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London by Night

Produkttyp: Quellenmaterial ¸ Buch für [London By Night]

Sprache: Englisch

Verlag: Ragnarok Press [HP]

Preis: unbekannt

Erstveröffentlichung: 1984/1991

Rezension: keine vorhanden

Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit oder Vollständigkeit!
Bezugsquellen für Bücher und Rollenspielprodukte sind die Rollenspiel-Händler Tellurian, NewWorlds,
Info-Text:
Viktorianische Detektiv- und Horrorgeschichten: Bram Stoker¸ Mary Wollstonecraft Shelley¸ Robert Louis Stevenson¸ Arthur Conan Doyle.
London by Night ist ein Rollenspiel¸ das zur Zeit Königin Viktorias spielt¸ genauer gesagt um 1890¸ im London Sherlock Holmes¸ Jack the Rippers und Draculas. Es können also gleichermaßen übernatürliche Abenteuer gespielt werden¸ wie solche¸ die mit allen drei Hufen fest auf dem Gebäude der Wissenschaft stehen¸ oder auch Akte-X-mäße¸ bei denen am Ende fast alle Geschehnisse rational erklärt sind¸ fast. Seit der Überarbeitung 1991 basiert London by Night auf dem System von To Challenge Tomorrow¸ wo ich leider nicht kenne. Es erscheint mir aber recht komplex. Die visuelle Qualität des Produktes läßt leider zu wünschen übrig. Ich bin wahrlich kein Fan von Hochglanzprospekten¸ von daher kommt mir London by Nights konsequentes Schwarzweiß schon entgegen¸ aber die Druckqualität ist nur die eines Copyshops Anfang der 90er¸ dahe wohl auch das Pappcover¸ das einem Angriffsbündnis von Cola und Kartoffelchips wenig entgegenzusetzen hat. Abbildungen sind spärlich und haben meist nichts mit dem Text auf der Seite zu tun¸ was darauf schließen läßt¸ daß sie lediglich aus zeitgenössischen Werken hineinkopiert wurden. Das erklärt auch¸ warum sich auf der Titelseite niemand für sie verantworten mag. Was bleibt ist eine Bleiwüste¸ aber die ist vollgestopft mit Informationen! Ein bemerkenswerter Punkt an London by Night ist die kurze (etwa vier Seiten) aber prägnante Einführung in das Viktorianische London: Die Gesellschaft¸ Karrieren und Beschäftigung¸ politische Bewegungen¸ die Unterwelt¸ Regierung¸ Polizei- und Gerichtswesen und das Übernatürliche werden ganz gefällig zusammengefaßt. Mehr ist in dem zur Verfügung stehenden Platz nicht möglich. Der andere Punkt ist der auszugsweise Nachdruck des Londoner Baedekers von 1894. Leider stark verkleinert¸ auf die untere Hälfte einer Seite London by Night passen drei Seiten Baedeker¸ die auch noch einmal mehr kopiert sind. Zusammen mit der allgemein schlechten Druckqualität bleibt das ganze gerade noch lesbar. Das gilt nicht mehr für die Karten des Britischen Museums und des Towers von London¸ und der Stadtplan ist wirklich katastrophal. Durch die konsequente Verwendung von Text statt Bild schaffen es die Autoren allerdings¸ noch vier Abenteuer unterzubringen: "Wings in the Night" von Eric Olson erzählt die Geschichte von Dracula in London nach. Damit endet aber bereits jede Ähnlichkeit mit Bram Stokers Dracula¸ denn Olsons Vampir ist nicht bis zur Handlungsunfähigkeit in Mina Harker verliebt. Er ist Graf Dracula¸ unsterbliche Hülle des Machtpolitikers und großen Heerführers Vlad Tepes¸ und er hat besseres zu tun¸ als erste Nebenrolle in Viktorianischen Dramen zu spielen. In "Closing Act"¸ vom selben Autor¸ wird der verdächtige Todesfall eines bekannten (historischen) Londoner Theaterkritikers untersucht. David Nalles "Shadow of a God" ist ein verrückter Wissenschaftler¸ der Organspender für eine Ägyptische Mumie sucht. "Mission for the Kaiser"¸ vom selben Autor¸ ist schließlich ein Fall von Spionage beim Maschinengewehrhersteller Maxim. Wie man sieht¸ sind alle Abenteuer Untersuchungen der einen oder anderen Art. Natürlich kommt es dabei auch zu Actionszenen¸ aber der Tenor von London by Night liegt doch deutlich auf Detektivarbeit und "wissenschaftlicher" Parapsychologie. Das liegt vielleicht an den literarischen Vorbildern¸ vielleicht an der Zeit und am Ort¸ ich weiß es nicht. Recht komplexes System aus 12 Basis- und 7 abgeleiteten Attributen¸ unter denen auch die Anzahl der Punkte fällt¸ für die Fertigkeiten erworben werden können (später kommen Erfahrungspunkte dazu). Es ist auch möglich¸ Punkte durch Inkaufnehmen von Nachteilen zu erwerben¸ die nicht näher bezeichnet werden. Im Ganzen bleibt ziemlich viel ohne nähere Bezeichnung und so dem Spielleiter überlassen. Die Magie verbirgt sich unter dem Deckmäntelchen der Kräfte des Geistes. Das Phänomen Psi scheint mir auch besser in die damalige Zeit zu passen als "echte" Magie. Im Anhang befinden sich ein paar Tabellen und "Spruchlisten"¸ in denen die Autoren dermaßen mit Abkürzungen um sich geworfen haben¸ daß sie nur Eingeweihten zugänglich sind. Zusammenfassend scheint London by Night ein mit dem To Challenge Tomorrow-System ein durchdachtes "realistisches" und logisches fertigkeitenbasiertes Rollenspielsystem zugrunde zu liegen¸ das leider unter seinem eigenen Gewicht erdrückt wird. Daß kein Charakterblatt beiliegt¸ macht es nicht besser.

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