Dunkelheit

Case lag langgestreckt auf der Pritsche als er durch ein rütteln unsanft geweckt wurde. Noch bevor er sich aufrecht hinsetzten konnte, folgten noch einige weitere Erschütterungen, dann konnte er die Situation aber erfassen: Roudrigez und Turner waren aufgesprungen um ein Druckleck am Schott des Personenfrachters zu dichten, und der Kommandant plärrte einige Befehle herum. "Notlandung in zwei Minuten", tönte die blecherne Stimme aus dem Lautsprecher "Durch die vehemente Gegenwehr wird das ganze ein wenig unsanft werden". Inzwischen war Case auf den Beinen und verstaute seine Ausrüstung im Rucksack, danach hieß es für alle "Ab in die Anzüge. Sobald wir unten sind werden wir die Schleuse sprengen um schnell raus zu kommen, dann treffen wir uns 200 Meter südlich des Bruchlandepunktes". Das rütteln im Schiff wurde immer stärker, wahrscheinlich hat einer der im Orbit stationierten Laser ein Triebwerk getroffen, dachte Case.
Der gesamte Trupp war nun fertig zum aussteigen, man konnte die rhythmische Atmung der anderen durch das Kommlink hören. Case schaute gelassen rüber zu Turner, als dieser seinen Blick auffing meinte er: "Schlimmer als auf Riegel 5 kann es gar nicht kommen, wir werden den Typen hier schon in den Arsch treten. Spätestens in 4 Stunden heben wir wieder ab." Allgemeines Gelächter machte sich unter dem Dutzend Veteranen breit.
"Festhalten, Aufschlag in 20 Sekunden" schrie der Kommandant, und 19,5 Sekunden später riss es alle von den Beinen. Roudrigez sprang gleich wieder auf und machte sich an dem Schott zu schaffen, und nach ein paar Augenblicken flog eben dieses mit einem lauten Knall nach außen. Durch das zwei Schritt messende Schott konnte man zuerst nichts sehen, eine Wolke Sandstaub versperrte die Sicht, dann stieg der erste Mann mit eingeschaltetem Schulterscheinwerfer in die Dunkelheit. "Zum Treffpunkt", vernahm Case durch das Kommlink und setzte sich in Bewegung, es fiel ihm leicht vorwärts zu kommen, die Schwerkraft war um einiges Geringer als er gedacht hatte.
Auf der kleinen Anhöhe angekommen konnte er den ersten richtigen Blick auf die Umgebung werfen, es war Dunkel nur die Scheinwerfer beleuchteten einen Teil der Planetenoberfläche, doch außer Sand war nichts zu erkennen.
„3 Kilometer westlich liegt ein Kraftwerk, es ist kaum bewacht da niemand damit gerechnet hat, dass wir jemals so weit hinter der Frontlinie landen könnten. Wir werden uns dort hin begeben und unser Sprengkommando wird ein hübsches Feuerwerk veranstalten, los geht’s!“ kam die neue Weisung des Kommandanten, „Bei der ganzen Aktion sollten wir uns beeilen, wir haben nur Luft für 18 Stunden und müssen auf dem Landweg zurück“.
Die Ausrüstung wurde auf ein leicht beschädigtes Transportfahrzeug gehievt, und dann brach der Troß auf. Turner und Case bildeten die Vorhut, sie hatten das Gebiet ein paar hundert Meter vor dem eigentlichen Trupp zu untersuchen, bei der Finsternis gar kein so leichtes Unterfangen. Turner stapfte voran und blickte nach vorn, während Case die Seiten beobachtete.
„Runter, Case“, konnte Turner gerade noch rufen, dann wirbelte er herum und fiel zu Boden. Case folgte seiner Weisung und warf sich auf den Boden, er konnte allerdings keinerlei Gefahr ausmachen, also robbte er langsam auf Turner zu. Ein leises Zischen war aus seiner Richtung zu vernehmen. „Scheiße! Sir, Turner ist tot, irgendwas hat seinen Körper von der Hüfte bis zur Linken Schulter aufgeschlitzt.“, „Bleiben sie wo sie sind, wir werden zu ihnen aufschließen“. So musste Case ein paar Minuten neben der Leiche von Turner warten und ständig das Zischen der aus dem Anzug entweichenden Luft vernehmen.
„OK Case, wir gehen weiter, ab sofort bleiben alle zusammen!“, lautete der nächste Befehl, „nur noch über die nächste Düne und wir sind am Kraftwerk. Und als sie die Düne überquerten, waren sie nur noch zweihundert Schritte vom Komplex entfernt. Dort lagen bereits Menschen auf dem Boden, einige Gasleitungen hatten Löcher aus denen weiße Wolken aufstiegen, und die zwei stationären Geschützte lagen umgestürzt im Sand. „Verdammt, was ist hier los, Sir? Da war schon einer vor uns da.“
„Roudrigez wird die Sprengladungen trotzdem sofort anbringen, wir sichern die Umgebung!“
Schnell bildeten sich zwei Gruppen, während Roudrigez aufbrach, des weiteren wurden einige Leuchtkörper in die nähere Umgebung geschossen. Alle nahmen ihre Waffen in Anschlag und warteten. „Bin bald am Hauptreak... Ahhhhhhh!“, kam es durch das Kommlink. „Roudrigez, Meldung!“, „Roudrigez!“.
Die sonst scharf vom Licht abgegrenzte Dunkelheit begann plötzlich zu wabern und es lösten sich daraus Schatten im Menschengröße die blitzschnell auf die Soldaten zuschossen. „Feuer, schießt alles nieder, das ist ein Hinterhalt!“ Die Maschinengewehre ratterten, doch ein Schatten erreichte bereits einen der Soldaten, der gleich darauf umfiel. Nun begannen alle wie wild durch die Gegend zu schießen, in der Hoffnung auch nur einen der Angreifer zu erwischen. Doch es stürzte ein Soldat nach dem anderen.
Case, der Roudrigez ein Stückchen begleitet hatte, kam erst nach einigen Augenblicken keuchend am Rande des Schauplatzes an. Und gleich beschloss er sich in die Dunkelheit zurückzuziehen, diese Taktik erschien ihm in dieser Situation keineswegs ehrlos. Er lief solange es seine Kondition zuließ und fiel dann mit den Knien in den Sand, hier würde er sich ein wenig ausruhen und dann versuchen in einem der bruchgelandeten Transporter zu fliehen. Case atmete kräftig durch und versuchte die Schreie wegzuwischen die ihn erreicht hatten bevor er sein Kommlink ausschalten konnte, dann erhob er sich wieder.
Ein kurzer, heftiger Stoß und er lag im Sand, vor ihm hatte sich eine schwarzer Masse aufgebaut und ihn gerammt, sie hatte ihn ziemlich genau am Visier getroffen, in dem sich nun Risse bildeten und sich weiter fortsetzten, bis das Plastik endgültig nachgab ...

Nosferatu

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