raum legte, den wir zusammen bewohnten, warf ich noch einen letzten Blick zum Gasthaus hinüber und sah den Fremden am Fenster sehen, noch bleicher in der Dunkelheit als am Tage, mit einem Käuzchen auf der bloßen Haut, wie er stumm zu den Sternen aufsah. Ich wußte nicht, warum ich plötzlich fröstelte.

Am nächsten Morgen bot sich uns tatsächlich ein Schauspiel sondersgleichen. Ich wußte lange Zeit nicht, ob ich amüsiert oder angeekelt sein sollte, von Birgas aufdringlichen Versuchen, sich dem Fremden an den Hals zu werfen, doch schließlich entschied ich mich für grimmige Schadenfreude, als der Prinz von Toth - eine Bezeichung, die sich später im Dorf festsetzen sollte, und da der Fremde uns niemals seinen Namen nannte und auch nie etwas tat, um uns von diesem Namen abzubringen, wurde dies als übliche Bezeichnung angenommen - auf keinen ihrer Annäherungsversuche reagierte, sondern nur bleich und stumm in die Leere starrte. Am Abend schließlich gab Birga für diesen Tag auf und zog sich beleidigt zurück. Ich war überrascht, welche grimmige Freude mir dies brachte. Doch natürlich war dies nicht alles, was sie unternahm und so wurde es zu einer Art Manie, wie sie ihn verfolgte, die ganze Zeit, in der er bei uns war, doch er schleppte sie nur mit sich herum wie ein lästiges und allzu aufdringliches Tier, ohne ihr größere Beachtung zu schenken und hielt lieber die Augen auf einen unsichtbaren Punkt gerichtet, fern und für unsere Augen verschlossen, ebenso leer wie seine benebelten Augen.

Der Prinz weilte lange unter uns, sprach nie und ließ das Leben gleichgültig an seinem grauen Blick vorbeiziehen, als ginge nichts ihn etwas an. Trotzdem wurde ihm nichts nachgesagt und auch vom üblichen Dorfklatsch blieb er verschont. Seine Gleichgüligkeit wurde als höfliche Zurückhaltung angesehen, die Frauen schwärmten für ihn und die Männer achteten den bleichen Elf, der nie etwas sagte, ohne Argwohn oder Eifersucht und taten die Schwärmereien ihrer Frauen und Töchter mit einem Lächeln ab. Und jeden Abend konnte ich ihn von meinem Zimmer aus am Fenster stehen sehen, die Sterne betrachten und schweigen. Das Einzige, was mir auffiel, waren die vielen Vogelfedern unter seinem Fenster.

In dieser Zeit geschah nichts außergewöhnliches oder erwähnenswertes. Es war ein ruhiger Sommer und als er sich schließlich dem Ende zuneigte und die Bäume sich langsam zu färben begannen, mehrten sich die Zeichen dafür, daß die Tochter des Dorfvorstehers bald niederkommen würde. Sie zog sich in ihren Gasthof zurück und wurde mindestens zweimal am Tag von Birgas Mutter, der Hebamme im Dorf besucht, die ihr helfen würde, das Kind zur Welt zu bringen. Auch Birga selbst war oft dabei und ging ihrer Mutter zur Hand, denn irgendwann würde sie diese Pflichten übernehmen und sie war sehr stolz darauf. Als sich schließlich die Zeichen der nahenden Niederkunft mehrten, geriet unser Dorf in aufgeregte Stimmung, wie es bei jeder Geburt war - es war ein besonderer Grund zu feiern.

Und schließlich, eines Abends, war es soweit. Zwar war jedem außer Birga und ihrer Mutter der Zutritt ins Zimmer der Geburt versagt, selbst dem Vater des Kindes, doch die Schreie der Gebärenden waren laut genug, daß man fühlen konnte, als stünde man direkt neben Bragons Tochter.

Das ganze Dorf hatte sich in der Taverne versammelt und lauschte aufmerksam, wie die Wehen kamen und gingen und während der Stunde, die die Geburt dauerte, waren alle Gespräche auf ein aufgeregtes Flüstern reduziert, um die Gebärdende und ihre beiden Ammen nicht zu stören. Trotzdem oder gerade weil alle flüsterten, war eine feierliche Stimmung im Raum - ich konnte in meinen jungen Jahren dies nicht ganz nachvollziehen. Auf mich wirkten die schmerzerfüllten Schreie sehr beängstigend und mein Leib krampfte sich zusammen, als ich dachte, daß ich selbst irgendwann in nicht mehr allzu ferner Zukunft die selben Schmerzen erleiden würde müssen, während unten das ganze Dorf wartete und lauschte. Übelkeit stieg in meinem Hals auf und ich überlegte, ob bei meiner Niederkunft wohl jemand über meine Schmerzen zittern würde. Dann verstummten ihre Schmerzen und das Weinen eines Neugeborenen wurde laut. Darauf hatte die ganze Dorfgemeinschaft gewartet und alle brachen in Jubel aus, als Bragon und der Vater des Kindes nach oben eilten, um Einlaß zu erbitten. Wenig später kamen Vater und Kind nach unten und beiden Männern, sowohl Vater als auch Großvater war die Brust vor Stolz geschwollen wie Hähnen. Der Vater hielt sein Kind zärtlich im Arm und verkündete mit freudiger Stimme: "Ein gesundes, liebes, süßes Mädchen!"

Applaus und Glückwünsche über das gesunde Kind folgten, dann kam Birgas Mutter ebenfalls herab und forderte den Säugling, um ihn zurück in die Sicherheit der Arme ihrer Mutter zu bringen. Als sie wieder nach unten kam, diesmal ohne Säugling, dafür eine etwas bleiche, aber glückliche Birga im Schlepptau, wurde spontan auf das Wohl der beiden Hebammen der Krug erhoben und auf die Gesundheit von Mutter und Kind getrunken.

Ich hatte mich hingegen in eine Ecke verkrochen und hoffte, niemand möge mich sehen, wie ich da kauerte, bleich und noch mitgenommen von dem Schmerz, den die junge Mutter hatte erfahren müssen. Der Anblick des Säuglings, noch immer mit schlecht weggewaschenem Blut beschmiert, hatte meinen ohnehin verstörten Gedanken den Rest gegeben. Ich wunderte mich selbst darüber, denn schließlich war dies nicht die erste Geburt gewesen, die ich so miterlebt hatte. Vielleicht lag es daran, daß ich erst vor wenigen Monden, als die letzte meiner Mädchengruppe, geblutet hatte, und die Zeit, in der meine Familie mich zur Vermählung freigeben würde, rückte näher - und damit auch die Zeit, in der ich gezwungen sein würde, ein Kind auzutragen, wollte ich nicht von meinem Gatten wieder verstoßen werden.

Als ich mich unbeobachtet fühlte, schlich ich nach draußen und lehnte mich gegen einen Baum, der neben der Herberge stand, um nachzudenken. Ich starrte gegen die Wand und machte mir Gedanken, während drinnen die Feier zur Ankunft eines neuen Dorfbewohners fröhlich weiterging. Plötzlich bemerkte ich die seltsam trägen Bewegungen des Prinzen von Toth im Augenwinkel. Ich entdeckte ihn, wie er dastand, und mit seinem seltsam ausdruckslosen Blick nach oben zum Zimmer der Geburt sah. Ich muß wohl ein Geräusch von mir gegeben haben, denn plötzlich wandte er den Blick zu mir und wenn sein Gesicht fähig gewesen wäre, Emotionen zu zeigen, wäre wohl Erschrecken darin gewesen, wie bei einem Kind, das man bei Verbotenem erwischte. Dann war er plötzlich verschwunden, als ich geblinzelt hatte, im Schatten untergetaucht wie ein wildes Tier.

Ich wurde am nächsten Morgen von dem durchdringenden Schrei des frischgebackenen Vaters geweckt. Zuerst verstand ich den Sinn seiner Worte nicht, denn der Schlaf hielt mich noch halb benebelt, doch als ich die Augen langsam öffnete und in die Dunkelheit der frühen Morgens blinzelte, drangen seine Schreie plötzlich mit erschreckender Klarheit in mich. "SIE IST TOT! OH IHR GÖTTER, SIE IST TOT!"

Dann gingen seine Rufe in ungehaltenes Schluchzen über und ich sprang aus meinem Lager, hellwach mit einem Mal. Ich rannte nach draußen, noch halb unbekleidet wie fast alle aus dem Dorf. Auch meine Eltern waren zum Dorfplatz gerannt, meine Mutter mit meiner kleinsten Schwester im Arm, die sich heulend an sie preßte. Ich konnte durch die Leiber der Erwachsenen gerade noch sehen, wie Bragon sich zu seinem Schwiegersohn drängelte und ihn anfuhr, still zu sein und was passiert sei. Doch der war unfähig zu antworten, lag nur heulend und schluchzend auf dem Boden und erstickte fast an seinem Weinen. Der Anblick eines derart verzweifelten Erwachsenen ließ mir Schauer wie Eis über den Rücken laufen. Doch dies war nichts gegen das plötzliche Entsetzenskreischen, lauter als hundert Greifenschreie und schriller als berstendes Glas. Und es kam aus dem Zimmer der jungen Mutter.

Jeder, auch ich, hatte spätestens nun verstanden, was geschehen war, jedenfalls glaubte jeder dies. Bragon war der erste, der hinauf rannte, einige folgten ihm, doch die meisten blieben verstört auf dem Dorfplatz stehen und wußten nicht, was zu tun, während der junge Mann noch immer schluchzte und hustend schluckte, als würde er ersticken. Auch ich folgte dem Dorfvorsteher so schnell ich konnte, und obwohl ich mich in diesem Moment dafür haßte, so ekelerregend neugierig zu sein, konnte ich doch nicht anders. Was ich sah, war nichts anderes als die Strafe dafür.

Bragons Tochter lag dort im Bett, den Säugling an der Brust und die Kleine weinte und saugte an ihrer Brust auf der Suche an Nahrung. Birga, die geschrien hatte, saß kreidebleich und zitternd in der Ecke. Eigentlich hatte ich das resolute Mädchen noch nie erschrocken gesehen, fiel mir obskurer Weise in diesem Moment ein, doch gerade jetzt konnte ich es ihr nicht verdenken.

Es brauchte keine zwei Blicke, um zu sagen, daß kein Leben mehr in Bragons Tochter war, doch dies war nicht der normale Tod, den eine Frau im Kindbett starb. Der Leichnam war grau und die Haut ausgedörrt wie Leder. Der Mund war weit aufgerissen und die Tote schien noch jetzt vor Angst zu schreien und die Augen waren weit aufgerissen, die Augäpfel waren jedoch klein und verdorrt wie vertrocknete Äpfel. Die spindeldürren Glieder um das Kind geschlossen lag sie da, über Nacht in wenigen Stunden zu einer grauen Mumie geworden. Ich spürte, wie meine Beine weich wurden und ich mußte mich an den Mann hinter mir stützen, um nicht ohnmächtig zu werden.

"Als hätte man alles Leben aus ihr herausgesaugt...", wisperte Bragon erstickt. Plötzlich sahen alle auf das Kind, das noch immer jammernd nach einer Milchquelle suchte.

Ich weiß nicht, ob Birga sich so schnell gefaßt hatte, oder ob Panik sie zu dem Ausruf trieb, den sie dann tat. "Das Balg war es! Das ist ein Wechselbalg! EIN WECHSELBALG! DÄMON!" kreischte sie und krallte ihre Hände ins Gesicht, das rote Striemen erschienen.
"RUHE! SEI STILL, KIND!" brüllte Bragon sie an, doch Birga war ganz in ihren hysterischen Schreien gefangen.
"Dämon!" kreischte sie weiter. "DÄMON!"
Entschlossen trat Bragon zu ihr und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. Birga verstummte sofort und atemloses Schweigen erfüllte den Raum. Ich hörte das Blut in meinen Ohren rauschen während ich atemlos auf die bizarre Szene starrte. Nur das Wimmern des Säuglings war zu hören. Der war inzwischen so entkräftet, daß er es aufgegeben hatte, Milch zu suchen und wie ein sterbendes Würmchen auf der Brust der mumifizierten Toten liegen blieb.

"Raus," knurrte Bragon beunruhigend leise. Alle sahen zu ihm, auch Birga, über deren Wangen heiße Tränen liefen. Ihre rechte Gesichtshälfte war von dem Schlag gerötet. "RAUS HIER, ALLE!" brüllte er plötzlich los und von der Wut in seiner Stimme entsetzt, suchte jeder schleunigst das Weite, halb entsetzt, halb erleichtert, aus dem Totenzimmer hinauszukommen. Ich selbst war noch zu schwach in den Beinen, um wegzurennen von dem grauenvollen Ort und blieb stehen, bis alle fort waren und ich schwankend selbst hinuntersteigen konnte. Hinter mir hörte ich in dem Zimmer Bragon leise weinen. Ich schloß die Tür, ging ein paar Schritte und erbrach mich auf dem tags zuvor so sauber geputzten Boden.

Am Nachmittag wurde der Leichnam von Bragons Tochter nach den Regeln der Götter begraben. Der Wechselbalg wurde, wie es bei Dämonenkindern üblich ist, in einen Sack eingenäht und am Grund des nahen Waldsees ersäuft. Trotz allem wurde ich das Gefühl nicht los, das wir den Falschen töteten.

Noch lange Tage später herrschte im Dorf eine gedrückte Stimmung, die sich wie ein Leichentuch über unsere Köpfe legte. Der Vater des Wechselbalgs hatte sich zur Stunde der Bestattung im Wald erhängt. Er wurde nicht bestattet, sondern hängen gelassen, denn Selbstmörder verdienen nicht die Gnade der Götter, sagte mein Vater. Im Stillen überlegte ich jedoch, ob ich denn wohl anders reagiert hätte.

Bragon zog sich zurück und begann in der nun herrenlosen Taverne, die nur noch von den Knechten geführt wurde, sich schon zur Mittagszeit heillos zu betrinken. Die Menschen im Dorf warfen ihm, als letztem seiner Familie, seltsame Blicke zu, schwiegen jedoch dazu. Der Einzige, der neutral schien, war der Prinz von Toth, der in seiner wie angeborenen Gleichgültigkeit alles an sich vorbei ziehen ließ. Nur manchmal kam es mir so vor, als sähe ich die grauen Augen kurz aufblitzen und mir schien, als seien seine trägen Bewegungen auf eine undefinierbare Weise geschmeidiger und weicher geworden, doch ich vermutete, daß ich mir das nur einbildete.

Mir fiel ebenfalls auf, daß die Menschen um mich herum plötzlich öfter Heiligenzeichen schlugen und sehr viel ehrfürchtiger von den Göttern sprachen. In mancher Hinsicht konnte ich sie verstehen, doch trotzdem machte ihr Verhalten mir auf seltsame Weise Angst, und mir war manchmal, als ahnten wir alle irgendwo tief in uns, daß noch nicht alles vorbei war.

Doch schließlich mußte das graue Tuch des Entsetzens über das geschehene wieder dem - noch graueren, doch wenigstens weniger bedrückenden - Alltag weichen. Die Bauern hatten keine Zeit zu Grübeln, denn bald stand die letzte Ernte des Jahres ins Haus. So gingen die Tage dahin und der gewohnte Trott hielt Einzug im Dorf, nachdem etwa zwei Wochen seit dem Auftauchen des Wechselbalgs verstrichen. Eine amüsante Abwechslung bot sich uns rasch bald wieder, als Birga erneut ihr Werben um den bleichen Fremden aufnahm, doch irgendwo in meinem Herzen gab es einen Stich, als ich bemerkte, daß der nun endlich Reaktion zeigte.

Nicht, daß er ihr irgendwelche Hoffnungen gemacht hätte, nein, aber wenn sie nun zu ihm sprach, drehte er den Kopf, lauschte geduldig und widmete sich dann wieder seinen eigenen Gedanken, die hinter den grauen Augen unsichtbar schwirrten. Doch wenn man sein Verhalten zuvor betrachtet hatte, könnte es kaum schlimmer kommen. Drei Tage tat ich mir diesen Anblick an, dann begann ich, dem aus dem Weg zu gehen und zog mich lieber des Abends, wenn die Arbeit getan war, einige Schritte in den Wald zurück. Vielen aus dem Dorf machte der abenddunkle Wald Angst, denn sie fürchteten abergläubisch, daß Dämonen dort herumschlichen.

Doch ich glaubte es besser zu wissen. Für mich war er ein Ort der Ruhe, wo ich nachdenken konnte, ohne gestört zu werden. Und dort dachte ich viel nach in dieser Zeit. Dann, nach etwa einer Woche, ereignete sich etwas, das für mich jedes Jahr zu den schönsten Stunden zählte. Ariane kehrte von ihrer sommerlichen Wanderung zurück in unser Dorf, wo sie aufgewachsen war. Die schöne, kecke Waldelfe war für mich die herzallerliebste Freundin, die ich je hatte und auch im weiteren Leben haben würde, wie ich heute weiß. Am Tag ihrer langersehnten Ankunft saß ich wieder an meinem Lieblingsplatz auf der mächtigen Wurzel eines umgestürzten Baumes. Ich hatte in dieser Zeit den Wald fast für mich allein, denn alle anderen waren auf ihren kleinen Feldern beschäftigt. Ich selbst hatte das Glück, meiner Familie bei dieser schweißtreibenden Arbeit nicht helfen zu müssen, da mein Vater der Holzfäller des Dorfes war und wir über gar keinen Acker verfügten. Und so saß ich da, genoß die Muße der frühen Abendstunden und lauschte den Gesängen der Vögel und dem feierlichen Zirpen der Grillen.

So abgelenkt waren meine Gedanken nicht in der Lage, die auch sonst fast unhörbaren Elfenschritte zu vernehmen und so konnte der Schreck kaum größer sein, als plötzlich eine katzengleiche Gestalt in meinen Rücken fiel und mich von meinem erhöhten Sitzplatz zu Boden riß.
"Deine Aufmerksamkeit läßt sehr zu wünschen übrig, meine kleine sha'nin Ma'hura!" lachte die schlanke Elfe und strich sich eine dünne Strähne, die sich aus dem erdbraunen Zopf gelöst hatte, hinter die spitzen Ohren und ihre blauen Augen funkelten kess.
"Ariane!" keuchte ich, noch halb im Schreck, doch dann rief ich voller Begeisterung ihren geliebten Namen aus. "Oh! Ariane! Oh! Du bist zurück!" Nun war es an mir, ihr einen Schrecken einzujagen, indem ich ihr voller Freunde um den Hals fiel und somit fast sie von den Füßen riß.
"Ho! Immer langsam, kleine Katze! Ich werde schließlich auch nicht jünger!" Doch dann schloß auch sie mich lachend in den Arm und fragte: "Und jetzt erzähl, was passiert ist, während ich fort war. Und wehe, du vergißt auch nur die winzigste Kleinigkeit!"

Und so erzählte ich ihr von Anfang an, was geschehen war, daß der Knecht um die Magd geworben hatte oder die Kuh des Bauern dieses Jahr besondere Kälber geworfen hatte, eben all daß, was den Alltag in unserer so kleinen, unschuldigen Welt ausmachte. Und so war ich so sehr im Schwall meiner eigenen Worte gefangen, daß ich selbst es plötzlich wie einen körperlichen Ruck empfand, als ich zögerte, von den jüngsten Ereignissen zu erzählen, angefangen damit, daß der Prinz in unser Dorf gekommen war. Ich fühlte mich, als hätte ich plötzlich ein allzu intimes und gleichsam erschreckendes und aufregendes Geheimnis zu hüten.

"Zögerst du, kleine sha'nin?" fragte Ariane mit einer zwar nicht ernsten, doch irgendwie anders betonten Stimme und in meinen Ohren klang der nachfolgende Schalk ihrer Worte und das verschwörerische Zwinkern der schrägen Katzenaugen beinahe etwas gezwungen. "Bist du etwa verliebt und willst es deiner armen, ach so neugierigen Freundin etwa nicht anvertrauen?"
Ich lachte, doch selbst in meinen eigenen Ohren klang es nicht wahrhaftig. Ich spürte, wie sich etwas zwischen uns aufzubauen drohte, ein erstes Mal Verschlossenheit zwischen zwei vollkommen miteinander Vertrauten. "Es ist ein Fremder im Dorf", platzte ich heraus, fast gegen meinen Willen, doch im Reflex, diesen Wall einzureißen, bevor er Gelegenheit haben würde, sich überhaupt aufzurichten.
"Ein Fremder?" fragte Ariane mit einem Stirnrunzeln, daß die elfisch glatten Züge auf seltsame Weise schmückte.

Ich nickte heftig. Plötzlich war das Verlangen, ihr zu erzählen, was vorgefallen war, größer als der untergründige Drang, zu schweigen und mit einer Lüge zu decken, was meine Gedanken am meisten beschäftigte. Und so erzählte ich alles, was ich über den Prinz von Thot wußte - was, wie ich selbst in diesem Augenblick merkte, erschreckend wenig war - über seine nahezu wortlose Ankunft, seine nebelhaften Augen und all die kleinen Dinge, die ich von ihm wahrnehmen konnte. Ariane lauschte mir aufmerksam, stelle hie und da eine Frage und nachdem ich in meinen Bericht geendet hatte, schwieg sie eine kleine Weile und dachte nach, wobei mich die schlanken, spitzen Elfenohren an die einer aufmerksamen Katze erinnerten. Ich wunderte mich, als mir dieser etwas raubtierhafte Eindruck plötzlich mehr bedrohlich als anmutig erschien.

Plötzlich grinste die Elfe breit und sagte: "Tja, wenn der Fremde wirklich ein Elfengeborener ist, dann werde ich mir den Artgenossen wohl einmal genauer ansehen." Sie zwinkerte erneut ihr keckes Augenkniffen und ich fühlte mich wieder etwas wohler. Da rief sie unvermittelt aus: "Ach, ich dummes Waldhuhn! Verzeih', im Wald lernt man schnell, alle Manieren zu vergessen. Jetzt frage ich und frage ich und vergesse vollkommen, dir das Geschenk zu geben, das ich dir extra aus Weidenfelde mitgebracht habe!" Sie griff sie mit beiden Händen an den Hals, und löste geschickt und schnell den Knoten eines ledernen Bandes, das eines ihrer vielen Amulette hielt. Sie nahm das Band ab und hielt es mir hin. "Hier, für dich!" sagte sie.

Ich betrachtete den Anhänger. Ein Amulett aus sorgsam geschnitzen Holz, vermutlich zwergische Arbeit. Es hatte die annähernde Form eines Auges, schien jedoch gleichzeitig wie eine Rune zu sein. Je länger ich die verwirrende Form betrachtete, desto schwindliger wurde mir und ich bekam leichte Kopfschmerzen. Ich wollte blinzeln, doch es gelang mir nicht richtig und schließlich blieb mir nichts anderes, als den Blick abzuwenden, bevor mein Gehirn sich endgültig anfühlte wie ein heißes Eisen unter dem Hammer des Schmieds.

"Es ist schön, nicht wahr?" Arianes Stimme kam wie aus weiter Ferne.
"Ja, sehr schön," murmelte ich halb benommen, mehr aus Höflichkeit als aus Überzeugung. Als ich einen weiteren Seitenblick auf das Amulett warf, stieg in mir sofort wieder die Übelkeit hoch.
"Leg es an!" forderte die Elfe mich auf.
Entsetzt blickte ich sie an. Sie konnte doch nicht wirklich von mir verlangen, daß ich dieses scheußlich verzauberte Ding um den Hals trug, wenn mir doch allein schon der Anblick Kopfschmerzen bereitete?
"D... danke", stotterte ich, gleichzeitig um eine höfliche Ausrede wie Ausflucht bemüht. "Aber... ich will es nicht! Es...". ...tut mir weh, wollte ich sagen, doch ich dachte, mich mit einer solchen Aussage mehr lächerlich zu machen, als mich aus der Affäre zu ziehen und mein Gehirn suchte nach einer Notlüge - bis mir diese Erkenntnis alle Gedanken einfrohr. Was war geschehen, daß ich vorhatte, meine beste Freundin zu belügen?

Ariane machte ein ernstes Gesicht, als meine Worte versiegten, als wüßte sie genau, was in mir vorging. Dann seufzte sie und sagte fast niedergeschlagen: "Na gut, wenn du es nicht willst, kann ich dich nicht dazu zwingen, es zu tragen. Aber ich werde es trotzdem für dich aufheben."

Ich nickte, halb erleichtert, halb beklommen, ob ich sie beleidigt hatte. Wir redeten noch eine Weile, doch schließlich verlor sich unser Gespräch und wir verabschiedeten uns. Als ich alleine zum Dorf zurück ging und sie zu ihrer Hütte etwas außerhalb, war ich zutiefst verwirrt. Noch nie war es geschehen, daß wir uns so getrennt hatten, schon gar nicht nach Zeiten so langer Trennung nach ihrer sommerlichen Wanderung.

So verwirrt bemerkte ich nicht, worauf ich trat, bis ein leises Stöhnen mich aus meinen Gedanken riß. Ich sah nach unten ins Unterholz von wo das Geräusch gekommen war, und als ich die Quelle des Lautes erblickte, war ich vor Schreck so sehr erstarrt, daß mir sogar ein Schrei verwehrt blieb. Ich weiß nicht, ob Birga mich noch hatte sehen können, denn ihr Blick war von Furcht umfangen und wohl kaum noch in der Lage, etwas außer modernder Angst wahrnehmen zu können. Dann schloß sie die Augen und ein letztes Seufzen entwich ihrer mumifizierten Kehle, dann war sie gestorben.

Ende der Leseprobe

Diese Leseprobe stammt aus einem gerade im Aufbau befindlichen Fantasy-Projekt, welches nach Fertigstellung auch im WWW vertreten sein wird. Weitere Anfragen sind bitte an die Autorin zu richten.

Janina Radny
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